20.10.2014 09:00 bedeutende, hauseigene Sammlung

Ausstellung in Kaiserslautern: Madonna im Keller - Graphik der Neuen Sachlichkeit aus eigenem Bestand

ausstellung kaiserslautern

Die Ausstellung bietet anhand des hervorragenden Bestands der Graphischen Sammlung im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern einen breit angelegten Überblick über das Stilpänomen der Neuen Sachlichkeit; Bild 1: Rudolf Schlichter, Gesicht aus dem Dunkel, 1930, Aquarell, mpk, Graphische Sammlung. Foto: Gunther Balzer

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Bild 2: Rudolf Schlichter, Jenny, um 1922-25, Tusche, mpk, Graphische Sammlung. Foto: Gunther Balzer

madonna im keller ausstellung

Bild 3: Georg Scholz, Zeitungsträger, 1921, Aquarell, mpk, Graphische Sammlung. Foto: Gunther Balzer

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Bild 4: Xaver Fuhr, Häuser an der Brücke, um 1935, Aquarell, mpk, Graphische Sammlung. Foto: Gunther Balzer

Von: GFDK - Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern stellt  in einer konzentrierten Ausstellung ihre bedeutende, hauseigene Sammlung an Graphik der Neuen Sachlichkeit vor.

Ausstellung in Kaiserslautern

Die Neue Sachlichkeitist als Stilform zwischen Expressionismus und Informel im Kern ein Phänomen der 1920er Jahre und beschreibt das Hauptinteresse ihrer Vertreter an der distanzierten Wiedergabe kühl formulierter Wirklichkeit. 

Eine Beschreibung der Stilgegebenheiten neusachlicher Kunst kommt kaum ohne Adjektive wie klar, sachlich, nüchtern, glatt oder objektiv aus. Bezeichnungen wie Magischer Realismus oder Verismus benennen daneben andere Spielarten der realistischen Kunst dieser Zeit. Tatsächlich richten die Künstler den Fokus auf stringente Sachwirklichkeit und formulieren damit eine radikale Absage an die revolutionierenden Ideale des vorangegangenen Expressionismus. Damit einher geht eine Wiederaufnahme des tradierten, klassischen Formenkanons gültiger künstlerischer Gesetzmäßigkeiten, die in einen fast manieriert ruhigen Zug des Formalen mündet.

Ganz allgemein muss die Neue Sachlichkeit auch als Gegenbewegung zu den sich während der 20er Jahre langsam emanzipierenden Tendenzen der Konkretion verstanden werden. Denn neusachliche Kunst transportiert Inhalte und ist über weite Strecken auch politisch engagierte Kunst als Spiegel ihrer Zeit.

Zum Verständnis muss die historische Situation kurz umrissen werden: Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg ist geprägt von wirtschaftlicher Not und großer sozialer Zerrissenheit. Das Elend der Hungernden und Besitzlosen kontrastiert mit Reichtum und Lebenslust der aufkommenden roaring twenties. Besonders treffend künstlerisch kommentiert und in Szene gesetzt ist diese Atmosphäre mit dem Aquarell des Zeitungsträgers von Georg Scholz, das zu den bedeutendsten Zeugnissen der Graphik der 20er Jahre zählt und als Ikone der Neuen Sachlichkeit gilt.

Die Ausstellung bietet anhand des hervorragenden Bestands der Graphischen Sammlung im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern einen breit angelegten Überblick über das Stilpänomen der Neuen Sachlichkeit: Im Fokus stehen neben Hauptvertretern wie Otto Dix, George Grosz und Georg Scholz auch weniger bekannte Künstlerpersönlichkeiten wie Xaver Fuhr, Wilhelm Heise, Karl Holtz, Alexander Kanoldt, Karl Michel, Karl Rössing, Rudolf Schlichter, Hans Otto Schönleber oder Georg Schrimpf.

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