11.06.2013 08:00 hat Gemälde der alten Meister fotografiert

Ausstellung in Jena: Die eindrucksvollen Fotografien Mimmo Jodices bestechen durch eine suggestive, poetische und dennoch klare Bildsprache

Mimmo Jodice  gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen italienischen Fotografen

Mimmo Jodice gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen italienischen Fotografen; (c) Mimmo Jodice, courtesy Galerie Karsten Greve

hat Gemälde der alten Meister fotografiertDie eindrucksvollen Fotografienfotografiert historische Monumente, antike Skulpturen oder Landschaftenin enger Beziehung zur Gemäldesammlung des Museo di Capodimonte in NeapelGegenüberstellungen der Fotografien
Von: GFDK - Kunstsammlung Jena - 6 Bilder

Mimmo Jodice (*1934) gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen italienischen Fotografen. Sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ist Neapel, wo er von 1969 bis 1994 an der Accademia di Belle Arti di Napoli gelehrt hat. Seit Beginn der 1990er Jahre wird sein Werk in zahlreichen Ausstellungen zwischen Montreal, Rom, New York und London gezeigt und in Publikationen dokumentiert.

In den 1960er Jahren, nach einem vergleichsweise späten Einstieg in die Fotografie, arbeitet Jodice mit zahlreichen Vertretern aus Pop Art, Arte Povera und Fluxus zusammen. Er fotografiert viele seiner Kollegen, darunter Andy Warhol, Joseph Beuys und Robert Rauschenberg. Später konzentriert er sich auf Landschaftsfotografie und unbelebte Szenerien, die er vor allem in seinem Heimatland entdeckt und ausschließlich in Schwarz-Weiß fotografiert. Oftmals legt Jodice seine Motive im Spannungsfeld zwischen Geschichte und Gegenwart an.

Ausstellung in Jena

Er fotografiert historische Monumente, antike Skulpturen oder Landschaften, die voller Geschichte sind und den Horizont unseres Daseins weiten und auch relativieren. Nicht selten stellt er diesen von den Jahrhunderten durchlebten Landschaften helle und offene Ausblicke oder Fotos moderner Architektur gegenüber und verweist damit auf Gegensätze, die für Italien – mehr als für andere Länder – gegenwärtig sind. Ein Beispiel dafür ist seine Serie Lost in seeing. Dreams and Visions of Italy, bekannt sind jedoch auch die düsteren Fotos Jodices aus seiner Heimatstadt Neapel. Immer wieder sind es Zeit und Vergänglichkeit, die im Zentrum der Arbeit stehen.

Jodice sucht und verweist auf die Spuren und Wurzeln unserer Existenz, auf surreale Zusammenhänge und verworrene Linien und auf jene metaphysische Abdrücke, in denen sich Geschichte und Gegenwart überlagern und einander erklären.

Bildende Kunst

Die Fotografien der Folge Transiti sind in enger Beziehung zur Gemäldesammlung des Museo di Capodimonte in Neapel entstanden. Mimmo Jodice hat die Gemälde der alten Meister, insbesondere die eindringlichen Menschendarstellungen studiert und ausgewählte Ausschnitte und Porträts fotografiert. Diese Studien bringt er in einen faszinierenden Dialog mit seinen über Jahre entstandenen Porträtaufnahmen von den Straßen Neapels.

Freunde der Kunst

Wie bereits in den Landschaften sucht Jodice auch in den Gesichtern, Gesten, Blicken, Augen, in Mimik und Gestik nach jenen Gemeinsamkeiten, die uns verbinden und der Vergänglichkeit entheben. Diese Momente sucht Jodice auch in den Gemälden der alten Meister – vor allem bei den Nebenfiguren – bei denen, die sich außerhalb repräsentativer Aufgaben in expressiven Momenten öffnen und nun, durch Gegenüberstellungen der Fotografien, mit ihren Nachkommen in einen Dialog treten dürfen.

stadtmuseum@jena.de