11.12.2014 08:00 Kunstraum Innsbruck

Ausstellung in Innsbruck: NASAN TUR - SCHICHTEN - reflektiert die politischen Ideologien und unterschwelligen Botschaften

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Nasan Tur recherchiert die Symbole der Macht und des Dissenses, wie sie den öffentlichen Raum und unsere gegenwärtigen Meinungsbilder prägen; Courtesy Nasan Tur and Blain/Southern London-Berlin

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Von: GFDK - Kunstraum Innsbruck

Der Künstler Nasan Tur (*1974) reflektiert anhand der Arbeitsbedingungen sozialer und künstlerischer Praxis die darin manifesten politischen Ideologien und unterschwelligen Botschaften. Hierbei recherchiert er die Symbole der Macht und des Dissenses, wie sie den öffentlichen Raum und unsere gegenwärtigen Meinungsbilder prägen.

Ausstellung in Innsbruck

Im Hauptraum des Kunstraum Innsbruck zeigt Nasan Tur die Wandarbeit Police Paintings.  Die grauen Farbflächen sind Aneignungen und Re-Enactments von vorgefundenen Graffitis im urbanen Außenraum bzw. deren Übermalungen. Diese sind aus der Interaktion zwischen politischem Bürgerprotest und der Istanbuler Polizei, dem Exekutivorgan des Staates, entstanden. Im Sommer 2013 hat Nasan Tur die übermalten Schriftzüge der Gezi-Park-Protestbewegung abfotografiert und danach eins zu eins in den Ausstellungsraum übertragen. Durch diesen Transfer der zu monochromen Flächen verstummten politischen Botschaften reflektiert der Künstler nicht nur, wie sich der Staat zur Bürgermeinung verhalten hat, sondern auch die Komplexität der bestehenden institutionellen und politischen Rahmenbedingungen.

Die Übermalungen geraten dabei selbst zur öffentlichen Manifestation von staatlichem Gewaltmissbrauch, da die Polizei im Grunde jenes Recht auf Meinungsäußerung und Privateigentum vandalisiert hat, das zu beschützen ihr Auftrag ist. Im kunstinstitutionellen Rahmen erhält der doppelt ausgeführte Vandalenakt jedoch auch einen malerischen Charakter, was einen so ironischen wie zynischen Kommentar zur Kunst und deren Rezeption impliziert. Nasan Tur stellt die Frage in den Raum, ob die politische Unterdrückung nicht letzten Endes auch im positiven Sinne in Kunst münden kann, wenn sie im Zentrum der institutionellen und staatlich getragenen Repräsentationsräume – trotz der vorausgegangen Auslöschung der eigentlichen Inhalte – zu einer produktiven und sachlichen Diskussion beiträgt.

In der Videoarbeit Magic (2013) im Projektraum geht es ebenfalls um transformatorische Prozesse bzw. um die Manipulation unserer Realitätswahrnehmung im kulturellen und politischen Sinn. Der Betrachter sieht auf schwarzem Grund die Hände des Künstlers Zauberkunststücke ausführen. Dabei kommen politisch und kulturell aufgeladene Objekte zur Verwendung, anhand der illusionistischen Tricks werden Mechanismen von Manipulation und Propaganda offengelegt. Wie bilden wir uns eine Meinung, wie werden wir durch Einflüsse von außen in der Wahrnehmung geleitet? So zeigt die erste Einstellung drei unterschiedliche Cola-Dosen bzw. -Flaschen: Cola Turka, Coca Colaund Zam Zam Cola.

Cola Turka wurde im Zuge der anti-amerikanischen Stimmung zu Beginn des Irakkrieges 2003 in der Türkei hergestellt, die Zam Zam Cola entstand schon früh als Gegenreaktion zum amerikanischen Imperialismus im Iran und wird bis heute getrunken. Eine andere Sequenz zeigt die Verwandlung der Titelseite von einer amerikanischen in eine arabische Tageszeitung oder auch die Faust des Künstlers, in der die israelische Flagge zu einer palästinensischen mutiert. Der spielerische Akt des Zauberkunststücks gerät zur Gegenüberstellung von halber Wahrheit und Realität. Erst in der Gegenüberstellung wird erkennbar, dass jeder Sachverhalt einer mehrseitigen Betrachtung bedarf.  

Freunde der Kunst

Anhand dieser minimalen Eingriffe – sei es das Übertragen von Graffitiübermalungen in den Ausstellungsraum oder die Gegenüberstellung propagandistisch aufgeladener Objekte – führt Nasan Tur vor, wie komplex sich unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit generiert. Ständig wird sie durch Einflüsse von außen bedroht und geprägt, zugleich bleibt sie offen für eine Korrektur durch Reflektion und Intervention. 

Karin Pernegger, Kunstraum Innsbruck

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