30.12.2014 09:00 Kunstverein

Ausstellung in Heidelberg: ›Fremd bin ich Eingezogen‹ - thematisiert Bedingungen, Strategien und spezifische Arbeitsweisen reisender Künstler

ausstellung in heidelberg

Die Ausstellung „Fremd bin ich eingezogen ...“ nimmt einen spezifischen Künstlerhabitus in den Blick, denjenigen einer reisenden Existenz; (c) Bild 1: (c) Minus Delta t

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Bild 2: (c) Ole Aselmann

fremd bin ich eingezogen ausstellung

Bild 3: (c) Alexandros Georgiou

fremd bin ich eingezogen heidelberg

Bild 4: (c) Antje Schiffers

Von: GFDK - Kunstverein Heidelberg

Die Ausstellung „Fremd bin ich eingezogen ...“ nimmt einen spezifischen Künstlerhabitus in den Blick, denjenigen einer reisenden Existenz. Sie thematisiert Bedingungen, Strategien und spezifische Arbeitsweisen reisender Künstler.

Ausstellung in Heidelberg

Reisen zu Fuß, mit dem Auto, dem Schiff, dem Fahrrad oder dem Flugzeug – was sonst Mittel zum Zweck und für Künstler in einem internationalen Kulturbetrieb längst fester Bestandteil des Lebens und der Arbeit ist, ist für die hier gezeigten Künstler Selbstzweck und Inhalt ihres künstlerischen Schaffens. Jenseits eines ortsgebundenen Ateliers gelten andere Arbeitsbedingungen, die das Werk auf spezifische Art prägen. Dabei rückt sowohl die Rolle des Künstlers als auch die Bedeutung von sozialen und kulturellen Netzwerken in den Fokus.

Außerhalb des eigenen Kultur- und Sprachraumes gewinnen zudem Fragen nach den konstituierenden Elementen der eigenen Identität an Relevanz. Unabhängig davon, ob der nomadisierende Künstler als Flaneur oder in eigenem Forschungsauftrag aufgebrochen ist, sammelt oder tauscht – er vermisst Eigentümliches oder Befremdliches, durchschreitet geographische und mentale Räume, überschreitet deren Grenzen und wird somit zu einem Seismographen und Mittler eines globalen Kulturverständnisses, der Menschen und Traditionen unterschiedlicher Herkunft miteinander in Kontakt bringt.

Die Ausstellung „Fremd bin ich eingezogen …“ vereint elf künstlerische Positionen: aktuelle Produktionen ebenso wie „historische“ Arbeiten aus den 1970er und 1980er Jahren. Ausgangspunkt ist HA Schults „Aktion 20.000 Kilometer", die am 3. November 1970 Station im Heidelberger Kunstverein machte. HA Schult stellte vor den Augen einer empörten Öffentlichkeit nicht nur den tradierten Kunstbegriff in Frage, sondern inszenierte komprimiertes Leben als Strapaze und Ausgesetztsein innerhalb des Kunstbetriebes.

Auch das schweizerisch-österreichische Künstlerkollektiv Minus Delta t bewegte sich zu Beginn der 1980er Jahre mit dem Schwertransport eines Felsbrockens von Europa nach Asien im Spannungsfeld von Institutionskritik und globalem Kulturaustausch. Dem Künstlerduo Com&Com dient zurzeit ein mächtiger Baumstamm als Katalysator, dessen Reise über alle Kontinente die historischen Fragen nach der Sinnhaftigkeit von Grenzziehungen zwischen Kunst und Volkskultur, lokaler Tradition und globaler Entwurzelung aktualisiert. Reisen fungiert hier als offenes System der latenten Infragestellung und der unerwarteten Antworten.

Weitere Schwerpunkte werden in der Ausstellung auf die Narration als Mittel der Orientierung in der Fremde und als wesentliche kulturelle Praxis während des Reisens gelegt. Hierfür stehen die Arbeiten von Alexandros Georgiou, Lukas Birk und Ole Aselmann. Reisetagebücher, Postkarten und ein Hörstück sind die von ihnen gewählten Medien. Jürgen Krause und Guy Ben-Ner entwickeln mit einer millimetergenauen geographischen Karte und einem an verschiedenen Orten gefilmten Live-Performance-Video spezifische Aufzeichnungsformate, in denen die Überlagerung von Raum und Tätigkeit thematisiert werden. Mit den Kostümplänen und Polaroids von EVA & ADELE werden Reisedokumente gezeigt, die individuelle Historie aufheben und Identität als Kunstwerk beschreiben, das ebenso Kunst wie Leben ist. Antje Schiffers schließlich befragt die Rolle des Künstlers außerhalb der bekannten Strukturen von Kunst- und Kulturindustrie. Sie tauscht ihre Kunstwerke und ihre Arbeitszeit gegen Waren aus anderen Werkprozessen.

Freunde der Kunst

Den romantischen Prolog zur Ausstellung bildet die Audioinstallation von Boris Dornbusch, die der Künstler eigens für das Foyer des Heidelberger Kunstvereins entwickelt hat. Mit seiner Arbeit schickt er die Teilnehmenden auf eine Traumreise – von diesem Nicht-Ort an den möglichen Ort der Sehnsucht. Auf poetische Weise sensibilisiert, kann man die Zusammenhänge zwischen der Architektur des Gebäudes und der Landschaft in dessen unmittelbarer Umgebung ergründen. Das Foyer wird durch die minimale Intervention zur durchlässigen Membran für Tagträume & Sehnsüchte, einer wesentlichen Triebfeder für den Aufbruch zu einer Reise.

22.11.2014. - 1.2.2015

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