14.05.2015 07:00 direkt und schonungslos

Ausstellung in Hannover: nan goldin - nimmt eine zentrale Position in der zeitgenössischen Fotografie ein

Nan Goldin ausstellung hannover

In Form eines visuellen Tagebuchs beschreibt Goldin nicht nur intime Momente, sondern verweist zugleich auf soziale Zustände und Entwicklungen in der Gesellschaft; (c) Nan Goldin

Von: GFDK - Kestnergesellschaft

Nan Goldin (*1953 Washington, D.C.) nimmt eine zentrale Position in der zeitgenössischen Fotografie ein. Ihre Fotografien erzählen direkt und schonungslos vom persönlichen Lebensumfeld der Künstlerin, die ihre Freunde, aber auch sich selbst immer wieder porträtiert hat. Die Ausstellung in der kestnergesellschaft spannt einen Bogen von frühen Arbeiten der 1980er und 1990er Jahre bis zur neuesten Werkreihe »Scopophilia«, die erstmalig in Deutschland präsentiert wird.  

Ausstellung in Hannover

Mit ihrem legendären Werk »The Ballad Of Sexual Dependency« erlangte Goldin Anfang der 1980er Jahre internationale Aufmerksamkeit. Den künstlerischen Ansatz des subjektiven Blicks in der zeitgenössischen Fotografie hat sie mit ihren Arbeiten entscheidend mitgeprägt. Ihre Bilder handeln von existenziellen Themen wie Freundschaft, Liebe, Hass, Begehren, Krankheit und Tod. Zumeist präsentiert Goldin die Fotografien als Slideshow oder sie arrangiert mehrere Aufnahmen in thematischen Rastern, sogenannten »grids«, so dass narrative Zusammenhänge zwischen den einzelnen Fotografien entstehen. Goldins Arbeiten können als eine Art persönliches, visuelles Tagebuch gelesen werden, gleichzeitig verweisen sie stets auf kulturelle, soziale und gesellschaftliche Entwicklungen ihrer Zeit.  

»Scopophilia« besteht aus über 400 Fotografien, die die Künstlerin zu einer 25-minütigen Diaschau zusammenfügt hat. In der Serie stellt Goldin neue Fotografien, die sie von ausgewählten Gemälden und Skulpturen im Louvre in Paris angefertigt hat, ihren älteren Aufnahmen von Freunden gegenüber. Damit schöpft sie nicht nur aus den reichen Beständen der Kunstgeschichte, sondern wirft auch einen neuen Blick auf ihr eigenes Œuvre der letzten 40 Jahre. Die erstaunlichen Parallelen zwischen den zwei Bildwelten entwickeln eine intensive visuelle Anziehungskraft.

Der griechische Begriff »Scopophilia« bezeichnet die »Liebe des Schauens« oder »Schaulust«. Ein für die Diaschau konzipierter Soundtrack verstärkt diese Sogwirkung: Über eine melancholische Komposition für Klavier und Cello legt sich Goldins Stimme, die von mythologischen Figuren und Schicksalen erzählt.  In der Ausstellung werden zudem einzelne Bilder aus der Scopophilia-Serie in Form von Rastern oder Diptychen präsentiert. Im Spannungsfeld zwischen kunsthistorisch bedeutsamen Werken und ihren früheren Fotografien entsteht ein einfühlsamer Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.   

Freunde der Kunst

Darüber hinaus bilden ausgewählte frühere »grids« eine Zusammenstellung verschiedener Themen und Genres. Selbstporträts und Porträts von Freunden, die von AIDS gezeichnet sind, sowie experimentelle Aufnahmen mit Doppelbelichtungen geben Einblick in das vielschichtige Schaffen der Künstlerin.   

19. Juni 2015 - 27. September 2015

kestner@remove-this.kestnergesellschaft.de