24.02.2012 07:28 24. februar bis 29. april 2012

Ausstellung in Hannover - john smith | bildstörung - John Smith reflektiert in seinen Arbeiten die Möglichkeiten und Grenzen des Mediums Film

John Smith Frozen War Irland, 8. Oktober 2001, Digitales Video, 11 Min,Teil der siebenteiligen Video-Arbeit Hotel Diaries(2001–07)Courtesy John Smith; Tanya Leighton Gallery, Berlin© John Smith

Von: Konstantin Wenzel

Die kestnergesellschaft zeigt in der Ausstellung »Bildstörung« eine Auswahl von Arbeiten des Filmemachers und Künstlers John Smith (*1952 in Walthamstow, East London). Die Auswahl fokussiert Filme, die das reibungslose Zusammenspiel von Sprache und Bild beziehungsweise Ton und Bild effektvoll unterlaufen.


John Smith reflektiert in seinen Arbeiten die Möglichkeiten und Grenzen des Mediums Film. Er spielt mit den unterschiedlichen künstlerischen Verfahren der Montage (Bild, Ton, Sprache, Schnitt). Unterbrechungen und Irritationen hinterfragen dabei die üblichen Funktionsweisen des Films, wie die
Erzeugung von Spannung, die Entwicklung der Narration oder das Vorgaukeln von Realität.


Unerwartete Kombinationen münden in John Smiths Filmen und Videos in scharfsinnige, humorvolle Pointen. Wie zum Beispiel in »Om« (1986), in dem sich ein vermeintlich buddhistischer Mönch als eine ganz andere Figur entpuppt; oder in »Gargantuan« (1992), in dem eine gigantische Amphibie vor den
Augen des Betrachters auf eine Mini-Größe schrumpft.

»The Black Tower« (1985–87) spielt virtuos mit den Möglichkeiten der Montage von Bild und Ton. Die Handlung erzählt von Verfolgungsängsten und
einer dunklen Bedrohung – ein allgegenwärtiger schwarzer Turm scheint den Protagonisten durch ganz London zu verfolgen und nimmt schließlich auch das Filmbild vollständig in Beschlag.


John Smith findet seine Sujets im Alltäglichen und reflektiert dabei gesellschaftliche Entwicklungen um ihn herum, äußert sich explizit als Teil der Gesellschaft und Objekt ihrer Politik. Die »Hotel Diaries« (Hotel-Tagebücher, 2001–07), eine Reihe von sieben Videos, entstanden auf Smiths Reisen in
verschiedenen Hotelzimmern.

Der Künstler begann diese Arbeit 2001 als er während eines Aufenthalts
in Irland den Fernseher anstellte, um Neuigkeiten über den eben beginnenden Afghanistan-Krieg zu erfahren und sich einem eingefrorenen Fernsehbild gegenüber sah.

Ausgehend von dieser Irritation greift Smith zur Kamera und denkt laut über die Bedeutung dieses stehenden Fernsehbildes und seine eigene Beunruhigung über den Zustand der Sendestation in London nach. Der Krieg reicht auf einmal
bis ins Hotelzimmer und die Auswirkungen der Weltpolitik werden bis auf diese persönliche Ebene spürbar.

Smiths Blick pendelt auch in den weiteren »Hotel Diaries« zwischen der unmittelbar vor ihm liegenden Hotel-Realität mit ihrem spezifischen Interieur einerseits und weltpolitischen Zusammenhängen andererseits.

Die sieben »Hotel Diaries« sind eine subjektive, spontane Bestandsaufnahme ohne Anspruch auf Wahrheit oder Richtigkeit. Sie folgen seiner eigenen
Betroffenheit und verleihen dieser Ausdruck.

Damit stehen diese Videos beispielhaft für Smiths Umgang mit der medialen Vermittlung von Realität, welcher davon geprägt ist, deren Mechanismen offen zu legen und nichts als selbstverständlich und gegeben anzunehmen.


John Smiths Filme waren u.a. auf der 6. berlin biennale (2010), in der Tate Britain (2011–12) und Peer (London, 2011) zu sehen. Sie wurden mehrfach ausgezeichnet und auf Filmfestivals weltweit gezeigt. 2010 präsentierte das Royal College of Art eine umfassende Werkschau von John Smiths
Arbeiten; 2011 erhielt er den renommierten Paul Hamlyn Award.

Zeitgleich werden in der Weserburg (Bremen) Arbeiten von John Smith
gezeigt (21. Januar - 25. März 2012).
Weitere Informationen: www.weserburg.de

öffnungszeiten täglich 11 – 18 Uhr
donnerstags 11 – 20 Uhr
montags geschlossen
edition Zur Ausstellung wird eine exklusive Edition herausgegeben.
eintritt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro
Mitglieder und Kinder bis einschließlich 14 Jahre kostenlos
Die Eintrittskarte berechtigt zum mehrmaligen Besuch bis zum
Ende der Ausstellung und kann an Dritte weitergegeben werden.

konstantin wenzel
presse und öffentlichkeit | press and pr
kestnergesellschaft
goseriede 11
30159 hannover
fon +49 511 70120 16
fax + 49 511 70120 20
presse@kestnergesellschaft.de
wenzel@kestnergesellschaft.de
www.kestnergesellschaft.de