08.01.2015 07:00 Kunstverein

Ausstellung in Graz: Christian Friedrich „On Something new / Dirt in a hole“

Christian Friedrich ausstellung

Friedrichs Erkundung der Vorstellungen von „Struktur“ ist sowohl konzeptionell wie physisch zu spüren; Christine Winkler, Courtesy Grazer Kunstverein

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Von: GFDK - Grazer Kunstverein

Im Anschluss an die Ausstellung im Museum de Hallen in Haarlem (NL) präsentiert der Grazer Kunstverein die erste Einzelausstellung des Künstlers Christian Friedrich (geb. 1977, DE) in Österreich.

Ausstellung in Graz

Die Show mit dem Titel „On Something New / Dirt in a Hole“ zeigt ein Spektrum von Arbeiten, zu denen auch eine neu produzierte, großformatige Klang- und Licht-Arbeit sowie eine eindringliche, monumentale Videoinstallation und eine Serie früherer Skulpturen gehören. Friedrichs künstlerisches Interesse sind die Struktur, die Manipulation von Subjekt-Objekt-Beziehungen und die Schaffung von bestimmten Gegebenheiten innerhalb dieser, wobei eine jede dieser Konstellationen Anlass zu assoziativen Verwirrungen gibt.

Ein durchgängiges Thema im Werk des Künstlers ist die Unterwerfung des menschlichen Körpers, den er regelmäßig als Objekt der Begierde zeigt, bei dem Macht und Unterordnung im Unterbewussten zusammenfallen. Seine früheren Zeichnungen und Skulpturen sind von Ursache-Wirkung-Strategien beeinflusst und untergraben damit verschiedene Traditionen der Konzeptkunst und ihre quasi-rationalen, sowohl strengen wie frivolen Methoden.

Friedrichs Erkundung der Vorstellungen von „Struktur“ ist sowohl konzeptionell wie physisch zu spüren. Seine Installationen setzen affektive Strategien ästhetischer Erfahrung ein, welche den Analyse-Drang des oder der BetrachterIn umgehen. Seine Bilderwelt dreht sich häufig um private und öffentliche Vereinbarungen, darunter jene zwischen Fremden, zwischen dem Künstler und der Muse und zwischen Künstler und dem Zuschauer. Für die Videoarbeit „The Stone That the Builder Rejected“ (2008) lud Friedrich beispielsweise einen ahnungslosen Fremden, den er über eine persönliche Anzeige kontaktiert hatte, in sein Atelier ein, wo der Gast mit einer durch Stroboskoplicht ausgeleuchteten Szenografie konfrontiert war, die auch den Künstler selbst beinhaltete – bewegungsunfähig und verletzlich von der Decke aufgehängt.

Freunde der Kunst

In „Untitled“ (2012) stellt er Bildmaterial einander gegenüber, um so Paradoxien von Freiheit und Überwältigung zu untersuchen. Als Gitter geschnittene Motive, wie ein Mann, dem in einem Keller Elektroschocks verabreicht werden, eine amerikanische Flagge, die amerikanische Nationalparade am 4. Juli, ein russisches Denkmal vom Ersten Weltkrieg und youtube-Clips privater Fetischismen erscheinen in rhythmischer Folge immer wieder, sodass ein strukturiertes und weniger diskursives Video entsteht.

Dies gilt für den größten Teil der Arbeit des Künstlers, da diese häufig eher die künstlerische anstatt die referenzielle Wirkung in den Mittelpunkt stellt, wobei Friedrich aber auch vor Referenzen nicht zurückscheut. In der umfassenden Licht- und Klanginstallation „On Something new / Dirt in a hole“ wird die stakkato-artige Sprache eines Stotterers mit anderen kodierten Bedeutungssystemen verbunden: mit einer Lichtsequenz im Morse-System und Fotografien morsender Lichter. Alle Elemente der Arbeit sind in einem geheimnisvollen lingualen und sensorischen Netz miteinander verknüpft. Die Arbeit lässt auf fast unethische Weise unerwartete Schönheit entstehen.

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