09.12.2014 08:00 Zeitgenössische Kunst im Dreiländereck

Ausstellung in Freiburg: Regionale 15 - Void. Retreat. Here / 10 Jahre Kunsthaus L6

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Die Ausstellung „Void. Retreat. Here“ im Kunsthaus L6 vereint 13 künstlerische Positionen aus der Region; Bild 1: Kriste Breu

kunsthaus l6 freiburg

Bild 2: Christoph Eisenring

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Bild 3: Uta Puetz

Von: GFDK - Kunsthaus L6

In seinem 15. Jahr wird das größte, grenzüberschreitende Ausstellungsprojekt am Oberrhein wieder vielfältige Einblicke in die regionale Kunstszene des Elsass, der Nordwestschweiz und Südbadens ermöglichen.

Ausstellung in Freiburg

Die Ausstellung „Void. Retreat. Here im Kunsthaus L6 vereint 13 künstlerische Positionen aus der Region, die sich individuell mit Leerstellen, Lücken oder Vorenthaltenem beschäftigen. Es werden installative und konzeptuelle Werke sowie Skulpturen und Fotografien ins Zentrum gerückt, die sich Strategien des Ent- und Rückzugs bedienen. Wobei sowohl klassische Kategorien wie Sichtbarkeit und Materialität als auch die Rolle der Kunstschaffenden und des Schaffensprozesses befragt, umformuliert oder gar aufgelöst werden.

Die aus diesen Strategien resultierenden Leerstellen sind allerdings nicht bloß Negierungen, sondern auch produktive Mittel: Visuelle Andeutungen eines Bildes oder der Akt des Durchstreichens bekommen je spezifisch sinnliche oder performative Qualitäten. Grundsätzlich will die Ausstellung damit auf das künstlerische Potential von Lücken, Unbeschriebenem oder Vorenthaltenem hinweisen und zugleich fragen, was es bedeutet, nicht(s) zu zeigen in einer Zeit der omnipräsenten Kommunikations- und Bilderflut.

Leerstellen als ästhetisches Mittel einzusetzen, ist kein junges Phänomen. Ansätze davon finden sich bereits in der Malerei des späten 19. Jahrhunderts wie bei Paul Cézanne. Dessen Bilder versuchten u.a. durch die bewusste Setzung von Leerstellen, neue Sehprozesse fruchtbar zu machen und dabei Wahrnehmungsphänomene zu erforschen.

Spätestens seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird die Leere aber zunehmend zur eigenständigen ästhetischen Kategorie. Kunsthistorische Beispiele dazu finden sich viele: Im Umfeld der Nouveaux Réalistes lud der französische Künstler Yves Klein, 1958 in der Galerie Iris Clert in Paris zu “Le Vide“ mit der Behauptung, dass man in den leergelassenen Ausstellungsräumen, eine besondere Atmosphäre der Kreativität, die «sensibilité picturale» erfahren würde. Ebenso enigmatisch ist das berühmte Werk 4’33’’ von John Cage (1952): Das komplette Orchester wird mit dem stillen Dasitzen, dem musikalischen Entzug, beauftragt, da die Partitur der drei Sätze jeweils nur ein Wort umfasst: Tacet – Tacet – Tacet.

Dass solche Leerstellen aber vielmehr zu einer gesteigerten Sensibilität gegenüber der Umgebung führen wie der deutlichen Wahrnehmung eines Räusperns des Publikums, eines Rascheln der Blätter und damit der eigentlichen Kontext zum Werk wird, ist eine Erkenntnis, die sich Kunstschaffende in den 70er Jahren zu Nutze machten. So realisierte der Amerikaner Michael Asher 1974 eine Intervention in der Claire Copley Gallery in Los Angeles, bei welcher er als einzige künstlerische Handlung, die Trennwand, welche den Ausstellungsraum vom Büroteil der Galerie trennte, entfernte und den Rest unberührt beließ. Durch diese Geste wurden die Verhandlungen der Galeristin, der eigentliche warenökonomische Handel, auf die Bühne der Aufmerksamkeit gehoben und die Rolle des Kunstschaffenden als Teil einer betrieblichen Kette thematisiert.

Freunde der Kunst

Dieser fragmentarische Blick in die Kunstgeschichte zeigt, dass Strategien des Entzugs und Leerlassens künstlerisches Potential und eigenständige Befragungen von Wahrnehmungsmustern beinhaltet, zugleich sich darin aber auch eine Beschäftigung mit dem Dispositiv und der Rollenzuschreibungen des Kunstbetriebs niederschlägt, was nicht zuletzt die Möglichkeit einer kritischen, künstlerischen Positionierung eröffnet. In diesem – vordergründig zweipoligen – Spannungsfeld situiert sich auch die Ausstellung „Void. Retreat. Here“.

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