30.03.2014 09:00 L.A. Galerie Lothar Albrecht

Ausstellung in Frankfurt: Thomas Draschan - Bad Bank - hat den Hebel seiner Recyclingmaschinerie umgelegt

ausstellung frankfurt  - Thomas Draschan

Thomas Draschan läßt sich in den kleinen Geschichten, die er in seinen großen Bildern fabriziert,von seinen Lieblingsautoren inspirieren, Rêve, alle Bilder © L.A.Galerie

Thomas Draschan Boxer

Boxer, 2014, 142 x 200 cm, Textil auf Spannrahmen / Textile on stretcher bar Thomas Draschan, Come Along, 2010, 75 x 51 cm

Ausstellung Thomas Draschan Come Along
Von: GFDK - L.A.Galerie Lothar Albrecht

Thomas Draschan hat den Hebel seiner Recyclingmaschinerie umgelegt und seiner Kunst einen neuen Twist verpasst. Seine künstlerische Laufbahn, die sich schon immer durch radikale Schnitte auszeichnete, entwickelte sich vom aus gebildeten Filmemacher, der mit großen Mengen von Found Footage hantierte, zum Collage-Künstler, dessen Materialfundus und aufwendige Herstellungsweise stets den obsessiven Werkeindruck unterstrichen.

Draschans unzählige fotografische Vorlagen, die er vor kurzem noch digitalisierte und am Computer zu einem großen Ganzen zusammenfügte, sein Spiel mit der Ornamentik der hochaufgelösten Pixel und der technisch präzis gesetzten Schnitte, das Cut and Paste vor dem Gerät weichen seit einigen Monaten einem unmittelbaren Arbeitseinsatz mit den Händen: Der Medienwechsel von der digitalen Bildproduktion in eine analoge Welt der haptischen Stofflichkeit vergegenwärtigt sich in textilen Arbeiten aus bunten und gemusterten Stoffstücken.

Ausstellung in Frankfurt

Intensiv und explosiv geht es noch immer zu. In rêve bringen Silberfäden so fein wie Spinnweben einen dunklen Nachthimmel zum Vibrieren, Karos markieren die Physiognomie einer unheimlichen Rückengestalt, Streifen durchziehen die Bildlandschaft und führen zu perspektivischen Irritationen, blaue Punkte hüpfen auf dem Oberteil eines träumenden Mädchens bevor die grünen Satinblätter einer Pflanze die Aufmerksamkeit des Betrachters absorbieren. Ein optisches Spektakel der Mustermixe und Oberflächen-Arrangements, die so heterogene Materialien wie Kunstleder, Samt, Leinen, etc. mit Nadel und Faden virtuos miteinander verbinden.

Die kleinen Geschichten, die Thomas Draschan in seinen großen Bildern fabriziert, folgen wie auch in Bad Bank keiner logischen Erzählstruktur, sondern bestechen – inspiriert von seinen Lieblingsautoren Gustave Flaubert, Joris-Karl Huysmans und vor allem Raymond Roussel – durch Assoziationskraft, deren fantastischer Sog auch als Ausflucht aus einer schal geworden Alltagswirklichkeit Geltung beanspruchen kann. Eine sinnliche Überdosis, die die Zeit in einem Artikel über Roussel als „Das Nichts ist bunt und schräg“ beschrieb. Die narrativen Geflechte, die alles mit allem in Beziehung setzen und Gegensätze aus Versatzstücken einer surrealistischen Welt verschleifen, bedienen auch hier einen ästhetischen Strukturalismus.

Freunde der Kunst

Die Syntax der Stofftableaus von Thomas Draschan, der auch einmal als Animateur der toten Materie bezeichnet wurde, da er seine Figuren auf Zeitreisen in die Vergangenheit rekrutiert, verdeutlicht sich in Guilty Pleasure: Die Hauptszene des schwulen Pärchens spiegelt sich in einem Binnenbild, dem Muster des Stoffes, mit dem der Körper des einen Mannes, der an den Heiligen Sebastian erinnert, dekoriert ist. In der Inszenierung eines Locus Solus, eines fantastischen Gartens mit Agaven und einer phallusförmigen Blumenkaskade verdichten sich die unterschiedlichen Bildebenen, der Vorder-, Mittel- und Hintergrund zu einem Patchwork, das die traditionelle folkloristische Technik in den Himmel der zeitgenössischen Kunst hebt.

 

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