26.06.2014 08:00 Fotografie

Ausstellung in Frankfurt: Joachim Schumacher - Das Gebiet - neue Ausstellung in der L.A. Galerie

ausstellung frankfurt

Schwerpunkt von Schumachers Arbeit ist sein eigener Lebensraum: das Ruhrgebiet mit all seien Facetten; Joachim Schumacher ©: Dortmund-Landstrop

Joachim Schumacher ausstellung
Von: GFDK - L.A. Galerie

Joachim Schumacher, geboren 1950, studierte in den 1970er-Jahren an der Essener Folkwangschule Fotografie bei Otto Steinert.

Ausstellung in Frankfurt

Schon während seines Studiums entwickelte er eine sachliche, dokumentarische Darstellungsweise, die sich deutlich vom journalistischen Stil seiner Lehrers unterschied und ihn in die Nähe der amerikanischen Fotografen rückte, die zu jener Zeit unter dem Etikett „New Topographics“ bekannt wurden. Schwerpunkt von Schumachers Arbeit ist sein eigener Lebensraum: das Ruhr- gebiet mit all seien Facetten ermöglicht es dem Fotografen, intensiv an seien Motiven zu arbeiten und ihre Weiterentwicklung zu beobachten.

Vor allem die ungeheure Dimension des menschlichen Eingriffs in die Landschaft und die Dramatik dieser Ära des Ab- und Umbruchs ist es, was Schumacher interes- sierte und bis heute fasziniert. Die … Aufnahmen sind nicht nur historische Zeugnisse des Strukturwandels einer Industrielandschaft Es sind mit Leidenschaft und Präzision konzipierte Fotografien, die den Blick auf überraschende Details lenken ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren. (Verlag Kettler)

Seien wir ehrlich. Längst haben wir uns abgefunden. Haben uns eingerichtet und sind heimisch geworden. In diesem Gebiet. das seit jeher mit einem Stigma der Unwirtlichkeit versehen wurde. Das einst zur probaten Folie für Zivilisations- kritik diente. Das heute wieder für Krisenbewusstsein steht.
Allein schon das Wort: Gebiet. Ein Flussname wurde vorangestellt als ob damit alles gesagt sei.

Ansonsten beschwor es kalte Neutralität. Ein Synonym, in dem man zu leben und zu überleben hatte. Ein Leben, das infolge dann doch mit einem Schuss Nostalgie angereichert wurde, weiterhin zerfasert an den Rändern. Neue Wörter mussten her: Struk- turwandel, Unort, Suburbanität. Auch sie waren letztlich hilflos. Aber irgend- wann wurde aus der Geschichtslosigkeit Geschichte. Irgendwann erhielt die Gesichtslosigkeit ein Gesicht. Und wurde gleichsam zum Mythos. in dem sich die Kreaturen behausen konnten. Früh waren es Fotografen und Literaten, die das erkannten.

Freunde der Kunst

Joachim Schumacher ist einer von ihnen. Seine hier versammelten Bilder bezeugen ausnahmslos: sie sind von dieser Welt. Allein das schon zeichnet sie aus. Man mag ihnen einen poetischen Realismus attestieren. Eine Liebe, gewiss auch einen Schmerz. Aber wichtiger noch: Aus der Distanz scheinen die Bil- der jenes Gebiet im Westen von Deutschland erneut zu konturieren (wie dies heute vergleichbar die Bilder von Michael Schmidt für den Westen Berlins und die Bilder von Robert Adams für den Westen Amerikas tun). Erst jetzt, da wir uns eingerichtet haben und heimisch geworden sind, vermögen auch wir eine Schönheit zu erkennen. Ohne Zweifel. wir haben einen langen Atem.

Christoph Schaden

L.A.Galerie-Frankfurt@t-online.de


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