13.12.2013 08:00 Kunstverein

Ausstellung in Erfurt: Jens Klein - Hundewege. Index eines konspirativen Alltags

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Das fotografische Material der Ausstellung Hundewege. Index eines konspirativen Alltags entstammt einer Quelle, die in der Zeit des Bestehens der DDR im Auftrag der Staatssicherheitsorgane angelegt sowie archiviert wurde; (c) Jens Klein

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Von: GFDK - Kunsthalle Erfurt

Das fotografische Material der Ausstellung Hundewege. Index eines konspirativen Alltags entstammt einer Quelle, die in der Zeit des Bestehens der DDR im Auftrag der Staatssicherheitsorgane angelegt sowie archiviert wurde und die heute von der Bundesstelle für die Aufarbeitung der Staatssicherheitsunterlagen verwaltet wird.

Ausstellung in Erfurt

Dieses fremderstellte Fotomaterial hat der in Leipzig lebende Fotograf Jens Klein gesichtet, ausgewählt und bearbeitet, um es dann in seriellen Bildfolgen und -blöcken zu arrangieren. Geprägt sind die Einzelaufnahmen von einer Schnappschussästhetik, mit der für den heutigen Betrachter scheinbar völlig belanglose Alltagssituationen wie das Einwerfen von Briefen oder das Ausführen von Hunden ( beides aus dem Werkkomplex Hundewege, 2011/2012) und dokumentierten Geschehnissen von der innerdeutschen Grenze (aus dem Werkkomplex Himmel, Erde, Wasser, 2012) zum Motiv geworden sind.

Jens Klein in der Kunsthalle Erfurt

Aufnahmequalität und -gegenstand sind den Bedingungen des Observierungsprozesses, unter denen sie einst entstanden sind, geschuldet. Die Bilder sind durch die künstlerische Inanspruchnahme aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgelöst, damit wurden ihnen jegliche informativen Bezüge entzogen; sie vergegenwärtigen Geschichte auf eine poetische Art.

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Es verbindet sich die Vergangenheit mit der Gegenwart – die Zeit der Aufnahme mit der Zeit der Bearbeitung und der Präsentation. Zudem wird durch das Nebeneinander der Bilder mit gleicher Aufnahmesituation der Fokus sowohl auf die Wiederkehr des Geschehens als auch auf die Wahrnehmung der jeweiligen Unterschiede gelegt, die den Betrachter unweigerlich zu einem vergleichend-prüfenden Blick anregen.

 

Der künstlerische Umgang von Jens Klein mit diesen Bildern enthebt sie ihrer einst belastenden Aussagekraft, führt sie zu einer künstlerischen Aussage, die ihrerseits Fragen zu Überwachung und Kontrolle in einem allgemeingültigen Zusammenhang stellen.

Der Erfurter Kunstverein möchte mit der Ausstellung Hundwege. Index eines konspirativen Alltags an die zeitgleich in der Kunsthalle Erfurt stattfindende Ausstellung Zwischen Ausstieg und Aktion anknüpfen und mit ihr die Geschichtsaufarbeitung im Rahmen der aktuellen Kunst fortführen.

rita.otto(at)erfurt.de