07.03.2012 07:40 das Fenster als besonders beliebtes Motiv der Kunst

Ausstellung in Düsseldorf: Fresh Widow. Fenster-Bilder seit Matisse und Duchamp 31.03.2012 bis 12.08.2012 K20 GRABBEPLATZ

© Kunstsammlung NRW

Von: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen - 4 Bilder

Seit Jahrhunderten gehört das Fenster zu den besonders beliebten Motiven der Kunst. Bilder vom »Zimmer mit Aussicht«, in dem das Fenster die Schwelle zwischen Innen und Außenraum markiert, dienen dabei seit jeher auch der Reflexion über das Medium Malerei selbst. Die Beobachtung, dass der Blick auf ein Bild dem durch ein offenes Fenster gleiche, schrieb der Renaissance-Gelehrte Leon Battista Alberti bereits 1435 in seiner Abhandlung über die Malerei nieder. Zwar blieb das Fenster auch im 20. Jahrhundert ein beliebtes Bildmotiv, immer häufiger aber wurde es isoliert gezeigt, ohne Bindung an eine Architektur, ohne Ausblick in eine Landschaft. Robert Delaunay, Henri Matisse und Josef Albers erprobten in ihren Fenster-Bildern eine Malerei, die nicht mehr allein dem Abbilden von Wirklichkeit verpflichtet ist.

Mit dem verkleinerten Nachbau eines französischen Fensters, dessen Scheiben mit schwarzem Leder abgeklebt und damit undurchsichtig sind, markierte Marcel Duchamp 1920 so lakonisch wie eindringlich diesen Abschied: Fresh Widow verkündet mit seinem sprachspielerisch auf „French Window“ bezogenen Titel programmatisch den Verlust des Ausblicks und öffnet den Weg zu Neuem. Das Fenster erblindet oder – wie in den Bildern von René Magritte – zerspringt sogar. Immer häufiger verweigert es fortan den Blick auf die Welt, um einer neuen Bildwirklichkeit Raum zu geben.

Seit 1950 konzentrierten sich Künstler wie Ellsworth Kelly, Eva Hesse, Robert Motherwell, Gerhard Richter, Christo, Isa Genzken, Brice Marden, Günther Förg, Toba Khedoori, Jeff Wall, Sabine Hornig und Olafur Eliasson ausgehend vom Motiv des Fensters auf grundlegende Fragen und Phänomene. Die 100 Gemälde, Zeichnungen, Objekte, Skulpturen, Fotografien und Projektionen in der Ausstellung stehen stellvertretend für die verblüffende Vielfalt und Verschiedenartigkeit der von 1912 bis heute entstandenen „Bild“-Entwürfe. Eindrucksvoll dokumentieren sie, wie die Künstler die neue Freiheit zu nutzen wussten.

Die Ausstellung wird von der Kunststiftung NRW sowie der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West gefördert. Mit freundlicher Unterstützung der Firma Velux.

 

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Bildbeschreibung:

1 Within Reach of Hand or Eye

Roman Ondák, Eclipse, 2011, Installation, Courtesy gb agency, Paris, Janda Gallery, Vienna, Johnen Gallery, Berlin und Kurimanzutto, Mexico City © Roman Ondák, Foto: © Hugo Munoz

2 Fresh Widow. Fensterbilder seit Matisse und Duchamp

Gerhard Richter, 7 Stehende Scheiben, 2002, Glas-/ Stahlkonstruktion, 234 x 167 x 336 cm, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, erworben 2006, © Gerhard Richter 2012, Foto: Achim Kukulies

 

 

3 Installationsansicht "Within Reach of Hand or Eye"

Installationsansicht "Roman Ondák - Within Reach of Hand or Eye", 25.02. – 28.05.2012, The Hill Seen from Afar, 2011, © Künstler, Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf

4 Fresh Widow. Fensterbilder seit Matisse und Duchamp

Günther Förg, Ohne Titel (14 8 16), 1985, 29,2 x 21 cm, Aquarell, Tempera, Tusche auf Papier, Sammlung Grässlin, St. Georgen, © Günther Förg, Foto: Achim Kukulies

 

 

 

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