24.08.2016 07:31 Designentwürfe zum Kauf

Ausstellung in Bremen: Ib Geertsen - einer der wichtigsten Vertreter der dänischen Konkreten Kunst

Ausstellung von Ib Geertsen

Die Ausstellung von Ib Geertsen in der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst ist seine erste innerhalb Deutschlands überhaupt. Ib Geertsen, Kravleskulptur, 1954, Kopenhagen. Foto: Christian Foghmar

Von: GFDK - GAK

Ib Geertsen (1919-2009) ist einer der wichtigsten Vertreter der dänischen Konkreten Kunst und als solcher in seinem Heimatland überaus bekannt. Seine Mobiles, Gemälde und Grafiken befinden sich in den dortigen großen Museumssammlungen.

Seine Gestaltungen und „Luftzeichnungen“ (wie er seine Mobiles selbst nannte) prägen das Gesicht zahlreicher dänischer Städte oder verknüpfen sich mit dem Bereich der Angewandten Kunst. Und die spielerische Poesie seiner farbenfrohen, geometrischen Formen ist bis heute aktuell. Wie der Kritiker und Kurator Lars Bang Larsen 2003 in Artforum konstatierte: "Ib Geertsen is practically a father figure within Denmark’s artistic household. Generations of Danish artists have grown up with his colorful formalism in museums and public spaces, and now a younger audience has rediscovered Geertsen’s sensuous cool.“

Angesichts der Qualität von Geertsens künstlerischem Schaffen, das sich auf Augenhöhe mit internationalen Zeitgenossen wie etwa Richard Paul Lohse, Niele Toroni, Serge Poliakoff oder Alexander Calder befindet, ist es umso erstaunlicher, dass seine Werke außerhalb seines Heimatlandes nahezu unbekannt sind. Unstrittig weist seine Arbeit Impulse auf, die heute (wieder) fester Bestandteil einer jüngeren künstlerischen Produktion sind.

Ausstellung Ib Geertsen

Seine Farbpalette, seine geometrischen Formen ohne symbolische Bedeutung, aber mit deutlich emotionaler Aufladung, seine Verwebung von Balance, Bewegung, Farbe, Fläche, Licht und Luft sowie seine Idee, Gattungsgrenzen zu sprengen und sich auf direktem Wege mit dem täglichen Leben der Menschen zu verknüpfen, erfahren in vielen aktuellen Positionen ein Revival (s. etwa die aktuellen Tendenzen geometrischer Malerei oder das Verknüpfen von formalistischen Ansätzen und Design mit gesellschaftlichen Fragestellungen bei Sarah Morris, Liam Gillick, Martin Boyce, Bernd Ribbeck, Angela Bulloch u.a.).

Nachdem Geertsen in den 1950ern zur Abstraktion und zu variierenden Kombinationen geometrischer Formen gefunden hat, etabliert sich in dieser Zeit auch die für ihn typische, leuchtende Farbwahl. Die 1950er Jahre sind darüber hinaus die Zeit, in der er seine malerischen Experimente mit den Mobiles in den dreidimensionalen Raum erweitert und erste Projekte für den öffentlichen Raum entwickelt. All diese Ansätze verfolgt er bis zu seinem Tod im Jahr 2009 konsequent weiter.

Anfang der 1960er Jahre verfestigt sich darauf aufbauend ein standarisiertes Formenspektrum, das Geertsen von nun an in präzise geplanten Zusammenstellungen auf seine schier unendlichen Variationsmöglichkeiten untersucht: Quadrate und Rechtecke, horizontale, vertikale, schräge und abgetreppte Linien und schließlich sein Markenzeichen, die Tropfenform – oder, wie er selbst sie benannte, den „circle-square: a circle inscribed in a square from which I removed three of the corners“.

Diese Elemente finden sich in unterschiedlicher Zusammenstellung in seinen Gemälden und Papierarbeiten, aber auch in seinen Mobiles, Projekten für den öffentlichen Raum und Entwürfen für den angewandten Bereich. Die tragenden Gedanken bleiben bis zum Schluss die Balance der Farben und Formen im (Bild-)Raum und die direkte Verbindung seiner Arbeiten mit dem Umfeld der Betrachter/innen – weniger als utopisch-veränderndes Gesellschaftselement, sondern eher pragmatisch als positiver Impuls im alltäglichen Leben.

Freunde der Künste

Die Ausstellung von Ib Geertsen in der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst ist seine erste innerhalb Deutschlands überhaupt und fügt sich sinnvoll in die Tradition des Hauses ein, in unregelmäßigem Turnus Haltungen einer älteren Künstlergeneration zu präsentieren, die Tendenzen der zeitgenössischen Kunst beeinflusst oder vorweg genommen haben (zuletzt 2012 mit Vlassis Caniaris).

Die Präsentation von Geertsen konzentriert sich auf Beispiele seiner Mobiles, Gemälde und Papierarbeiten seit den 1950er Jahren und beinhaltet außerdem eine exemplarische Dokumentation seiner Projekte für den öffentlichen Raum und den angewandten Bereich. Ergänzt wird die Ausstellung von einem „Museumsshop“, der eine kleine Auswahl mit von Geertsen inspirierten und exklusiv für die Ausstellung entstandenen Designentwürfen zum Kauf anbietet.


Ib Geertsen wurde 1919 in Kopenhagen geboren und starb dort im Jahr 2009. In den 1930er Jahren machte er zunächst eine Ausbildung als Gärtner, bevor er sich als Autodidakt der Kunst zuwandte. Er war Mitbegründer der Künstlergruppe Linien II, die zwischen 1949 und 1952 die dänische Konkrete Kunst mit internationalen Positionen dieser Bewegung zusammenbrachte. Seit den 1950er Jahren hatte er Einzelausstellungen an allen wichtigen Häusern seines Heimatlandes und war an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen zur Konkreten Kunst beteiligt.

Ausstellung in Bremen

Seine Werke sind in den Sammlungen etwa des Staatlichen Kunstmuseums Kopenhagen, des ARoS in Aarhus, des Sorø Art Museums oder des Trapholt Museums in Kolding vertreten. Zwischen den 1960er und 1990er Jahren hat er darüber hinaus zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum überall in Dänemark und einige Designentwürfe verwirklicht.

Die Ausstellung wird kuratiert von Janneke de Vries und von einem ausführlichen Begleitprogramm ergänzt. Im Anschluss erscheint ein Katalog.

IB GEERTSEN

Ausstellung: 20. August – 13. November 2016


GAK GESELLSCHAFT FÜR AKTUELLE KUNST
Teerhof 21
D-28199 Bremen

www.gak-bremen.de

ÖFFNUNGSZEITEN:
Di-So 11-18 Uhr, Do 11-20 Uhr, Mo geschlossen

ÖFFENTLICHE VERKEHRSMITTEL:
Haltestelle: Am Brill
Straßenbahnen: 1, 2 und 3
Busse: 25, 26 und 27

PARKHAUS: Am Brill

EINTRITT:
Euro 3.- / Ermäßigt 2.- / Mitglieder GAK frei
Kombikarte mit der Weserburg – Museum für moderne Kunst Euro 9.- / Ermäßigt 6.-