25.06.2014 08:00 Künstleraustausch

Ausstellung in Bremen: Ein Abend der Kunst - Eröffnung von vier Ausstellungen

ausstellung bremen Nina Hoffmann

Das Künstlerhaus Bremen bildet mit der Galerie und den hauseigenen Ateliers eine zentrale Plattform für zeitgenössische Kunstproduktion in Bremen; (c) Nina Hoffmann

Von: GFDK - GAK GESELLSCHAFT FÜR AKTUELLE KUNST

Am Freitag, den 27. Juni, feiern die Kunstinstitutionen auf und in der Nähe des Bremer Teerhofs einen Abend der Kunst mit der Eröffnung von vier Ausstellungen: Nadira Husain – Beugen Strecken im Künstlerhaus Bremen, Nina Hoffmann. Ich brauche wenig Wirklichkeit in der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Nemo propheta in patria im Zentrum für Künstlerpublikationen und Of the Universe in der Weserburg I Museum für moderne Kunst.

Das Künstlerhaus Bremen bildet mit der Galerie und den hauseigenen Ateliers eine zentrale Plattform für zeitgenössische Kunstproduktion in Bremen. Seit über 20 Jahren findet der Austausch zwischen lokalen und internationalen Künstlern mit dem Publikum in Form von Ausstellungen, Atelierbesuchen, Vorträgen, Performances, und Künstlergesprächen statt.

Ausstellung in Bremen
 
Am gemeinsamen Eröffnungstag startet mit BEUGEN STRECKEN die erste Einzelausstellung von Nadira Husain (*1980, lebt in Paris und Berlin) in einer deutschen Institution. Husains meist figurative Bilder sind sowohl von indischen Miniaturen als auch vom feministischen Diskurs beeinflusst. Diese atypische Verbindung resultiert einerseits aus der Untersuchung ihrer eigenen indischen Wurzeln, andererseits aus der Beschäftigung mit aktuellen sozialen und politischen Strukturen. In ihrer für das Künstlerhaus Bremen konzipierten Präsentation setzt sich die Künstlerin mit den Darstellungskonventionen der westlichen Kultur und greift die traditionellen Verhältnisse zwischen Rahmen und Bild, Motiv und Hintergrund auf, um sie neu aufzustellen. Nicht das Kunstwerk sondern der Raum wird als Kompositionseinheit behandelt und der Besucher in Bewegung gesetzt, um diese vollständig wahrnehmen zu können.
 
Seit ihrer Gründung 1980 stellt die GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst internationale richtungsweisende Kunst der Gegenwart in Bremen vor. In wechselnden Gruppen- und Einzelausstellungen präsentiert sie künstlerische Positionen, bevor diese sich im Kunstbetrieb etabliert oder die als Impulsgeber Denken und Arbeiten einer jüngeren Generation beeinflusst haben. Sie ist Labor für die jüngsten Tendenzen und Strömungen der internationalen zeitgenössischen Kunst, bietet diesen eine Plattform und stellt sie zur Diskussion.
 
Am 27. Juni eröffnet die GAK die Ausstellung Ich brauche wenig Wirklichkeit von Nina Hoffmann (*1980, lebt in Berlin). Hoffmanns Arbeit kreist wesentlich um Begehrlichkeiten. Was begehren wir und warum? Wünschen wir uns, was faktisch vorhanden ist oder laufen wir eher einer Vorstellung hinterher, unseren Projektionen? Wie und wo verläuft die Grenze zwischen Realität und Projektion/Ideal und kann man sie sichtbar machen?

Für Ich brauche wenig Wirklichkeit inszeniert die Künstlerin in der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst unterschiedliche Stationen des Begehrens und spielt mit verschiedenen Narrationen von Liebe. Liebe als das große Thema der Menschheit, die Erwartungen und Ideale, die an sie geknüpft sind, die Enttäuschungen, die wir alle ihretwegen auszustehen hatten, sowie ihre Überladung mit Klischees aus Werbung, Film oder Boulevard – all dies wird von Hoffmann in einem vielfältigen Parcours präzise in die Räume der GAK eingepasst.
 
Das Zentrum für Künstlerpublikationen wurde 1999 gegründet. Seine Aufgabe ist es, Künstlerpublikationen seit den 1950er Jahren zu sammeln und als Kulturgut zu sichern, sie zu erforschen und zu vermitteln. Vergleichbar einem „Museum in einem Museum“ wird es von der Universität Bremen und der Weserburg | Museum für moderne Kunst gemeinsam getragen. Ausstellungen, Publikationen, Tagungen und Veranstaltungen führen die Vielfalt der Künstlerpublikationen einer größeren Öffentlichkeit vor Augen.
 
Der italienische Künstler Guglielmo Achille Cavellini, kurz GAC, (1914-1990) stand mit zahlreichen internationalen Künstler/innen in regem Austausch. In hohen Auflagen produzierte er im Rahmen seiner „Selbst-Historisierung“ unter anderem Künstlerbücher, Postkarten, Aufkleber sowie viele weitere Dokumente und verschickte sie in alle Welt. Mit einem in mehreren Tausend Exemplaren gedruckten runden Aufkleber in den italienischen Farben sah Cavellini selbstbewusst eine groß angelegte Ausstellung zu seinem diesjährigen 100. Geburtstag in Venedig voraus. Nicht Venedig, sondern Weserburg: Nemo propheta in patria („der Prophet gilt nichts im eigenen Land“, nach einem Buchtitel Cavellinis) stellt Cavellinis Wirken vor. Ergänzend zeigt die von Guy Schraenen kuratierte Ausstellung eine Auswahl weiterer Projekte, die von einer vielfältigen, grenzüberschreitenden künstlerischen Kommunikation zeugen.
 
Seit 1991 präsentiert die Weserburg | Museum für moderne Kunst internationale Kunst aus Privatbesitz von den 1960er Jahren bis heute. Ergänzt werden die Sammlungsbestände durch Sonderausstellungen zu herausragenden Künstlerpersönlichkeiten sowie zu Themen der Zeit, die kulturelle Debatten vertiefen und anstoßen. Seit mehreren Jahren richtet die Weserburg die Ausstellung der Meisterschüler/innen aus und schafft so ein wichtiges Forum für junge Kunst der Region. So auch an diesem gemeinsamen Eröffnungsabend.

Freunde der Kunst
 
Mit ihrer großen Gemeinschaftsausstellung Of the Universe verabschieden sich zum Abschluss ihres Studiums die 16 Meisterschüler/innen des Studiengangs Freie Kunst der Hochschule für Künste Bremen. Die versammelten Arbeiten zeigen eindrucksvoll die hohe Qualität und Vielfalt zeitgenössischer Kunstproduktion in Bremen. Obwohl sehr unterschiedlich, lassen die einzelnen Positionen bemerkenswerte Bezüge untereinander zu. Von kleinformatigen Zeichnungen bis zu raumgreifender Malerei, von Fotografie über Videoarbeiten bis zu kinetischen Installationen versammelt die Ausstellung eine überraschende Breite medialer Möglichkeiten. Ästhetische Diskurse werden hier ebenso überzeugend verhandelt wie Fragen zur gesellschaftlichen Rolle der Kunst. Im Rahmen der Eröffnung wird zum nunmehr achten Mal der Karin Hollweg Preis verliehen. Der mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Preis gehört zu den wichtigsten Kunstförderpreisen an deutschen Kunsthochschulen.
 

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