14.05.2012 07:09 bis 2. September 2012

Ausstellung in Bonn: Lewis Baltz - Erste Retrospektive eines schon heute legendären amerikanischen Fotografen

© Lewis Baltz, courtesy Galerie Thomas Zander, Köln

Von: Dr. Ute Herborg-Oberhäuser - 6 Bilder

Das Kunstmuseum Bonn zeigt die erste Retrospektive eines schon heute legendären amerikanischen Fotografen in einem deutschen Kunstmuseum.  Bereits in den frühen siebziger Jahren ist der 1945 in Newport Beach (Kalifornien) geborene Lewis Baltz durch Bilder hervorgetreten, die ihn zu einem der wesentlichen Wegbereitern einer (neuen) künstlerischen Fotografie gemacht haben. Im Alter von 26 Jahren zeigte Baltz mit den „Tract Houses“ seine erste Einzelausstellung in der berühmten New Yorker Galerie von Leo Castelli, zu deren Programm er bis in die frühen neunziger Jahre gehörte. Ebenso nahm Baltz (wie auch Hilla und Bernd Becher) 1975 an der epochalen Ausstellung „New Topographics: Photo­graphs of a Man-altered Landscape“ teil.

 

Nachdem Baltz anfangs im Hinblick auf seine klare Formensprache als Dokumentarist wahrgenommen wurde, hat sich das Werk des seit 1986 in Paris bzw. Venedig ansässigen Fotografen auf den ersten Blick erheblich gewandelt. An die Stelle umfangreicher Serien von kleinformatiger Schwarzweiß-Fotografie tritt seit den neunziger Jahren die Farbfotografie in großformatigen Einzelbildern. Doch inhaltlich bleibt sich der Künstler treu: stets geht es um eine Auseinandersetzung mit dem urbanen Raum, Architektur, Landschaft und Ökologie, das Baltz als einen subtilen politischen Künstler fern ab von plakativen oder agitatorischen Tendenzen erscheinen lässt.

Schon in seinem Frühwerk, den Prototype Works (1967-76) oder den New Industrial Parks Near Irvine (1973-75) verblüfft Baltz mit einer formal ungeheuer strengen, oft die Fläche des Fotos betonende For­mensprache, die aber innerhalb jeder Serie auch vielfach gebrochen wird. Seine historisch innovative Landschaftsfotografie dokumentiert Orte, die Produkt der industriellen Zivilisation sind: Brachlandschaf­ten, Industriegebiete, Lagerhallen. Ihre räumliche Gestalt offenbart in der präzisen Form der Schwarz­weiß-Fotografie eine unverkennbare Analogie zur Kunst des Minimalismus: Ästhetisches Wohlgefallen und Entsetzen über den Preis des vermeintlichen Fortschritts markieren die beiden konträren Pole der Wahrnehmung der Fotografien von Baltz.  Dies setzt sich in anderer Weise in der Reihe der Sites of Tech­nology fort sowie den großen, starkfarbigen Diptychen der neunziger Jahre und trifft nicht zuletzt auch für die riesige Wand Ronde de Nuit (1992-95) zu, in der Baltz das herkömmliche Verständnis von Doku­mentarfotografie an seine Grenzen führt.

Mit zahlreichen Leihgaben aus privaten und Öffentlichen Sammlungen aus USA, Schweiz, Frankreich, Belgien und Deutschland ermöglicht diese Ausstellung einen breiten Überblick über das Werk eines zentralen Künstlers der neueren Fotogeschichte.

 

Parallel zum Reprint des längst vergriffenen Katalogs „Rule without Exception“ von 1990/93 ist im Steidl Verlag mit dem Buch „Only Exceptions“ eine neue Publikation entstanden, die einen Überblick über das Schaffen von Baltz ermöglicht. Das Kunstmuseum Bonn hat hierfür exklusiv eine deutsche Übersetzung erstellt. Ferner werden erstmals die Texte des Fotografen in einem Sammelband publiziert.

 

Für die Mitglieder des Vereins der Freunde des Kunstmuseum Bonn hat Baltz exklusiv eine Edition in der Auflage von 20 Exemplaren produziert, die für 1.500 € zu erwerben ist.

 

 

 

Laufzeit       10.05.2012 – 2.9.2012

 

Kurator: Dr. Stefan Gronert, Tel. 0228 776226; stefan.gronert@bonn.de

                                                              

Pressekontakt: Dr. Ute Herborg-Oberhäuser, Tel. 0228 776223 ute.herborg-oberhaeuser@bonn.de

 

 

Begleitprogramm

 

23. Mai 2012, 19 Uhr                        Im Dialog: Fanny Gonella, Kuratorin des Bonner Kunstvereins, im Gespräch mit Kurator Dr. Stefan Gronert

10. Juni, 11 Uhr                                  Kuratorenführung:  Dr. Stefan Gronert

 

 

 

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