28.02.2013 07:00 Eingeladen von Thomas Thiel

Ausstellung in Bielefeld: Bertille Bak - »Urban Chronicle« (2011) bis zum 28.4.2013 im Kunstverein

Ausstellung  in Bielefeld: Bertille Bak - »Urban Chronicle« (2011) bis zum 28.4.2013 im Kunstverein

Bild 1: Bertille Bak, »Urban Chronicle 2«, 2010-2011, map showing the location of satellite dishes taken from Google Maps in the New York boroughs of Manhattan,Brooklyn, Queens, the Bronx

Bild 2: Bertille Bak, »Urban Chronicle«, 2011, Videostill, Courtesy of Bertille Bak

Von: GFDK - Bielefelder Kunstvrein - 2 Bilder

Bertille Baks (*1983) Arbeiten entstehen oft in Zusammenarbeit mit Einzelpersonen oder Gruppen. In ihren Videos, aber auch in ihren Zeichnungen, Objekten und Installationen, beschäftigt sich die französische Künstlerin insbesondere mit gesellschaftlichen Minderheiten und deren sozialer Realität. In der Regel verbringt sie mehrere Monate mit den jeweiligen Gruppen und involviert sie dabei in ihre Filme.

Sie interessiert sich weniger für eine Beobachtung oder Dokumentation der spezifischen Lebenswirklichkeit, sondern initiiert durch ihre kollaborative Kunstpraxis gruppendynamische, kommunikative Prozesse und soziale Veränderungen. In ihrer aktuellen Arbeit »Transport à dos d’homme« (2012) reflektiert die Künstlerin den Alltag und die Gemeinde der Sinti und Roma am Stadtrand von Paris. Mit den Bewohnern eines zum Abbruch freigegebenen Wohnblocks in Thailand übersetzte sie in »Safeguard Emergency Light System« (2010) ein revolutionär-utopisches Lied in eine Partitur aus Lichtsignalen.

Die hier präsentierte Videoarbeit »Urban Chronicles« entstand im Jahr 2010 während eines längeren Aufenthalts der Künstlerin in New York. Von der kosmopolitischen Zusammensetzung der Stadt fasziniert, kartografierte sie mit Hilfe von GoogleMaps die Bereiche mit einer starken Konzentration von Satellitenschüsseln und ermittelte so die Standorte bestimmter ethnischer Gemeinschaften. Nach dieser Recherche ging sie auf eine polnische Gemeinde zu, mit deren Unterstützung dann »Urban Chronicle« umgesetzt wurde.

Basierend auf den Geschichten dieser Gemeinschaft, zeichnet der Film ein humorvolles und poetisches Porträt der osteuropäischen Einwanderer in New York nach. Im Zentrum stehen ihre Traditionen, ihr Alltag, aber auch persönliche Wünsche und die geografische Verteilung in der Stadt. Dazu gehören zum Beispiel nationale Paraden auf der Fifth-Avenue, Frosch-Wettbewerbe und andere folkloristische Elemente. Diese öffentlichen Aktivitäten verkörpern nicht nur die zurückgelassene Kultur, sondern sind auch gemeinschafts- und identitätstiftend. Mit den Mitteln der Inszenierung, aber auch der Groteske, hinterlässt »Urban Chronicles« ein ambivalentes Gefühl, das der Wirklichkeit scheinbar näher steht als eine reine Dokumentation der Situation.

Text: Thomas Thiel

Bertille Bak (*1983) lebt und arbeitet in Paris. Im letzten Jahr zeigten das Museum of Modern Art (Paris), Nettie Horn (London), Contemporary Art Centre (Chelles) und Palais de Tokyo (Paris) Einzelausstellungen der Künstlerin. Bertille Bak hat 2012 an vielen internationalen Gruppenausstellungen teilgenommen, darunter Palazzo Grassi (Venedig), CREDAC (Ivry sur Seine), die Triennale Paris und Montevideo Biennale (Uruguay).

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