02.09.2013 08:00 Kunsthalle Bern

Ausstellung in Bern: Virginia Overton- ihre Ausstellung ist als eine Folge von Echos aufgebaut

Virginia Overton stellt ihre werke in der kunsthalle bern aus

Im zentralen Raum ist eine Bodenarbeit installiert, die das Muster der Glasdecke spiegelt; (c) Kunsthalle Bern

Virginia Overton ausstellung bern kunsthalle
Von: GFDK - Kunsthalle Bern

Virginia Overton im Gespräch mit Fabrice Stroun

Fabrice Stroun: Deine Ausstellung in der Kunsthalle Bern ist als eine Folge von Echos aufgebaut. Im zentralen Raum hast Du eine Bodenarbeit installiert, die das Muster der Glasdecke spiegelt; im Untergeschoss hängen Arbeiten an der Wand, die das Muster des Parketts der Räume aufgreifen.

Virginia Overton: Das war ein längerer Prozess. Ich war in den letzten eineinhalb Jahren mehrfach in der Kunsthalle Bern, um diese Ausstellung vorzubereiten. Als ich dann zum Aufbau kam, fing ich an, verschiedene Sachen auszuprobieren. Das ging nach dem Prinzip «Trial and Error (Versuch und Irrtum)». Die Arbeiten sind als Reaktion auf den Raum und die Materialien konzipiert, die ich hier vor Ort und an verschiedenen Orten in und um Bern herum vorgefunden habe. Manchmal kann ein Werk auch eine direkte Spiegelung des Raums sein.

Ausstellung in Bern

FS: Mich interessiert der Umstand, dass dieses Spiel mit Spiegelungen ebenso optisch wie konzeptuell erfahrbar ist. Deine Arbeit weist praktisch keine illusionistischen Aspekte auf.

VO: Stimmt, ich verstehe die Arbeiten nicht als irgendwelche Tricks; das ist kein Jahrmarktsspektakel. Ich hoffe, dass man die Arbeiten physisch, aber auch objektiv erlebt. Sie sind, was sie sind: zwischen Boden und Wand geklemmte Holzbretter oder an die Wand gehängte Stücke von echtem Parkett. Ich habe das Gefühl, die Werke, die ich mache, könnten in einem Museum stehen oder in einer Einfahrt oder in einer Scheune, wo auch immer, und sie würden immer noch als wirkliche Dinge in der Welt funktionieren, nicht als irgendwelche Fremdkörper, die man auf einen Sockel stellt.

FS: Aber ein Stück Holz, das man sich in einem der Kunst geweihten Raum anschaut, ist nicht länger das Stück Holz, das man am Strassenrand aufgelesen hat.

VO: Doch, ich finde tatsächlich, dass es dasselbe ist.

Bildende Kunst

FS: Ha! Viel von dem, was diese Objekte und Materialien kulturell und gesellschaftlich ausmacht, gelangt doch von ihrem Ursprungsort in die Kunsthalle? Du hast kürzlich in New York eine Arbeit mit Zedernholz aus Tennessee gemacht. Der Ort an dem Du aufgewachsen bist, das Holz, das Du in einem Truck durchs halbe Land transportiert hast. Das Holz hatte eine ganz bestimmte Farbe und, wichtiger noch, einen bestimmten Geruch, sodass manche Deine Arbeit als eine Art abstrakte Repräsentation der ländlichen Südstaaten beschrieben haben. Und viele der Materialien, die Du für Deine Skulpturen verwendest, haben einen Bezug zur alltäglichen Heimwerkerkultur des Arbeitermilieus.

VO: Das steckt sicherlich alles in den Arbeiten, es ist aber nicht wirklich mein Anliegen, eine Ästhetik des amerikanischen Alltagslebens zu erfassen. Ich arbeite gerne mit Materialien, die mir vertraut sind, und ich komme einfach aus dem ländlichen Süden Nordamerikas. Ich kann mich aber auch auf andere Kontexte einstellen, denn die meisten meiner Arbeiten sind aus Material und Ideen entstanden, die ich an Ort und Stelle vorgefunden habe. Ich reise für Ausstellungen, und ich arbeite gerne mit lokalem Material. Das bewahrt mich davor, das ganze Zeug in der Welt herumschicken zu müssen.

FS: Neben Materialien auch Bilder. Für Deine Ausstellung in Bern hast Du sowohl eine Leuchtreklame mit dem Namen unserer Institution als auch eine alte Aufnahme ihrer Fassade ausgewählt.

Freunde der Kunst

VO: Der Leuchtkasten hat das gleiche Format wie der für The Kitchen in New York, wo ich letztes Jahr ausgestellt habe. Mit gefiel die Idee, ein Schild für den Ausstellungsort zu machen und es dann im Gebäude selbst zu zeigen. Das Foto von der Kunsthalle habe ich im Keller gefunden. Ich arbeite da wiederum mit mir vertrautem Material. Es ist das allgegenwärtige Bild der Kunsthalle Bern, das ich schon seit Jahren kannte, lange bevor ich das erste Mal in die Schweiz gekommen bin.

Virginia Overton wurde in Tennessee geboren. Zurzeit lebt und arbeitet sie in New York. Sie hatte Einzelausstellungen im Power House, Memphis, im SculptureCenter Long Island City, in der Power Station, Dallas und in The Kitchen, New York.

Die Kunsthalle Bern und Virginia Overton danken Elaine Chin, Motoko Fukuyama, David Matorin, Gary Murphy, Anne & Ned Overton, Karen Overton & Brian Ferrell, Shan Overton, Turner Overton & Kate Flanagan, Aaron Suggs, Maya & Anina Trösch, Neal Curley, Richard Schiess, Dominique Uldry, Ulli Freyer, Samuel Leuenberger sowie Freymond-Guth, Zürich, und Mitchell-Innes & Nash, New York.

t.barshee@kunsthalle-bern.ch