22.04.2012 07:47 Seine Bilder vereinen Gegensätze

Ausstellung in Berlin: Tegene Kunbi bis 31.5.2012

Tegene Kunbi, helene 2, 2011, oil on canvas, 200 x 220 cm

Von: Nikolett Jäger/ galerie gerken

Seine Bilder vereinen Gegensätze. Sie sind bewegt und statisch, malerisch mit Tiefenperspektive, harmonisch und chaotisch zugleich. Tegene Kunbis neue Werkserie ist das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses, den der Maler und seine Kunst gemeinsam durchlaufen haben. Am Beginn seines malerischen Werdegangs standen landschaftliche Strukturen. Inspiriert durch die bunte Umgebung seiner afrikanischen Heimat sind Kunbis frühe Werke von abstraktem Duktus und zerfließenden Farben geprägt. In dieser natürlichen Unordnung entstanden wie zufällig geometrischen Elemente, die der Maler aufgriff und aus denen er eine neue Formsprache entwickelte, die in seiner zweiten Serie zum dominanten Charakterzug seiner Bilder wurde.


In dieser zweiten Schaffensphase sind Kunbis Bilder geometrischen Rastern unterworfen, die einer organisierten Struktur folgen und trotz der wilden Farben gebändigt wirken. Den Anreiz für die rhythmische Ordnung in seinen Werken erhielt der Maler 2007 durch den Umzug nach Deutschland. Die Bilder geben die Eindrücke des aufgeräumten Europa wieder und erinnern an die Linienpläne der Berliner U- und S-Bahn, an orthogonale Straßensysteme und Überlandleitungen in einem Patchwork-Teppich blühender Felder. 2011, nach einem mittlerweile vierjährigen Aufenthalt in Deutschland und einigen, anregenden Reisen, hat der Künstler eine neue Serie von Bildern geschaffen, die auf einer Kombination der beiden ersten Werkserien gründet. Aus den landschaftlichen Strukturen der ersten Periode und der geometrischen Ordnung der zweiten Phase kreiert Kunbi Bilder, die der Unordnung ein System geben und sich in räumlicher Tiefe bewegen. Dafür tritt er in einen anhaltenden Dialog mit seinen Bilder. Von der weißen Leinwand bis zum fertigen Bild liegen zahlreiche Gefühlskonflikte, die beigelegt und ausbalanciert werden müssen.

So entstehen mehrere Farbebenen übereinander, wobei stets die vorangehende Ebene die weitere Entwicklung vorgibt. Auf diese Weise spricht Kunbi mit seinen Werken. Das Bild zeigt Mängel auf und der Maler antwortet mit Rot oder Gelb, mit Dreiecken oder Vierecken. In diesem Gespräch entstehen stetig neue Konflikte, sodass Werk und Meister solange miteinander hadern bis beide mit dem Ergebnis zufrieden sind. Manchmal stockt die Unterhaltung und es geht nicht weiter. Sein Gefühl sagt Kunbi zwar, dass irgendetwas nicht stimmt, aber weder Maler noch Bild können den Fehler benennen. Dann greift Kunbi zu einem radikalen Clou und setzt in ein nahezu fertiges Bild einen unverschämten Konterpunkt, der die ganze Ausgeglichenheit zerstört. Deshalb prangen riesige, rote Vierecke in eine System aus feinen grünen Linien oder leuchtend blaue Striemen auf einem rotbraunen Wirbel. Der Kontrast stellt neue Fragen, eröffnet neue Perspektiven und ermöglicht ein Weitermalen. Schicht um Schicht stellt das Bild neue Herausforderungen und der Maler reagiert darauf. Das Werk gewinnt zusehends an Tiefe und  auf einer haptischen Oberfläche entfesselt sich eine feurige Dynamik. Manchmal droht die wilde Bewegung auszuufern. Dann muss Kunbi das Bild mit klar umrissenen, geometrischen Formen festhalten oder ihm eine Richtung geben, damit es nicht ins Chaos abdriftet. Aus diesem schöpferischen Dialog heraus entwickelt jedes seiner Bilder einen eigenen Charakter. Die Werke sind voller kontrastreicher Harmonie und wirken durch ihre milde Wildheit befreiend. Dadurch strahlt Tegene Kunbis Kunst eine positive Energie aus, welche die Essenz der lebensbejahenden Philosophie des Künstlers ist.

Autor: Nikolett Jäger, Herausgeber: galerie gerken.

 

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