02.10.2012 08:02 gehört zu den Wegbereitern einer figurativen Malerei

Ausstellung in Berlin: R.B. Kitaj (1932–2007) - Obsessionen bis zum 27.01.2012

© R.B. Kitaj Estate; Tate, London 2012

Von: GFDK-Jüdisches Museum Berlin

Das Jüdische Museum Berlin zeigt die erste umfassende Ausstellung über das Gesamtwerk des Malers R.B. Kitaj nach dessen Tod 2007. Es ist die erste Retrospektive seit 14 Jahren.

Der amerikanische Künstler gehörte in den 1960er Jahren, zusammen mit seinen Freunden David Hockney, Lucian Freud u.a., zu den Wegbereitern einer figurativen Malerei und zählt heute zu den großen Einzelgängern der Kunst des 20. Jahrhunderts. R.B. Kitaj hat ein großes umfangreiches Werk mit stark autobiographischen Zügen geschaffen, in dem zentrale Fragen des 20. Jahrhunderts verhandelt werden.

Kitaj wurde in Ohio in Cleveland geboren und wuchs im linksintellektuellen Milieu seines Elternhauses auf. Seine Mutter Jeanne Brooks war Tochter russisch-jüdischer Einwanderer, sein Stiefvater Walter Kitaj floh vor der nationalsozialistischen Verfolgung aus Wien in die USA. Mit siebzehn Jahren fuhr Kitaj zur See. Danach begann er ein Kunststudium in New York, das er in Wien, Oxford und London fortsetzte.

Das große Leitthema von Leben und Werk R.B. Kitajs gilt der Identität in der Moderne. Aus der obsessiven Auseinandersetzung mit dem eigenen »Jüdischsein« und der Beschäftigung mit Vorbildern wie Franz Kafka, Sigmund Freud und Walter Benjamin entwickelte Kitaj Idee und Konzept für eine »jüdische« Kunst. Deren Kern leitete er aus der Erfahrung der diasporischen Existenz ab.

Für Kitaj war Kunst ein Medium emotionaler und intellektueller Auseinandersetzung. Er war selbst ein leidenschaftlicher Büchersammler und fand Themen und Motive in der Geistesgeschichte und Literatur, aber auch in den Werken großer Künstler, die er fragmentarisch in seinen Bildern in neue Zusammenhänge stellte. R.B. Kitajs farbig intensive und provokante Kompositionen sind zugleich Bilderrätsel mit lebensweltlichen und philosophischen Bezügen.

Die Kommentierung und Deutung der eigenen Werke sah Kitaj als Bestandteil seiner Kunstpraxis, mit der er sich in der jüdischen Tradition der Auslegung biblischer Texte eingebettet sah. Für die große Retrospektive im Jüdischen Museum Berlin stand erstmals das umfangreiche persönliche Archiv des Künstlers aus seinem »Yellow Studio« in Los Angeles zur Verfügung. Der Nachlass, der heute in der University of California Los Angeles (UCLA) verwahrt wird, erwies sich als ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis seiner vielschichtigen Bilder.

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