31.12.2012 07:02 Eine Ausstellung des Museum Morsbroich

Ausstellung in Berlin: Michael Schmidt. Lebensmittel bis zum 1.4.2013 im Martin-Gropius-Bau

Ausstellung in Berlin: Michael Schmidt. Lebensmittel bis zum 1.4.2013 im Martin-Gropius-Bau

Foto © Michael Schmidt

Von: GFDK - Martin-Gropius-Bau

Die Fähigkeit von Michael Schmidt, scheinbar widersprüchliche Elemente in seiner Fotografie in eine gültige Form zu übersetzen, weist ihm eine herausragende Position in der aktuellen Fotografie zu. Während er mit seiner immer neuen Herangehensweise an fotografische und gesellschaftliche Fragestellungen eine singuläre Stellung einnimmt, gelten sein innovatives projekthaftes Arbeiten und sein extremes Engagement als Vorbild für eine Generation jüngerer Fotografen.

Mit der Serie „Lebensmittel“ schließt der 1945 in Berlin geborene Michael Schmidt die Reihe seiner großen Projekte ab. Im Frühjahr 2012 wird nach fünf Jahren der Planung und Realisierung das fotografische Essay zur Verarbeitung von Lebensmitteln in Europa erstmals veröffentlicht.

Schmidt fotografiert seit 2006 in den Fischfarmen Norwegens, in Großbäckereien in Deutschland oder der apfelverarbeitenden Industrie in Italien. Ähnlich wie in der Serie „Irgendwo“, für die Schmidt die süddeutsche Provinz bereiste und den „Verlust von Zuhause als Ort von Identität“ (Schmidt) thematisierte, kommt es dabei auch in den Bildern des Projektes „Lebensmittel“ nicht auf den konkreten Ort der Aufnahme an: Der weitgehende Verlust des lokalen Bezuges der Produktion, Weiterverarbeitung und Konfektionierung von Lebensmitteln macht es für den Betrachter unmöglich zu entscheiden, ob sich zum Beispiel ein Schlachtbetrieb in Spanien, Frankreich oder England befindet.

Die Fotografien belegen im Gegensatz zu manchen älteren Serien des Künstlers keine Haltung von Wut oder Anklage. Vielmehr ist die Sichtweise Schmidts von äußerster Klarheit und Härte gekennzeichnet. Der Blick in die Brotkörbe, in die Käfige der Fischfarmen oder Apfelwaschanlagen erinnert in seiner seriellen Analytik bisweilen an die sachliche Fotografie der 1920er Jahre. Doch gerade der Widerspruch zwischen der latent optimistischen Haltung der klassischen Fotografen, die ihre Motive aus der industriellen Produktion in einer perfekten Ästhetik in Szene setzten, und der realistischen Sichtweise Schmidts hinterlässt bei der Gesamtschau auf das Projekt einen verstörenden Eindruck: Das Einzelbild fordert die sachliche Betrachtung, während die Serie durch ihre Komposition von Wiederholungen, Akzentuierungen und Taktungen sowie den vielfältigen Bezügen zwischen den Fotografien der scheinbar dominanten Sachlichkeit nachhaltig den Boden entzieht.

Kontakt

Martin-Gropius-Bau
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