15.12.2012 06:02 das verlorene Bernsteinzimmer von Zarskoje Selo

Ausstellung in Berlin: Bernsteinzimmer von Henrik U. Müller - Installation und Experimentelle Fotografie bis zum 12.01.2013

Ausstellung  in Berlin: Bernsteinzimmer von Henrik U. Müller - Installation und Experimentelle Fotografie bis zum 12.01.2013

Bild 1: Installationsansicht Bernsteinzimmer

Bild 2: Bernsteinzimmer 10 (ppt), 2012, 202,5 x 117 cm, Holz, Compositionsgold, Inkjetfolie, Lack

Von: GFDK - Semjon Contemporary

"Kein anderer Raum ist so mythisch aufgeladen und beherrscht Gedächtnis und Phantasie wie das verlorene Bernsteinzimmer von Zarskoje Selo. Gold schimmernd beherrscht es die Vorstellungskraft wie alles Verlorene. Doch im Verlust eines der Inkunabeln rokoko-ziselierter Raumkunst liegt auch die Möglichkeit einer Wiederauferstehung im künstlerischen Schaffensprozess.

Henrik U. Müller geht die Sache kraftvoll an. Er konstruiert sich sein eigenes Bernsteinzimmer. Zwar angelehnt an das Original, aber dennoch ganz in seine eigene Welt eingebunden, baut er es neu. Wie eine schemenhafte Erinnerung bilden Tapetenbahnen mit unscharfen Strukturen eine Imagination des Bernsteinzimmers. Das verschwundene Bild des Raums kehrt in die Erinnerung zurück und bildet zugleich den Rückprospekt für die von Henrik U. Müller geschaffenen Bilder. Goldene Bilder sind es, die der Künstler auf den Wänden verteilt. Wie Fenster in die Vergangenheit strukturieren seine Goldbilder die Wand. Er nimmt keine Motive des Bernsteinzimmers auf, es geht ihm um strukturelle Zusammenhänge.

Ausschnitthaft, nach dem goldenen Schnitt komponiert, rhythmisieren die aus Kacheln zusammengefügten Bilder die Wände. Die opake Oberfläche suggeriert räumliche Tiefe, wo gar keine ist. Ganz ähnlich wie die halbtransparente Beschaffenheit beim Bernstein sind es die Goldkacheln, die irisierend das Licht brechen. Jede dieser Kacheln ist ein kleines Bild, additiv aneinander und übereinander gereiht, ergeben sie eine eigene Bildwelt, in der sich die Schönheit des Goldtons mit der Zartheit frühlingshafter weißer Blüten vereinigt. Die Vegetabilität jeder einzelnen Blüte wiederum weckt die Erinnerung an das Rokoko und seine pflanzenhafte Ornamentik.

Henrik Müller hat das verlorene Bernsteinzimmer gänzlich durchdrungen. Fern jeder Historizität oder politischen Geste konstruiert er sein eigenes Bernsteinzimmer. Schön soll es sein, und die Schönheit seines ureigenen Raumes gebiert Henrik Müller aus der Erkenntnis, dass strukturelle Prinzipen Grundlage für sein Künstlersein sind und dass Konstruieren von Schönheit den Königsweg sichtbar macht, was eigene, tief im Charakter liegende Wahrhaftigkeit sein kann."

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