07.05.2012 08:04 Pavillon am Milchhof

Ausstellung in Berlin: Alive - Rauminstallation von Gosia Galinska bis 27.05.2012

(c) Gosia Galinska Quelle: Pavillon am Milchhof

Von: Pavillon am Milchhof - 1 Bild von Gosia Galinska

Ich lebe ist der Name eines Projekts, das den Menschen gewidmet ist und zugleich ein Anlass, über das Veränderliche im Leben zu reflektieren. Es ist vielleicht ein Grund, die eigenen Bedürfnisse zu überdenken und auch die Notwendigkeit die Kunst zu erleben.

Bei meinen Installationen und räumlichen Objekten verwende ich alte Stoffe, abgetragene Schals, Pullover, Kleider, Röcke, Hosen, Bademäntel. Im Pavillon am Milchhof bilden Wände, Glasvitrinen, Decke und Boden die Begrenzungsrahmen für das ganze Arrangement.

Die Kleidungsstücke und Stoffe erhalten in diesem Prozess eine neue Form und zugleich eine neue Funktion. Turbane, Wolken, verknotet und verheddert - sind Bestandteile des künstlerischen Ausdrucks. Aus gekochter Wolle alter Pullover, habe ich Zöpfe kreiert, daraus wiederum das Objekt.

Gebrauchte, aussortierte Kleidung, sowohl von Lebenden als auch von Toten sind das Grundmaterial, das ich bewusst nutze um die Geschichte der Menschen zu erzählen. Hinter jedem Element des visuellen Puzzles verbirgt sich ein menschliches Wesen, seine Reise durch das Leben, sein Prozess des Suchens.

Kleidung begleitet den Menschen von Geburt an, jeden Tag nimmt sie Teil und beeinflusst zugleich die Kommunikation mit seiner Umgebung. Kleidung - einmal zelebriert, phantasievoll geschnitten, maßgeschneidert - jetzt weggeworfen oder kostenlos weggegeben - Anarchismus?

Beim Auswählen und Sammeln der Kleiderstücke bewundere ich oft die Kunstfertigkeit mit der die Kleidung hergestellt wurde, bevor sie Polen erreicht hat, aus ganz Europa und manchmal darüber hinaus. Beginnend mit Hand gesponnener, gewebter oder gestickter Seide – von jemanden geachtet und selten getragen Kleider, jetzt auf einem Haufen auf dem nackten Boden liegend.

Ich wundere mich über die unvermeidliche Veränderlichkeit und tägliche Mühe im Lauf der Jahre, der Stile, der Moden, das Lebens aufzuhalten. Und wieder einmal nehme ich Kleidung oder Stoffe in die Hand, ändere deren Funktion, finde die Essenz. Kleidung bedeckt den Menschen, ist ein Refugium für ihn und definiert ihn.

Durch meine Handlungen verfängt und verbindet sich die eigentumslose Kleidung, durch einen komplexen Logarithmus bilden sich reich farbfrohe Objekte und zeitlose Installationen. Veränderungen und Vergänglichkeit sind notwendige und wesentliche Elemente des menschlichen Lebens und seiner Räume, in direktem, unmittelbarem und allgemeinem Sinn.

Die Verfolgung, Entdeckung und die Visualisierung von Unveränderlichkeit und Veränderungen sind Gegenstand des Projekts. Der Raum des Pavillons wird mit den noch neu entstehenden und vorhandenen Komponenten ausschließlich für diesen Ort arrangiert.

 

Mariel Poppe

Pavillon am Milchhof Schwedter Str. 232 10435 Berlin +49 176 228 503 56
Weiterführende Links:
http://milchhofpavillon.de/