12.06.2014 07:00 Raum für Kunst

Ausstellung in Basel: "Die andere Seite der Schönheit" - Sammlung Michael Horbach Stiftung

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Egal ob Körperbehaarung in den Achseln oder im Intimbereich - die Debatte darum verliert nicht an Aktualität; Courtesy Sammlung Michael Horbach Stiftung

Stiftung Michael Horbach basel

Bild 1: Emannuell Barbaras

Stiftung Michael Horbach ausstellung

Bild 2: Erica Lennard

Stiftung Michael Horbach sammlung

Bild 3: Jens Nagels

Stiftung Michael Horbach fotogrfie

Bild 4: Lucana Marysand

Von: GFDK - Stiftung Michael Horbach

Egal ob Körperbehaarung in den Achseln oder im Intimbereich - die Debatte darum verliert nicht an Aktualität und wurde unlängst von Madonna, die stolz ihre Haarpracht unter den Armen präsentierte, neu entfacht.

Michael Horbach hat sich mit dem Thema bereits vor Jahrzehnten befasst, als der Trend zur Achselhaarentfernung endgültig Deutschland erreicht hatte, aber die Intimrasur noch ein Tabuthema war. Seine fotografische Sammlung "Achselhaare" nimmt in der Aktfotografie eine besondere Stellung ein und wurde erstmalig 1995 im Rheinischen Landesmuseum Bonn unter dem Titel "Die andere Seite der Schönheit" gezeigt. Zur Sammlung gehören Arbeiten von Helmut Newton, Lee Friedlander, Olaf Martens, Man Ray, Edward Weston, Annette Frick und Thomas Karsten.

Schöne Nacktheit und nackte Schönheit

Was bedeutet eigentlich Schönheit? Eine philosophische, über alle Epochen oft behandelte Frage. Abgesehen von kulturellen Prägungen sind es zum einen die sich wandelnden Ideale, die unsere Wahrnehmung bestimmen – in den letzten Jahrzehnten vor allem durch die Medien. Ein Beispiel dafür ist, dass Aktdarstellungen sich in Werbung und Medien etablierten und nach und nach zu einer radikalen Unterdrückung der weiblichen Körperbehaarung führten.

Zum anderen ist es das subjektive, von unzähligen Erlebnissen geprägte, Empfinden. Was für den einen sinnlich ist, ist für den anderen abstoßend und für wieder andere liegt der Reiz im Tabu.

Ausstellung in Basel

Bataille benennt in „Der heilige Eros" die Ursache: „Die Schönheit der begehrenswerten Frau weist auf ihre Scham-Teile hin: gerade die behaarten Partien, die animalischen Partien. Der Instinkt prägt uns das Verlangen nach diesen Partien ein."

So wird manch einer beim unerwarteten Blick auf das bloße Achsel- oder Schamhaar zusammenzucken, weil etwas Intimes, vielleicht geradezu verboten Erscheinendes enthüllt wird. Für den Sammler Michael Horbach sind es besonders die Achselhaare, die für eine ungezügelte Sinnlichkeit stehen. In seiner Sammlung konserviert er das vom Verschwinden bedrohte Achselhaar des Menschen.

Die Sammlung „Achselhaare“ mit über 200 Fotos ist weltweit einmalig und befand sich bis 2011 im Rheinischen Landesmuseum als Dauerleihgabe in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Photo Archiv e.V. (Prof. Klaus Honnef). Die Fotografien zeigen sowohl Frauen- als auch Männerakte mit dem Fokus auf deren Körperhaar. Felix Ackermann zeigt in seinem Raum für Kunst eine Auswahl von 45 Arbeiten und ebenso vielen Fotografen.

Wandel der Ideale

Im Wandel der Zeit sind die Aktmodelle erheblich schlanker geworden. Die Beine wurden länger, das Becken schmaler. Gleichzeitig büßten sie ihre Körperhaare mit Ausnahme des Schamhaares ein.

Die Modelle des Fotografen Edward Weston sonnten sich unter der heißen Sonne Kaliforniens mit prächtigem Achselhaar vor der Kamera. Die schöne und intelligente „Kiki“ von Montparnasse präsentierte in den aufregend erotischen Bildern Man Rays noch naiv ihr Körperhaar. Bei den Bildern des umstrittenen Fotografen Helmut Newtons werden nur solche Frauen mit Achselhaaren gezeigt, denen der Fotograf eine besondere erotische Ausstrahlung zuordnete.

In den letzten Jahrzehnten hat die Werbe- und Kosmetikindustrie erheblich dazu beigetragen, Achselhaare als Zeichen für mangelnde Hygiene zu werten. Nicht nur unter Feministinnen, auch innerhalb der Popkultur wird schon seit längerem über dieses Thema kontrovers diskutiert. Bei den ausgestellten Fotografien scheint diese Diskussion überflüssig zu sein - kaum eines der weiblichen Modelle würde man als schmuddelig oder als Sexsymbol definieren.

Der Titel der Ausstellung „Die andere Seite der Schönheit“ weist darauf hin, dass es noch eine zweite Wahrheit gibt neben den Idealen, die die Massenmedien darbieten und dass Schönheit nicht verhandelbar ist.

presse@michael-horbach-stiftung.de