08.01.2021 Meinung und Realität

Nachhaltigkeit im deutschen Automobilsektor steigt

von: GFDK - Kultur und Medien

Die Deutschen sind der Auffassung, dass BMW und Mercedes-Benz neben Toyota die umweltfreundlichsten Fahrzeuge bauen. Wie aus einer neuen „Handelskontor“-Infografik hervorgeht, ist das Gegenteil der Fall.

Neuwagen der Marke Mercedes-Benz haben einen gemittelten CO2-Ausstoß von 140,9 g/km, und landen hiermit auf dem unrühmlichen ersten Platz. Toyota landet mit einem Durchschnitt von 97,5 g/km auf dem anderen Ende der Skala. 

Neben Mercedes sind auch die CO2-Werte bei Audi und BMW überdurchschnittlich hoch. Etwas besser sieht bei Volkswagen aus. Nichtsdestotrotz liegt Toyota in puncto Nachhaltigkeit weit vorn.

Auch die Fahrzeuge der französischen Marken Citroen, Peugeot und Renault stoßen in Summe deutlich weniger CO2 aus, als die deutschen Premiumhersteller. Allerdings sind beispielsweise nur 6 Prozent der Deutschen der Meinung, dass Renault besonders umweltfreundliche PKWs vom Band lässt.

Indes zeigt die Infografik, dass das Thema Nachhaltigkeit immer mehr in den Fokus der Automobilhersteller rückt. So gab es im Jahr 2019 bereits 320 Investoren-Konferenzen, bei denen nachhaltige Faktoren expliziter Gegenstand des Diskurses waren. Im Jahr 2015 waren es lediglich 142. Der Anstieg schlägt mit 125 Prozent zu Buche.

Dass die Hersteller ihren Worten auch Taten folgen lassen, verdeutlicht die jüngste Entwicklung: so lagen die Emissionen der gut 1,2 Millionen verkauften Neuwagen im ersten Halbjahr 2020 4,4 Prozent unterhalb des Vorjahreswertes.

Bei fast allen Marken ergaben sich Verbesserungen, auch bei den deutschen Traditionsherstellern. BMW senkte den CO2-Ausstoß um 9 Prozent, Mercedes um 6,6 Prozent. Bei Audi und Volkswagen schlägt der Rückgang mit 5,6 bzw. 4,8 Prozent zu Buche. 

"Der durchschnittliche CO2-Ausstoß der deutschen Premiumhersteller dürfte nicht zuletzt deshalb so groß sein, weil diese vergleichsweise wenige Kleinwagen absetzen", so Handelskontor-Herausgeber Raphael Lulay.

"Allerdings sind die Konzerne bestrebt, einen Turnaround hinzulegen, und Ökologie mehr und mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Obgleich sich bereits erste Erfolge abzeichnen, ist Mercedes & Co. noch weit davon entfernt, die Speerspitze der Nachhaltigkeit im Automobilsektor zu bilden.

Allerdings könnte sich das Blatt auch rasch wenden, die hiesige Industrie stellte bereits mehrmals ihre Wandelbarkeit unter Beweis". 

Mitte 2021 will Daimler mit dem EQS, dem elektrischen Pendant zur S-Klasse, sein erstes vollelektrisches Modell auf den Markt bringen. Das Auto wird laut Herstellerangabe eine Reichweite von 700 Kilometern besitzen und seine Passagiere durch teilautonomes Fahren von A nach B bringen können.

Die Automobilindustrie ist die größte Branche des Verarbeitenden Gewerbes und gemessen am Umsatz der mit Abstand bedeutendste Industriezweig in Deutschland. Die Unternehmen der Branche erwirtschafteten im Jahr 2019 einen Umsatz von gut 436 Milliarden Euro und beschäftigten direkt mehr als 832.000 Personen.