10.05.2019 Zwei Künstlerinen in Wien

Gila Abutalebi und Manuela Froudarakis im MAG3 in Wien

von: GFDK - Kultur und Medien - Ausstellung

Zwei Künstlerinnen, zwei Gegensätze, Gila Abutalebi (persisch-deutsch) ist in Oberösterreich geboren, Manuela Froudarakis (griechisch-österreichisch) in Niederösterreich: „Farbarbeiten“

Das Handwerk der deutsch – persischen Künstlerin Gila Abutalebi aus Köln ist das Schreiben, die persönliche Handschrift! Ihr Werkzeug sind die lateinischen Buchstaben und Sprache vermengt mit Farbspielen und Stimmungen.

Ihr Material  ist transparent: Plastik! („Ich schreibe, ich punkte, ich spiele mit Farben, ich fühle, ich atme und inhaliere zutiefst und spucke alles in mir aus, das ist meine Transparente Lyrik!“) Angefangen hatte Abutalebi mit der Visualisierung ihrer Texte, Gedichte und Wortspiele, dann reduzierte sie sich nur noch auf den einzelnen Buchstaben.

Es entstanden in den vergangenen 10 Jahren neben verschiedenen Arbeiten 3 Serien rund um die Buchstaben K (In Love with K – K Visuals), (M in Process – M Visuals) und W (Whisky Thrill). Jüngst hat sie sich mit der Geschichte des Zoroastrismus beschäftigt und erste Werke mit dem Symbol „Faravahar“ und der Grundphilosophie „Gute Gedanken, gute Worte, gute Taten“ geschaffen.

Die Künstlerin versteht es in ganz eigenem Stil - abstrakt narrativ poetisch – geheimnisvoll kommunizierende Bilderwelten zu schaffen. Auch die Mehrdimensionalität und das Spiel von Licht und Schatten haben eine große Rolle in ihrem Schaffen, jedes Werk besteht aus 1 bis 5 Ebenen, akribisch genau - fast wie gedruckt - von Hand geschrieben.

Im MAG3 werden Werke aus ihrer M Serie („Magic Circles“) als auch ein neueres Werk ihres jüngsten Schaffens ausgestellt. Auch die Ästhetik spielt eine große Rolle in Abutalebis Schaffen, auf den ersten Blick ist vieles einfach großartig schön, mit einer unglaublichen Strahlkraft, doch auch hinter dem Schönen verbirgt sich mehr - im MAG3 vorwiegend die mehrdimensionalen Kreise mit all ihrer Symbolik.

Die Bilder von Manu Froudarakis machen sich auf eine starke Weise präsent. Es sind Bilder des Aufbegehrens, der Wut und des Zorns. Das wird in keiner Weise gedämpft durch ein Zurückbiegen in ein "Formgefühl", wodurch eine Art Harmonisierung hergestellt werden könnte.


Zeichen der Ungeduld und der Rage - in Schüben. Aber es sind keine "Ausbruch-Bilder". Die Bilder sind suggestiv und anpackend, aber auch vielschichtig. Froudarakis malt "Palimpseste" d.h. Schriften, die überdeckt waren und erst nach längerer Behandlung wieder an das Tageslicht treten. Spuren werden freigelegt, Wortbalken sind in das Bildgefüge eingeschrieben.

Beide Künstlerinnen sind zur Vernissage anwesend. Gue Schmidt/ MAG3 hält das Vorwort, die Menschenrechtsbeauftragte der Stadt Wien, Frau Shams Asadi spricht zu den Arbeiten der Künstlerinnen.

Stimmen:

„Es ist schwerer zu sagen, was Abutalebis Kunstwerke sind, als festzustellen, was sie nicht sind. Sie sind nicht Text, obwohl sie aus Buchstaben zusammen gesetzt sind. Sie sind nicht völlig abstrakt, obwohl sie abstrakten Strukturen ähneln. Sie sind nicht gemalt und nicht geschrieben, weil beides sich auflöst im Konzept einer grundsätzlichen Fraglichkeit.

Sie sind nicht zu dechiffrieren, obwohl sie immer wieder auf bekannte Sprach- und Formelemente verweisen. Und sie erscheinen weder der abendländischen Schriftkultur noch der Kalligraphie der orientalischen Kultur zugehörig zu sein, sondern einer lyrischen Dimension, die alle Sprachen und Sinnsysteme der Welt gleichermaßen unterläuft und doch irgendwie stabilisiert.“
Kölner StadtAnzeiger/ Jürgen Kisters/ 2015

„Man ist auf dem ersten Blick fasziniert von der Ästhetik der Werke, der mitschwingenden Harmonie, der Farbigkeit und wenn man sich weiter vertieft, dann entbirgt der zweite Blick eine philosophische Dimension. Es gibt unendliche Deutungsmöglichkeiten! Möge sich die Macht der Freude, die positive Energie, die Reflexion von Material, Text und Zeit auf sie übertragen!“ (Karin Weber, Kuratorin & Galeristin, Vorstand Neuer Sächsischer Kunstverein, Dresden, 2017)

„Gila Abutalebi verbindet mit ihrer Kunst die Idee, wie Sprachwissenschaftler oder Psychoanalytiker die Aufmerksamkeit auf die kleinsten Elemente und feinsten Nuancen unserer Lebenserfahrung zu richten und zugleich die Einsicht in die allen Elementen zugrunde liegenden Strukturen und Zusammenhänge zu gewinnen. Dass es in Gila Abutalebis Kunst gleichermaßen viel zu sehen wie viel zu denken gibt, bestimmt den hohen Anspruch ihrer Kunst.“
Kölner StadtAnzeiger/ Jürgen Kisters/ 2015

„Abutalebi ist eine Buchstabenmalerin. Ihre Lettern sind Arabesken, die tanzen. Die wie Blütenranken umeinander mäandern, stürmische Linien, mit kraftvollem, fast trotzigem Schwung, und dann wieder ganz filigran und zart, wie ein Leseteppich aus winzig kleinen Worten. Sie formen sich zu Bildern, erzählen Geschichten, zwingen zum Innehalten und zum Nachdenken.“
Kölnische Rundschau/ Susanne Schramm/ 2015

„Oft ist es ratsam, von den großformatigen Werken Abstand zu nehmen, um sie wirken zu lassen. Und die Wirkung der Bilder, die eine Sicht durch Schichten erlauben, ändert sich mit der Perspektive. Gila Abutalebi ist Schrift- und Sprachkünstlerin.

Sie erschafft eine Welt aus Buchstaben, die lebendig werden als angedeutete menschliche Figuren, Bäume, Herzen, Kussmünder und geometrische Körper. Alles bewegt sich, Muster sich wiederholender Buchstabenornamente fließen.“
Kölnische Rundschau/ Ulrike Weinert/ 2015

MAG3 in der Schiffamtsgasse 17 lädt zu einer besonderen Vernissage & Ausstellung ein! Ab nach 1020 Wien!

Vernissage am Mittwoch, 15. Mai 2019, 19 Uhr

Ausstellungsdauer: 15. Mai bis 12. Juni 2019

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag, 17 – 20 Uhr