22.01.2019 40.000 – Ein Museum der Neugier

Die Triennale Kleinplastik Fellbach macht uns neugierig

von: GFDK - Kultur und Medien

Verborgenes kennenzulernen - 1980 gegründet, gehört die Triennale Kleinplastik Fellbach zu den traditionsreichsten Kunstausstellungen in Deutschland und findet bundesweit große Beachtung.

Die 14. Ausgabe wird am Samstag, 1. Juni 2019, in der Alten Kelter in Fellbach eröffnet und dauert bis zum 29. September 2019. Kuratorin ist Brigitte Franzen. Die komplette Künstlerliste wird im Frühjahr 2019 bekanntgegeben. 

Seit ihrer Gründung 1980 wird die Triennale Kleinplastik Fellbach ihrem Namen gerecht und spürt der aktuellen Wirkung und Bedeutung von Kleinplastiken in der zeitgenössischen Kunst nach. Mit ihrer 14. Ausgabe wagt sie erstmals die historische Tiefenbohrung und geht 40.000 Jahre zurück:

Denn die ältesten bekannten Kunstwerke der Menschheit wurden just in der Nähe von Fellbach, auf der Schwäbischen Alb, gefunden – kleine, vor rund 40.000 Jahren entstandene eiszeitliche Skulpturen, die womöglich hier erschaffen wurden, aber auch genauso gut Relikte einer frühen Migration sein könnten. 


Dies nimmt die diesjährige Kuratorin Brigitte Franzen zum Anlass, sich intensiv mit dem Phänomen des „Kleinformatigen“ auseinanderzusetzen. Denn kleine Formate sind immer leicht transportabel, sie können in unmittelbarer Nähe zum menschlichen Körper getragen werden und können dabei gleichzeitig etwas Großes, auch Abstraktes modellhaft be-greifbar machen.

Talismane, Totems, Fetische, Spielzeuge, Horkruxe oder Attribute: Kleinplastiken wurden und werden sehr häufig nahe am Menschen benutzt oder ins unmittelbare Wohn- und Lebensumfeld integriert. 

Diese Nähe, diese enge Beziehung zwischen Mensch und Objekt, zwischen Gegenstand und Besitzer oder Betrachter erfordert, ja erzwingt unmittelbare Zuwendung. Der Frage, inwiefern diese auch in der heutigen Kunst noch wirksam ist, geht die Ausstellung im Sommer 2019 nach.

Von der Reminiszenz an folkloristische Elemente über spiritistische Momente bis hin zu virtualisierten Kunstwelten: Immer geht es darum, welche Rolle in diesem Kontext Kunstwerke heute spielen, ja spielen können, wie Künstler sie aus der Entwicklung und der Geschichte unserer multipolar entstandenen Welt herleiten und wie eine Perspektive aussehen könnte, die das Verhältnis zwischen Mensch und dem Ding als Begleiter durch Alltag und Leben beschreibt.

Rund 80 unter diesen Parametern ausgewählte künstlerische Artefakte der letzten zwei Jahrzehnte werden zu sehen sein. Einige Arbeiten werden neu entstehen, andere werden das Format und seine Bedeutung zwar spiegeln, aber selbst – zum Beispiel in Form von Videoprojektionen – darüber hinauswachsen und Räume außerhalb des eigentlichen Ausstellungsgebäudes beziehen und definieren. 

In Beziehung dazu werden ausgewählte historische Objekte, Abgüsse und Kopien der frühen Kleinplastiken gesetzt. Die Ausstellung wagt damit erstmalig einen Spagat zwischen zeitgenössischer Kunst und den Ursprüngen der Kunst vor rund 40.000 Jahren, um zu ihrem gemeinsamen Kern vorzustoßen:

Dem Interesse, der Neugier des Menschen an "be-greifbaren" Formen und „handhabbaren“ Objekten, anhand derer sich die Welt verstehen, gestalten – und auch aushalten lässt. „Die aus dieser Gemengelage abgeleitete Idee von der Kunst als einem Abbild und Ausdruck der Neugier und des Antriebs, wie er im Untertitel des Projektes „Museum der Neugier“ ausgedrückt wird, soll ein Leitfaden der Triennale 2019 sein.“

So beschreibt die Kuratorin ihr Konzept selbst. Die Umsetzung und spezielle Gestaltung im historischen Raum der Kelter ent-wickelt sie gemeinsam mit den Garten- und Landschaftsarchitekten atelier le balto. - Weitere Infos zur Entwicklung und Umsetzung des Konzeptes folgen.


Die Triennale Kleinplastik Fellbach


Als Forum zeitgenössischer Skulptur im kleinen Format wurde die Triennale 1980 in Fellbach ins Leben gerufen. Sie findet seither im Turnus von drei Jahren statt und hat sich zu einer international beachteten Ausstellung mit außerordentlichem Profil entwickelt.

Die Triennale verdankt ihren guten Ruf der kompromisslosen Aktualität der aus-gestellten Kunst, der Risikobereitschaft der Veranstalter und der hohen Qualifikation der jeweiligen künstlerischen Leiter. Die Kuratoren bestimmen in alleiniger Verantwortung über Künstler und Kunstwerke. Zu den bisherigen KuratorInnen gehörten: Susanne Gaensheimer, Angelika Nollert, Yilmaz Dziewior, Ulrike Groos und andere. 

Die Kuratorin Brigitte Franzen 


Dr. Brigitte Franzen (*1966) ist Kunst- und Kulturwissenschaftlerin. Sie ist Vorstand der Peter und Irene Ludwig Stiftung. Von 2009 bis 2015 war sie Direktorin des Ludwig Forums für Internationale Kunst in Aachen. Von 2005 bis 2008 arbeitete sie als Kuratorin für Gegenwartskunst am Westfälischen Landesmuseum und war Kuratorin der Skulptur Projekte Münster 2007.

Als Autorin und Herausgeberin veröffentlichte sie zahlreiche Publikationen zur Gegenwartskunst. Sie hatte Lehraufträge u. a. an der Akademie der Bildenden Künste in München und an der Universität Köln. Ihren kuratorischen Ansatz beschreibt sie als „forschendes Kuratieren“.