Nachrichten und Veranstaltungen in unserem Archiv

23.02.2017 Mahler-Sinfonien

GFDK - hr

Eliahu Inbal hat die Mahler-Tradition des hr-Sinfonieorchesters einst begründet, seine Nachfolger im Amt des Chefdirigenten haben sie vertieft – und auch der aktuelle Mann am Pult Andrés Orozco-Estrada schreibt sie weiter fort: mit der 5. Sinfonie an zwei Konzertabenden am Donnerstag, 9., und Freitag, 10. März, in der Alten Oper Frankfurt. Außerdem hat das Orchester den Weltklasse-Geiger Joshua Bell eingeladen, der das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy im Gepäck hat.

Spätestens seit unter Inbal die weltweit erste digitale Gesamteinspielung aller Mahler-Sinfonien erschienen ist, gilt Frankfurt als Mahler-Kompetenz-Zentrum. Auch in Andrés Orozco-Estradas Amtszeit darf in keiner Spielzeit eine dieser wirkungsmächtigen Sinfonien fehlen. „Orozco-Estradas Mahler-Stil hat ein durchaus eigenwilliges Profil“, attestierte ihm die Frankfurter Rundschau unlängst.

Konzert Joshua Bell

Joshua Bell, der gleichermaßen klangschön wie geschmackssicher agierende Amerikaner und Solist des Mendelssohn-Violinkonzerts, wirkt mit seinem Violinton nie zu üppig. Der 1967 geborene Musiker war Mitglied im „Committee on the Arts and the Humanities“ von Barack Obama und engagierte sich dort für mehr Kunsterziehung in Grund- und Mittelschulen. Vielen wurde er erst bekannt, als er 2007 für ein Experiment der „Washington Post“ inkognito in einer dortigen U-Bahnstation Geige spielte und nur von einem einzigen Passanten erkannt wurde. Der Autor der Zeitungsstory wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Das Konzert gibt es als Video-Livestream am Freitag, 10. März, auf www.hr-sinfonieorchester.de. hr2-kultur sendet ebenfalls eine Live-Übertragung ab 20.04 Uhr sowie eine Aufzeichnung am Dienstag, 21. März, um 20.04 Uhr.

hr-Sinfoniekonzert
Joshua Bell, Violine; Andrés Orozco-Estrada, Dirigent
Datum: Donnerstag, 9., und Freitag, 10. März 2017, jeweils 20 Uhr,
Konzerteinführung jeweils 19 Uhr
Ort: Alte Oper Frankfurt, Großer Saal
Karten: 54,50 / 44,50 / 35,50 / 26 / 17 Euro (Schüler/Studierende/Auszubildende bis zu 50 Prozent Ermäßigung) unter Telefon 069/155-2000 oder www.hr-ticketcenter.de 

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23.02.2017 Liebe, Leben und Tod

GFDK - Lembruckhaus

Um große Themen wie Liebe, Leben und Tod kreisen die Arbeiten der tschechisch-kanadischen Künstlerin Jana Sterbak (*1955 in Prag). In ihrem poetischen Werk begegnen uns Fleisch, Haut, Haare, Leder, Brot und Eis – Materialien, die unsere eigene Vergänglichkeit spürbar machen. Unter dem Titel „Life-Size. Lebensgröße“ stellt die umfassende Retrospektive im Lehmbruck Museum den Körper und sein Maß in den Mittelpunkt.

In ihrer legendären Arbeit „Vanitas. Flesh Dress for an Albino Anorexic“ von 1987, die im Zentrum der Schau steht, vernähte Jana Sterbak rohes Fleisch zu einem Kleid.

Mit Lady Gaga zur Berühmtheit

Das Motiv des Fleischkleides wurde 2010 international bekannt durch die Popkünstlerin Lady Gaga.

Die Ausstellung, die in Kooperation mit der Galerie im Taxispalais Innsbruck entstanden ist, gibt erstmals seit 2002 im deutschsprachigen Raum einen retrospektiven Überblick über das Werk einer der bedeutendsten Protagonistinnen der Konzeptkunst.

Jana Sterbaks subversive und ironisch-humorvolle Kunst steckt voller Anspielungen. Neben den eindringlichen Umsetzungen körperlicher Erfahrungen findet sie poetische und rätselhafte Bilder, die entschlüsselt werden wollen. Exemplarisch zeigen Werke aus unterschiedlichen Phasen ihrer Karriere, wie sie mittels einfacher Eingriffe verfremdete bis groteske Situationen schafft, die unsere von Umbrüchen geprägten Lebensbedingungen grundsätzlich befragen.

Ausstellung in Duisburg

Ein umfangreicher zweisprachiger Katalog mit 50 Abbildungen und Texten von Söke Dinkla, Marietta Franke, Michael Krajewski sowie einem Künstlerinterview begleitet die Ausstellung.

Jana Sterbak Life-Size. Lebensgröße

11. März bis 11. Juni 2017

Eröffnung Samstag, 11. März 2017, 16 Uhr

Ausstellung im Lehmbruck Museum Duisburg

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22.02.2017 von lady gaga bis brad pitt

GFDK - Anne-Kathrin Boch

Das ist doch mal wieder ein guter Grund eine kulturelle Ausfahrt nach Italien zu unternehmen. Kraftvoll, intensiv und innovativ gestaltet sich die Ausstellung von „Robert Wilson for Villa Panza. Tales“. Der US-amerikanische Ausnahmekünstler hat hiermit eine Ausstellung geschaffen, die wie keine andere vor ihr auf die großartige Villa Panza in Varese zugeschnitten ist.

Noch bis zum 15. Oktober 2017 treten eine ortsspezifische Installation und über 30 Video-Porträts in einen ganz besonderen Dialog mit dem Park und den Räumen der Villa, ihren Möbeln und ihren dauerhaften Ausstellungsstücken.

Lady Gaga auf Leinwand

Eine zentrale Rolle nimmt dabei das faszinierende Ensemble von Lady-Gaga-Porträts ein, das zuvor im Louvre in Paris zu sehen war. Anna Bernardini, Leiterin der Villa Panza, und Noah Khoshbin, Ausstellungsmacher im Studio Wilson, sind die Kuratoren der Kunstschau „Robert Wilson for Villa Panza. Tales“.

Ausstellung Robert Wilson

Vareses sehr schöne Villa Panza erhebt sich auf dem Stadthügel Biumo Superiore und ist von einem 33.000 qm großen Park umgeben. 1996 beschloss ihr letzter Besitzer Giuseppe Panza das gesamte Anwesen dem FAI (Fondo Ambiente Italiano), d.h. der gemeinnützigen Stiftung für Denkmalpflege und Naturschutz in Italien, zu schenken – so auch die ca. 150 europäischen und amerikanischen Kunstschätze, die nach wie vor zu den bedeutendsten zeitgenössischen Kulturzeugnissen der zweiten Hälfte des 20. Jh. zählen. Seit September 2000 erfreut die Villa das Publikum alljährlich mit Ausstellungen auf Weltniveau – momentan, noch bis Mitte Oktober 2017, mit den Werken von Robert Wilson.

Kunstschau in Italien

Das Besondere an dieser Kunstschau ist, dass die Poetik des amerikanischen Regisseurs, Theaterautors, Architekten und Videokünstlers Wilson perfekt mit den Interessen des 2010 verstorbenen Kunstsammlers Giuseppe Panza einhergeht. Dem Mailänder ging es immer wieder um die Gegenüberstellung von klassischer Welt und Gegenwart, um Licht, Zeit, körperlich-psychische und universal-ethische Fragen. Seiner großen Leidenschaft für das Studieren, die Kontemplation und die Erforschung der Stille ist Wilsons ortsspezifische, im amerikanischen Shaker-Stil gehaltene Installation „A House for Giuseppe Panza“ gewidmet, die nach Beendigung der Kunstschau zu einem Bestandteil der Villa-Panza-Sammlung wird.


Wilsons Haus steht im Park der Villa, sozusagen als Kontrapunkt zu deren grandioser Architektur. Im Inneren befindet sich ein Tableau vivant, das von einem Tonband mit Versen aus Rainer Maria Rilkes „Briefe an einen jungen Dichter“ untermalt wird – ein Text, den Giuseppe Panza sehr schätzte. Die Video-Porträts von Tieren und berühmten Persönlichkeiten sind wiederum in den Räumen der Villa Panza installiert. Die Animationen in den einzelnen Bildern bewegen sich sehr langsam, wodurch die erzählerische Kraft des jeweiligen Porträts verstärkt wird und sich in Richtung Film bewegt, ohne dass dabei die feste Form, die einem gemalten Bild normalerweise zu eigen ist, verloren geht.

Brad Pitt im Portrait

Nachdem die vier Lady-Gaga-Porträts erstmals 2013 im Louvre präsentiert wurden, sind sie nun erstmalig in Italien zu bestaunen. Drei der vier Bilder nehmen Bezug auf berühmte Meisterwerke der Kunstgeschichte: Auf das Bild „Mademoiselle Caroline Rivière“ (1806) von Jean Auguste Dominique Ingres, auf „Der Tod des Marat“ (1793) von Jacques-Louis David und auf „Der Kopf von Johannes dem Täufer“ (1507) von Andrea Solari. Neben Lady Gaga hat Wilson weitere Berühmtheiten wie den Literaturnobelpreisträger Gao Xingjian, den Schauspieler Brad Pitt und die Sängerin Renée Fleming porträtiert. Und auch Tiere wie der schwarze Panther Ivory oder 23 Eulen im Schnee sind mit dabei.


Viele weitere Informationen zu der Ausstellung „Robert Wilson for Villa Panza. Tales“, die täglich (außer montags) von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet ist, sind auf der Website www.fondoambiente.it zu finden.

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21.02.2017 kreativszene in münchen

GFDK - Julia Meyn

Das im vergangenen April erfolgreich in München gestartete Forward Festival kommt am 15. und 16. Juni 2017 zurück in die bayerische Hauptstadt. Diesmal trifft sich die kreative Szene in der Alten Kongresshalle.

Forward Festival München | 15.–16. Juni 2017 | Alte Kongresshalle

Im Juni 2017 werden unter anderem der international gefeierte Berliner Kreative Eike König, der weltbekannte Designer Stefan Sagmeister, oder die für ihre provokanten Brandings bekannte Stockholmer Agentur Snask den Besuchern persönliche Einblicke in ihre Arbeiten geben. Weitere Speaker, die bereits zugesagt haben sind Pfadfinderei, NYCHOS, Teenage Engineering, Slanted, LWZ, Sofie // Boiler Rom, Supersense, wild und Davide Bortot // A Color Bright. Neben der Konferenz – dem Herzstück der Festivals –, werden Key Notes, Workshops, die Moon Exhibition, Live Art Sessions und zahlreichen Side-Events in der Alten Kongresshalle aufwarten.

Forward Festival stammt aus Wien

Die Heimat des Forward Festivals ist Wien, wo vor drei Jahren das erste Festival stattfand. 2016 hielt Forward in München Einzug und 2017 lädt das Festival erstmals in die Design-Hochburg Zürich. Damit deckt das Forward Festival als erstes und einziges Kreativ-Festival die gesamte DACH-Region ab. Bislang waren alle Festivals ausverkauft. 

Die Forward Festivals stehen für die weltweit besten Köpfe aus Design, Kreativität und Kommunikation, die den Besuchern persönliche Insights und Erfolgsgeschichten mit auf den Weg geben.
Die Gründer und Organisatoren der Forward Festivals sind Othmar Handl und Lukas Kauer. Die beiden Wiener sind seit vielen Jahren im Marketing, Kultur- und Veranstaltungsmanagement tätig und können auf ein interdisziplinäres Netzwerk zurückgreifen, das sie abseits des Forward Festivals als Forward Creatives Agency bündeln.


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20.02.2017 erhält kunstpreis

GFDK - art Karlsruhe

Jonathan Meese ist ein Ausnahmekünstler und als Preisverweigerer bekannt. Als er von Juror Florian Illies, Autor und Geschäftsführer der Villa Grisebach, zum Preisträger des zehnten Hans Platschek Preises für Kunst und Schrift gewählt wurde, hat er seine Prinzipien gebrochen und nahm den Preis auf der art KARLSRUHE entgegen.

Stiftungsgründer Kurt Groenewold wies auf die besondere Bedeutung des malenden Schriftstellers und schreibenden Malers Platschek hin, der von 1923 bis 2000 lebte: "Er betrachtete Künstler als Vertreter der Freiheit." Kunsthistoriker und Publizist Florian Illies, dem die Aufgabe zufiel, den Preisträger zu bestimmen, betonte in seiner Laudatio: „Präzision, Verschlossenheit und Witz verbindet Meese mit Platschek.“

Illies zitierte Ad Reinhardts Bonmot, Kunst sei Kunst, alles andere sei alles andere, um auf die besondere Hermetik von Meeses Werk hinzudeuten. Kaum ein Kritiker habe sich mit ihm wirklich beschäftigt. Er sei ein "ungeheurer sprachlicher Wiederkäuer", und am Ende bleibe der "ERZ-Meese", der "Nietzsche und Wagner überlebt".

Jonathan Meese: Kunst braucht keine Revolution

Es folgte ein neunzigminütiger Auftritt des Künstlers, in dem er über die Notwendigkeit des Endes aller Ideologien performte. „Wir brauchen Evolution, keine Revolution" – war ein Kernsatz Meeses. Mache die Menschheit ernst mit seiner Diktatur der Kunst, flösse kein Blut mehr. Meese redete an gegen jede Ideologie und Vereinnahmung, sei sie nun religiös oder politisch motiviert. Es ist ihm ernst mit der Aussage, dass er für eine lebenswertere, menschlichere Welt schreibt und malt.

art KARLSURHE-Preis geht an Galerie SMUDAJESCHECK

Die Gewinner des zehnten art KARLSRUHE-Preises des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Karlsruhe stehen fest. Die Fachjury wählte aus den 193 One-Artist-Shows der Messe, die überzeugendste Einzelpräsentation: die Galerie SMUDAJESCHECK aus München mit der litauischen Künstlerin Neringa Vasiliauskaite (dm-arena/Halle 4, Stand M07).

Künstlerin Neringa Vasiliauskaite ausgezeichnet

„Neringa Vasiliauskaite arbeitet mit Spiegelflächen. Sie greift damit ein altes Thema der bildenden Kunst auf und überträgt es zugleich in überaus avancierte Formulierungen. In mehreren Schichten baut die Künstlerin ihre Arbeiten so auf, dass sie gleichermaßen als Spiegel wie als monochrome Farbereignisse wirken. Dem Betrachter kommt dabei besondere Bedeutung zu. Zum einen wird er in der Begegnung mit seinem Spiegelbild immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen, zum anderen verändert sich, während er sich zwischen den Arbeiten bewegt, deren Farbwirkung:

Opalisierende Effekte entstehen, die den Arbeiten von Vasiliauskaite eine nachgerade surreale Aura verleihen. Zugleich reflektieren die mit höchstem technischen Raffinement gefertigten Flächen in ihrer hyperperfekten Coolness eine Gesellschaft, in der sich das einzelne Subjekt in einer von glatter Hightech-Ästhetik geprägten Umgebung zu fortlaufender Selbstvervollkommnung herausgefordert oder genötigt fühlt.“, begründet die Jury ihre Auswahl.

Neringa Vasiliauskaite ist 1984 in Litauen geboren und hat zunächst an der Kunstakademie Vilnius ein Studium in Glaskunst absolviert, das sie 2008 mit dem Master abschloss. 2011 begann sie ein Aufbaustudium an der Kunstakademie München, wo unter anderem Norbert Prangenberg zu ihren Lehrern gehörte. Vasiliauskaite lebt in München und wird auf der art Karlsruhe von der Galerie SMUDAJESCHECK vertreten.

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20.02.2017 Alchemie und Arabeske

GFDK - Museum Frieder Burda

Sigmar Polke (1941 – 2010) gehört zu den größten Bild-Erfindern und bedeutendsten Malern Deutschlands. Seine Werke leben von gesteuerten Zufällen und bergen geheimnisvolle Überraschungen. Sie werden von einem besonderen Wort- und Bildwitz begleitet, der alles kategorisch Strenge durchbricht.

Die Ausstellung im Museum Frieder Burda konzentriert sich auf zwei wesentliche Merkmale in Polkes Arbeiten. Sie rückt unter dem Aspekt Alchemie die zufällig bis chaotisch erscheinenden Bildgründe seiner Malerei in den Fokus, die durch ungewöhnliche Substanzen entstehen, was zu eigenartigen Farbverläufen führt. In anderen Werken reagieren mineralische Zusätze auf klimatische Veränderungen. Der Alchemie steht der Aspekt Arabeske gegenüber – ornamentale Liniengebilde, die Polke etwa Holzschnitten Dürers und Altdorfers entnahm. Er malte aber auch seine eigenen Handlinien oder generierte Zufallslinien.

Ausstellung in Baden Baden

Sigmar Polke ist diesen wie zufällig erscheinenden, selbst gewählten Ordnungen auch in anderen Materialien und Medien nachgegangen, so goss er Asphaltritzen mit geschmolzenem Gold aus, fotografierte das schnörkelige Wachstum von Weinreben oder radioaktives Urangestein. Er filmte chemische Farbexperimente, sammelte fluoreszierendes Uranglas und interessierte sich für Zerrspiegel. Die Ausstellung präsentiert neben hochkarätigen Gemälden erstmals die in den USA entstandenen „Goldstücke“ sowie eine große Anzahl an Fotografien und zwei Filme, Urangestein-Fotografien, Polkes eigene Sammlung an Uranglas-Objekten, Zerrspiegel und Filmmaterial des Künstlers.

Ausstellungskurator: Helmut Friedel. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Bice Curiger, Helmut Friedel und Barbara Vinken im Schirmer/Mosel Verlag.

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19.02.2017 Compass Perspektive Award

GFDK - Berlinale

Die Auszeichnung für den Kompass-Perspektive-Filmpreis 2017 geht an den Spielfilm Die Beste aller Welten von Adrian Goiginger. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird in diesem Jahr zum ersten Mal verliehen. Die Trophäe ist ein kleiner Kompass, der dem Perspektive-Nachwuchs Orientierung geben und die Richtung weisen soll.

Die Jurymitglieder Feo Aladag, Sigrid Hoerner und Johannes Naber haben alle 14 Beiträge der Berlinale-Sektion Perspektive Deutsches Kino gesehen und einigten sich nach leidenschaftlicher Diskussion auf ihren Favoriten.

Jurybegründung für Die Beste aller Welten

Der siebenjährige Adrian wächst mit seiner liebevollen, heroinabhängigen Mutter und ihren Freunden im Salzburg der 90er Jahre auf. Sein Leben ist ein Abenteuerspielplatz - bis sowohl das Jugendamt als auch die Brutalität der Abhängigkeit seine Welt zu zerstören drohen.

Kampf zwischen Mutterliebe und Sucht

Der Regisseur Adrian Goiginger, der hier seine eigene Kindheit erzählt, zeigt auf verstörend authentische Art einen scheinbar ausweglosen Kampf zwischen Mutterliebe und Sucht. Ob die Droge selbst oder aber der gesellschaftliche Umgang damit die größere Bedrohung für das Kind darstellen, lässt er offen.

Deshalb berührt der Film mit seinem sensibel inszenierten, herausragenden Ensemble, ohne kitschig zu werden und geht mit seiner unprätentiösen Bildgestaltung unter die Haut, ohne voyeuristisch zu sein.

Sonderpreis ging an Nicolaas Schmidt

Außerdem vergab die Jury spontan einen „Sonderpreis der Jury“ für Final Stage von Nicolaas Schmidt. Die drei Juror*innen Feo Aladag, Sigrid Hoerner und Johannes Naber loben den jungen Filmemacher mit dem Preis für seinen formalen Mut.

Jurybegründung für Final Stage

Der Film Final Stage von Nicolaas Schmidt ist ein Montageexperiment im urbanen Konsumraum. Er besteht aus drei Sequenzen - Trennung, Schmerz und Wiedervereinigung. Der Film macht das Kino zu einem interaktiven Ort, an dem die Assoziationen des Zuschauers zum Narrativ werden. Mit diesem Preis wollen wir junge Filmemacher couragieren formale Risiken einzugehen.

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18.02.2017 Kompagnon-Förderpreis

GFDK - Xenia Thamm

Gestern, am feierlichen Abschlussabend der Perspektive Deutsches Kino, wurden erstmalig die Kompagnon-Förderpreise für je ein neues Projekt an eine*n Autor*in und/oder Regisseur*in von Berlinale Talents 2017 und an eine*n Perspektive-Deutsches-Kino-Alumnus/Alumna 2016 verliehen. Die Preise sind mit 5.000 Euro dotiert, die Berlinale gratuliert herzlich.

Mit dem Kompagnon-Förderpreis möchten Berlinale Talents und Perspektive Deutsches Kino einen gemeinsamen Beitrag zur nachhaltigen Talentförderung von in Deutschland lebenden Regisseur*innen und Drehbuchautor*innen leisten. Die Initiative zielt dabei auf mehr als „nur“ das konkrete Filmprojekt. Neben einer Stärkung der künstlerischen Handschrift unterstützt das Mentorenprogramm die Preisträger*innen bei der Vernetzung mit der Branche und bietet berufsbegleitende Coachings.

Die Jury, bestehend aus den Filmemacher*innen Feo Aladag, Sigrid Hoerner und Johannes Naber, entschied sich für die Treatments Systemsprenger von Nora Fingscheidt (Berlinale Talents 2017) und Der grüne Wellensittich von Levin Peter und Elsa Kremser (Perspektive Deutsches Kino 2016).

Die Begründung der Jury im Wortlaut:

Systemsprenger von Nora Fingscheidt entwirft die Geschichte der neunjährigen Benni, die als Schwererziehbare, von ihrer überforderten Mutter aufgegeben, durch alle behördlichen Erziehungsraster fällt – bis der Sozialarbeiter Micha beschließt, eine wirkliche persönliche Beziehung zu dem Kind zu riskieren, und dabei seine Grenzen übertritt.

Ein beklemmendes, einfühlsames und genau recherchiertes Szenario über unser pädagogisches System und ein ergreifendes, humanistisches Plädoyer für die „Schwierigen”, die Nicht-Konformen, die vermeintlich Dysfunktionalen.

Nora Fingscheidt verzichtet darauf, Antworten zu geben, sondern lässt die Fragen, die sie stellt, in einem Echoraum weiterschwingen. Systemsprenger hat so unsere Herzen berührt und unser Denken nachhaltig bewegt.

Die Begründung der Jury im Wortlaut:

Der grüne Wellensittich spielt in Weißrussland und erzählt die Geschichte des 34-jährigen Mischa, der nachts als Obduktionsassistent arbeitet und tagsüber Leichen auf Öl malt. Er trifft auf die 17-jährige Anna, deren gescheiterter Suizidversuch ihre Begegnung erst möglich macht. Ihrer beider Einsamkeit führt sie zur zwanghaften Beschäftigung mit dem Tod - woraus die Autor*innen Levin Peter und Elsa Kremser die schönsten Formen von Lebendigkeit erwachsen lassen: Kreativität und Liebe.

Es ist ein Spielfilmentwurf mit realen Protagonist*innen, allen voran Mischa, der sich selbst spielen soll. Dieses Verweben von dokumentarischem Prinzip mit inszenatorischer Gestaltung, dieses experimentelle Tasten in der Mischform verspricht einen formal und inhaltlich außergewöhnlichen Film. Auch weil die Autor*innen niemals zu bewerten, zu deuten scheinen – weder die Menschen selbst noch die Welt, in der sie sich zu definieren suchen. Nein, sie beobachten und lassen dabei Räume entstehen, die von eindringlichen Bildern und Charakteren getragen werden und nicht von einem auktorialen Erzählwillen.

Wenn das radikale Vertrauen in den eigenen Stoff stärker ist als alle Ängste vor Ablehnung, können Filme mit Herzschlag entstehen, die unvergesslich bleiben. Der grüne Wellensittich trägt dieses Potential in sich.

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18.02.2017 eTwinning-Preis

GFDK - Torsten Heil

Zehn Schulen aus acht Bundesländern sind am Freitag (17. Februar) in Stuttgart auf der DIDACTA vom Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, Volker Schebesta MdL, für ihre europäischen Internetprojekte mit dem Deutschen eTwinning-Preis ausgezeichnet worden.

Gemeinsam ist den Projekten die hohe Qualität, die intensive Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler mit Partnerklassen in Europa sowie der kreative Einsatz digitaler Medien. Bei den Kooperationsprojekten fällt zudem auf: Eine Reihe von ihnen hat sich mit dem Thema „Migration und Integration“ befasst oder mit den Werten für ein friedliches Miteinander in Europa auseinandergesetzt.

Thema Migration und Integration

Im Projekt „Migrants and Refugees“ etwa haben Schülerinnen und Schüler der Schillerschule Hannover (Niedersachsen) in beispielhafter Weise Ursachen und Folgen von Flucht und Migration in Europa analysiert und eine Online-Zeitschrift erstellt. Schülerinnen und Schüler des Gabriele-von-Bülow-Gymnasiums (Berlin) untersuchten im Projekt „The colorful face of Europe“ mit den Partnerklassen die Migrationsgeschichte ihres Landes und setzten diese in Beziehung zur eigenen Familiengeschichte. Für das Projekt „A Peace Song“ des Berufskollegs Lehnerstraße in Mülheim (Nordrhein-Westfalen) komponierten Schülerinnen und Schüler einer Internationalen Förderklasse, in der auch Geflüchtete und Asylbewerber unterrichtet werden, ein Friedenslied mit Schülerinnen und Schülern am beruflichen Gymnasium des Berufskollegs und nahmen es gemeinsam mit der italienischen Partnerklasse auf.

 Internetprojekte zu gesellschaftlichen Themen

„Die ausgezeichneten Schulen zeigen, dass Internetprojekte zu aktuellen gesellschaftlichen Themen jedes Schulfach und alle Altersstufen bereichern können. Sie vermitteln den Schülerinnen und Schülern Sprach- und Medienkompetenz und fördern Toleranz und Respekt vor dem Anderssein. Für diese Werte sollten wir in Europa gemeinsam einstehen“, erklärt Staatssekretär Volker Schebesta.


Die Gewinnerprojekte werden in drei Alterskategorien sowie einer Spezialkategorie geehrt. Mit der Auszeichnung verbunden sind hochwertige Sachpreise im Gesamtwert von 14.500 Euro. Der Spezialpreis wird zum Thema „Berufliche Bildung“ vergeben, das einen Schwerpunkt im Rahmen der diesjährigen Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz bildet. Eine Übersicht mit Informationen zu allen Preisträgern ist beigefügt.

Über eTwinning
eTwinning ist Teil des EU-Programms Erasmus+ und unterstützt die Zusammenarbeit von Schulen in Europa über das Internet. Europaweit sind derzeit fast 175.000 Schulen bei eTwinning angemeldet. Mithilfe der geschützten eTwinning-Plattform tauschen sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte zu selbstgewählten Themen aus. Die Nationale Koordinierungsstelle für eTwinning in Deutschland ist beim Pädagogischen Austauschdienst (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz angesiedelt.

Deutscher eTwinning-Preis

Für den Deutschen eTwinning-Preis haben drei erfahrene Jurorinnen die Projekte begutachtet: Prof. Dr. Angelika Speck-Hamdan (Lehrstuhl Grundschulpädagogik und -didaktik der LMU München), Prof. Dr. Nicole Würffel (Pädagogische Hochschule Heidelberg) und JProf. Dr. Mandy Schiefner-Rohs (TU Kaiserslautern). Bei der Auswahl der nominierten Projekte legte die Jury vor allem Wert auf eine ausgeprägte Kooperation zwischen den Partnerklassen, den kreativen Einsatz von Medien sowie pädagogisch innovative Konzepte im Unterricht.

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17.02.2017 kulturen verbinden

GFDK - Gillian Bradtke

Hamburg, 13. Februar 2017: Drei Kontinente, kaum zählbar viele Länder und sehr unterschiedliche Kulturen verbindet der Atlantische Ozean. Über das große Wasser reisten schon vor Jahrhunderten Entdecker, Auswanderer, Händler und Gefangene – im Gepäck immer auch die Musik ihrer Heimat, die sich in fernen Häfen zu etwas Neuem entwickelte.

Vom 12. bis 17. April legt nun die Elbphilharmonie in Hamburg, der Stadt mit dem drittgrößten Hafen Europas, mit dem Festival »Transatlantik« den Fokus auf Klänge, die in den Begegnungen europäischer, afrikanischer und amerikanischer Identität entstanden sind. Von den 13 Konzerten sind acht bereits ausverkauft, etwa der Auftakt mit dem Gambisten Jordi Savall sowie die Konzerte des Ensemble Resonanz und der Fado-Sängerin Mariza.

Tickets für fünf weitere zum Festival gehörende Konzerte gehen am 15. Februar in den Verkauf: Für die Hot 8 Brass Band aus New Orleans, für Bassekou Kouyaté, den Meister der westafrikanischen Langhals-Spießlaute Ngoni, für die Family Atlantica aus London, für den kubanischen Jazz-Pianisten Omar Sosa mit der NDR Bigband und für den Chorus sine nomine.

Elbphilharmonie-Festival

Das Festival startet mit einer musikalischen Erkundung der Routen der Sklaverei von Afrika nach Amerika. Jordi Savall, Meister der Gambe und ebenso sensibler wie intelligenter Erforscher der Alten Musik, ist bekannt für Konzertprogramme, in denen er geschichtliche Entwicklungen nachzeichnet.

Beim »Transatlantik«-Festival kombiniert er Kriegsgesänge und Trommelklänge aus Mali, Mexiko und Europa mit Texten über die Sklaverei. Begleitet wird Savall von seinen Ensembles Hespèrion XXI und La Capella Reial de Catalunya sowie von Gastmusikern aus Afrika und Südamerika.

Der Gambist Fahmi Alqhai widmet sich mit seinem Ensemble Accademia del Piacere, dem Flamenco-Sänger Arcángel und der Sopranistin Marivi Blasco jenen Liedern, die aus Spanien über die Konquistadoren in die Neue Welt getragen wurden, sich mit der Kultur der Indianer und Sklaven mischten und schließlich nach Europa zurückgelangten, wo sie Teil des Flamenco wurden. Bei den Cantes de ida y vuelta (Gesängen der Hin- und Rückwege) treten Volks- und Hochkultur in einen lebendigen Dialog.

Werke christlicher Musik

In Lateinamerika zählt die Misa Criolla des argentinischen Komponisten Ariel Ramirez zu den populärsten Werken christlicher Musik. Die Messe für Sologesang, Chor, Schlagzeug, Klavier und traditionelle Instrumente der Anden verbindet lateinamerikanische Rhythmen mit europäischen Elementen und wird am 14. April vom Chorus sine nomine, einem der führenden Vokalensembles Österreichs, zur Aufführung gebracht. Vorab nicht verraten wird das Detailprogramm der Konzerte des Ensemble Resonanz am 14. und 15. April. Unter dem Titel »Identity – zu den Quellen« untersucht das experimentierfreudige Residenzensemble des Kleinen Saals der Elbphilharmonie unter anderem die Verbindung zwischen Mozart und seinem »karibischen Doppelgänger« Joseph Bologne, Chevalier de Saint-Georges.

Argentinischer Tango ist angesagt

Porteños (Leute des Hafens) werden die Bewohner von Buenos Aires genannt, jener Metropole, in deren zwielichtigen Vierteln der argentinische Tango entstand. Eine der schillerndsten Figuren dieser Musik heute ist Melingo, der im September des vergangenen Jahres sein neues Album »Anda« herausgebracht hat und es am 13. April in der Elbphilharmonie vorstellt. Seine Texte handeln von dubiosen Machenschaften und dem Alltag seines Barrios.

Fast 10.000 Kilometer entfernt von Buenos Aires, am anderen Ufer des Atlanik, entstand in den armen Vierteln Lissabons Anfang des 19. Jahrhunderts der Fado – eine Musik ursprünglich für Seeleute, Zuhälter und Bohemiens, die von Armut und Schmerz, Liebe und Lust erzählt. Eine der bedeutendsten Fado-Sängerinnen der Gegenwart ist Mariza, 1973 in Mosambik geboren und in Lissabon aufgewachsen. Mehrfach hat Mariza in Hamburg schon für Begeisterungsstürme gesorgt, auch ihr Konzert beim »Transatlantik«-Festival ist bereits ausverkauft.

Groovy - Musik aus Amerika

Aus New Orleans reist am 16. April die Hot 8 Brass Band an. In ihrer Heimat erging einst ein Gesetz gegen Einwanderer mit afrikanischen, französischen und spanischen Wurzeln. Die Diskriminierung führte dazu, dass Afroamerikaner und Kreolen gemeinsam Musik machten und so die Grundlage des New Orleans Jazz schufen. Die Grammy-nominierte Hot 8 Brass Band erzählt Geschichten von den Straßen ihrer Stadt. Den Sound der traditionellen Blaskapellen verwebt sie mit Hip Hop und Funk. Lebhaft und wild ist auch die Musik der Family Atlantica. Die Band aus einem ehemals verrufenen Viertel in London vermischt Einflüsse aus Afrika und Südamerika zu ihrem eigenen, sehr groovigen Stil.

Kubanische Musik, europäische Klassik und Hip Hop

»Cosmic Unity«, der Titel ihres zweiten Albums, spiegelt wie die Band selbst das interkontinentale Wesen ihrer Heimatstadt wider. Von Kuba über Ecuador an die amerikanische Westküste und nach Europa: Mit transatlantischen Wegen kennt sich der Pianist Omar Sosa gut aus. Musikalisch pendelt er zwischen Latin Jazz, den afrikanischen Wurzeln der kubanischen Musik, europäischer Klassik und Hip Hop. Gemeinsam mit der NDR Bigband präsentiert er am 17. April sein Projekt »es:sensual«. In die Tradition der Griots (Musiker und Geschichtenerzähler) hineingeboren, spielt Bassekou Kouyaté aus Mali am 16. April mit seinem Ensemble Ngoni Ba das Publikum in Trance. Kouyaté hat die Ngoni, die traditionelle Langhals-Spießlaute, elektrifiziert und bringt sie mit einem Wah-wah-Pedal und seiner unnachahmlichen Spielweise in nächste Nähe des Blues.

 Kinderkonzert

In den Süden Amerikas, genauer: in den Urwald von Argentinien reist das Publikum des Kinderkonzerts »Tanz und Tapir« am 15. April. Dort wächst eine Blume, die nur von Tanz und Musik lebt. Mit Klängen des Tango-Komponisten Astor Piazzolla bewässern die drei Musiker Marcelo Nisinman (Bandoneon), Pirkko Langer (Violoncello) und Maurizio Grandinetti (Gitarre) die außergewöhnliche Blume. Unterstützt werden sie dabei von zwei Tangotänzern. »Tanz und Tapir« ist eine Produktion des Luzerner Sinfonieorchesters.

Seminar Musikgeschichte der Neuen Welt

Dass die Musikgeschichte der Neuen Welt gänzlich anders verlief als die des alten Europa, beleuchtet das Seminar »Musik aus Amerika«. War sie zunächst noch auf Importe wie Antonín Dvořák und Igor Strawinsky angewiesen, übernahm sie im 20. Jahrhundert in vielerlei Hinsicht selbst die Vorherrschaft: Jazz, Pop, Filmmusik, neue Klassik. Ein Kurs für interessierte Entdecker, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

21.3.-27.6.2017 / Di 18-19:30 Uhr / Elbphilharmonie Kaistudios

Dozent: Dr. Eberhard Müller-Arp / Kursgebühr: € 220

inkl. drei ausgewählter Konzertbesuche

In Kooperation mit dem Hamburger Konservatorium

 

Konzertkalender und weitere Informationen unter www.elbphilharmonie.de

Tickets ab 15. Februar 2017

unter www.elbphilharmonie.de

an den Vorverkaufsstellen der Elbphilharmonie sowie an allen weiteren bekannten Vorverkaufsstellen

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