19.07.2016 16:00 Übungen die als Putsch inszeniert wurden

Wer stoppt Erdogan - Säuberungen haben begonnen - Was macht die EU

Erdogans Folterknechte

Gefolterte Soldaten. Erdogans Folterknechte erzwingen Geständnisse. Die Angst steht ihnen in den Gesichtern. Foto: Twitter.com/Daily Sabah.

Die Soldaten werden wie Schweine behandelt

Die Soldaten werden wie Schweine behandelt. Foto: Facebook.com/KeremSchamberger.

Festgenommene Soldaten

Festgenommene Soldaten. Foto: Facebook.com/KeremSchamberger.

Die  jungen Soldaten hatten Angst um ihr Leben

Die überwiegend jungen Soldaten hatten Angst um ihr Leben. Fotos: Screenshot/Twitter.com.

Soldaten sind von einer Militäruebung ausgegangen

Die Soldaten ergaben sich schnell, sind zudem fast alle Wehrpflichtige. Einige werden zitiert und sagen: "Wir haben nur über unsere Handys erfahren, dass wir an einem Putsch teilnehmen".

Die Soldaten ergeben sich schnell

Jetzt spricht die rechtsgrundlose Eliminierung und Massenverhaftungen von Richtern und Militärs eine weitere Sprache: Eine Geschichte, die von langer Hand geplant war.

Massenverhaftungen von Richtern und Militaers

Erdogan wird sich nur von GOTT absetzen lassen – aber niemals freiwillig oder durch Wahlen zurücktreten.

Todesstrafe von Erdogan

Der türkische Präsident hat seine Bereitschaft zur Wiedereinführung der Todesstrafe in einem Interview mit CNN bekräftigt.

Von: GFDK - Gottfried Böhmer Profil bei Google+

Das ist die Bilanz von Erdogan nach 4 Tagen. Ich möchte nicht wissen wie die in 6 Monaten aussieht. Die angedrohten "Säuberungen" gegen die "Rebellen" haben begonnen. Rund 6000 Soldaten wurden verhaftet, darunter 100 Generäle und Admiräle, ca 13.000 Staatsbeamte die Erdogan nicht passen, wurden abgesetzt. Am Montag wurde noch die Suspendierung von 8000 Polizisten vermeldet.

30 Gouverneure wurden ihres Amtes enthoben. "Die Säuberung aller staatlichen Institutionen von diesem Geschwür wird weitergehen", sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Heute ist bekannt geworden das fast 20.000 Angehörige von Polizei, Verwaltung, Justiz und Armee festgenommen oder abgesetzt worden sind. 24 Radio- und Fernsehstationen haben bisher ihre Lizenz verloren.

Gebildete Türken stehen unter Generalverdacht, Erdogan-Gegner zu sein

Das Bildungsministerium hat mehr als 15.000 Mitarbeiter vom Dienst suspendiert. Die Hochschulverwaltung rief fast 1.600 Dekane und die Rektoren aller Universitäten auf, ihren Rücktritt einzureichen, meldet "ZEIT-Online". 21.000 Lehrern in privaten Institutionen wurde die Lizenz zum unterrichten entzogen. Erdogan räumt überall auf.

Wollen wir uns das von Erdogan gefallen lassen?

Die Welle der Gewalt nach dem gescheiterten "Putschversuch" in der Türkei erreicht nun auch Deutschland. Nach Anfangs friedlichen Demonstrationen verschlechtert sich die Stimmung unter den rund drei Millionen hierzulande lebenden Türken.

Erdogan-Sympathisanten sollen nun sogar dazu aufgerufen worden sein, Kritiker in ihren Reihen zu melden. In Deutschland wird es ungemütlich, und eines sollte uns klar sein, Erdogan kann in Deutschland und Europa großen Schaden anrichten. Seine radikalisierten Anhänger sind ja überall und sie sind sehr gewaltbereit.

Schauprozesse mit Ansage - und Erdogans Diktatur

Zudem laufen in Ankara Beratungen über die Einführung der Todesstrafe. Die Folterungen haben schon begonnen, wie man auf den Fotos sieht. Erdogan braucht jetzt dringend Schuldige, um die Behauptung zu beweisen, dass es einen Putsch gegeben hätte. Und was macht Deutschland und die EU? Sie rufen Erdogan zur Mäßigung auf. Und wie sieht das aus? Die Antwort liefert Steinmeier.

Großes Lob aus Deutschland

Nach dem missglückten Militärputsch hat Außenminister Steinmeier die starken Prinzipien der Türkie gewürdigt.  "Wie mit kaum einem anderen Land verbinden uns so vertraute und enge menschliche Beziehungen", so Steinmeier in der "Bild am Sonntag".

Erdogans Schlachtfest hat begonnen

Die "Kronen-Zeitung" schreibt: Im Internet ist ein Video aufgetaucht, wo neben Öztürk (Der General gehörte bis zum Putschversuch dem Obersten Militärrat an und soll der Anführer der Putschisten sein) weitere hohe Militärsoldaten, die den Putsch organisiert haben sollen, von Erdogan- Anhängern vorgeführt und verhöhnt werden.

Was mit ihnen geschieht, ist völlig unklar. Im Video stehen die Rebellen in einer Reihe, ihre Gesichter zeigen Blessuren und sind blutverschmiert. Ihre Miene ist ernst und sie wirken äußerst verängstigt und müde. Das Video ist für Deutschland gesperrt.

Erdogan ist noch lange nicht am Ende

Der Erdogan kündigte zudem im Vorgehen gegen seinen Erzfeind, den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen, weitere Verhaftungen an. Es seien zwar bereits zahlreiche Menschen in Gewahrsam genommen worden, "wir sind aber noch nicht am Ende angekommen".

Schade, da hätten wir gerne reingeschaut

Nun hat die Enthüllungsplattform WikiLeaks die türkische Regierung und Erdogan schwer verärgert. WikiLeaks hat interne AKP-Mails und fast 300.000 Dokumente freigeschaltet. In der Türkei wurde der Zugang zu WikiLeaks daraufhin blockiert. Die zuständige Regulierungsbehörde habe "Maßnahmen" gegen die Plattform ergriffen, teilte die staatliche Stelle mit.

Hier noch mal der Verlauf seit Freitag Nacht

Nun brauchen wir nur noch warten wieviele Kritiker Erdogans in den nächsten Wochen und Monaten verschwinden. Die Schauprozesse werden wir ja noch mitbekommen. Erdogan bleibt an der Macht und wird mächtiger denn je.

Ein "Geschenk Gottes" oder hat er es sich sebst gemacht?

Am 16. Juli meldet die "tagesschau" Erdogan bezeichnete den Putschversuch als "Geschenk Gottes". "Er beschleunigt die "Reinigung- Säuberung" unseres Militärs", sagte der türkische Präsident bei einer Pressekonferenz. Und was den Begriff "Säuberung" angeht: das kommt uns irgendwie bekannt vor. Wo habe wir das schonmal gehört?

Gerade tickert es durch den Pressewald, dass Erdogan ca. 2745 Richter entlässt und durch ihm Willige ersetzt. Zudem seien zehn Mitglieder des Hohen Rats der Richter und Staatsanwälte in Ankara vom Dienst entbunden worden, meldete Anadolu. Gegen sie liefen Ermittlungen hieß es zur Begründung.

Als Zyniker würde ich jetzt sagen, die Säuberungswelle wurde deutlich besser als der Putsch vorbereitet. Und nun müssen wir nur noch warten bis sich die ersten für schuldig erklären. Dafür werden Erdogans Folterknechte schon sorgen.

"TAZ"-Korrespondent aus Istanbul am Samstag

"Putschisten dramatisch gescheitert, ALLE solidarisieren sich mit Erdogan. Die Säuberung der Armee ist bereits im gang, die Gülembewegung wird wohl vollständig aus dem Wege geräumt." Erdogan kann sich jetzt als "Befreier des Volkes" feiern und mit Gegnern wie Kritikern kurzen Prozess machen. Das kennen wir doch. Die AKP–Anhänger in der Türkei hatten in Rekordzeit Anti-Putsch-Plakate aus dem Hut gezaubert.

Gerüchte, dass Erdogan den Putsch selbst inszeniert hat

Die "FAZ" schreibt: "Immer wieder hört man Menschen darüber diskutieren, dass die Bilder von den Demonstranten, die auf Panzer klettern zu perfekt inszeniert wirken, dass Staatspräsident Erdogan, der von einem sicheren Ort aus das Volk zum Marsch auf die Straßen aufruft, zu gut vorbereitet wirkt. „Das ist doch alles geplant, und morgen ist der Putsch dann vorbei und er führt das Präsidialsystem ein“.

"Es machen Fotos aus verschiedenen Landesteilen den Umlauf, auf denen zu sehen ist, wie junge Soldaten von Demonstranten überwältigt und verprügelt werden".

Übungen die als Putsch inszeniert wurden?

Die Soldaten, die wegen der Teilnahme an dem Putschversuch in der Türkei festgenommen wurden, sagten beim Verhör, dass sie alle Geschehnisse zuerst als planmäßige Übungen betrachtet hätten, berichtet die Zeitung „Hurriyet“. Diese Gruppe wurde am Atatürk-Flughafen verhaftet. Die zehn Offiziere und 67 Soldaten wurden von einem Oberst angeführt.

Beim Verhör sagten die Verhafteten, dass sie alles wie eine Übung betrachtet hätten. „Erst als die Leute auf die Panzer stiegen, haben wir alles begriffen“, zitiert die Zeitung einen Soldaten. Den Soldaten zufolge hatte ihr Oberst ihnen den Rückzug befohlen als die Polizei kam. Die Soldaten ergeben sich schnell, sind zudem fast alle Wehrpflichtige.

Einige werden zitiert und sagen: "Wir haben nur über unsere Handys erfahren, dass wir an einem Putsch teilnehmen". Ein Panzerfahrer wird aus einem Wagen geholt, der immer wieder zum Mob ruft: "Ich bin ein Türke, ich bin ein Türke." Auch ein Mitarbeiter des Senders CNN Türk, der vorübergehend von den "Putschisten" besetzt wurde sagte aus, bei den Soldaten habe es sich überwiegend um junge Männer gehandelt und die hatten Angst.

Erdogans Anhänger skandieren "Wir wollen die Todesstrafe"

"Sie zitterten. Sie sagten, sie befolgten lediglich Befehle." Die nach Griechenland geflüchteten Soldaten sagten aus, das sie nichts von einem Putsch wussten, sie seien für Krankentransporte unterwegs gewesen. Also nichts mit Putsch. Wie man mit 6 Flugzeugen und ein paar Panzern, die zudem noch zu einer Übung fahren einen Staatsstreich machen will, bleibt ein Geheimniss von Erdogan.

Der zentrale Taksim-Platz war zunächst von einer größeren Gruppe Soldaten abgeriegelt, doch schon zwei Stunden später waren die meisten Kräfte verschwunden. Gegen zwei Uhr nachts stand nur noch ein Häuflein von höchstens zwanzig Soldaten an der Atatürk-Statue, umringt von mehreren Hundert Erdogan Anhängern.

Die jungen Wehrpflichtigen umklammerten ihre Maschinenpistolen, man sah ihnen die Verunsicherung an, sie hatten Angst. Sehen so "Putschisten" aus? In den Medien hieß es, sie hätten strategisch wichtige Stellen besetzt. Auch dem war nicht so.

Die Erdogan-Show

Sehr merkwürdig war, dass Erdogan, obwohl angeblich die Luftwaffe in der Hand der "Putschisten"wäre ankündigte, dass er nach Istanbul fliege, wo er schon erwartet wurde. Er hatte und brauchte wohl keine Angst zu haben, dass er abgeschossen würde. Warum auch, kein Putsch, keine Bedrohung. Aber die Erdogan-Show war noch nicht zu Ende. Vor dem VIP-Gebäude des Flughafens stand ein Wahlkampfbus mit Rednertribüne für Erdogan bereit – man konnte fast annehmen, dass es sich um einen lange geplanten Auftritt handelte.

Sein Hotel wurde erst mit einem Bömbchen attakiert, wo er sich schon längst in Istanbul feiern ließ, genau so wie das Parlament in Ankara. Die Flieger hatten wohl klare Anweisungen erst zu bombadieren, wenn alles im Sinn von Erdogan gelaufen ist.

Es wurde aber noch besser: Nicht die angeblichen"Putschisten" teilten dem Volk ihre Machtergreifung mit, NÖ. Das machte der Ministerpräsident Yildrim in jener Nacht höchstpersöhnlich im Nachrichtensender NTV. Das ist schon sehr lustig. Die "Putschisten" überlassen die Verkündung denen, die gestürzt werden sollen. Nach dem Motto: Schaut liebes Volk, da gibt es "Putschisten" die wollen uns stürzen und wir sagen euch das schon mal.

Erdogan will uns nun auf den Arm nehmen

Die regierungsnahen Zeitungen "Star" und "Yeni Safak" (unter der Kontrolle von Erdogan) liefern eine Erklärung für die vielen Ungereimtheiten dieser bemerkenswerten Putschnacht, weil es doch tatsächlich Leute wie uns gibt, die ihm kein Wort glauben.

Demnach wurden die Putschpläne verraten. Die Putschisten hätten dies mitbekommen und hätten aus Panik ihre Aktion vorgezogen, anstatt wie geplant und bei Militärinterventionen üblich in den frühen Morgenstunden loszulegen. Und möglicherweise wurde die Staatsführung nicht erst wenige Stunden vor Beginn der Aktion davon unterrichtet, wie "Star" schreibt, sondern Tage oder gar Wochen vorher.

Dann hätte sie alle Zeit gehabt, sich vorzubereiten und die Putschpläne zu sabotieren schreibt "Welt-Online" am Sonntag Abend. Wir sagen Erdogan, du bist ein Mörder, und wir werden es beweisen.

Gut "getürkt" ist schon gewonnen

Erstaunlich finden wir, dass sich die gesamte EU, Deutschland, Amerika und auch Russland hinter Erdogan stellen. Und alle sagen sie, dass Erdogan demokratisch gewählt wurde. Das ist richtig. Er und die AKP sind demokratisch legitimiert. Das waren Hitler und die NSDAP am Anfang auch.

"Gott sei Dank habe die Demokratie gesiegt" heißt es überall. Den Versuch von Teilen der türkischen Armee, den gewählten Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu entmachten, verurteilte Angel Merkel  "auf das schärfste". Merkel „Wir sind auf der Seite der demokratischen Kräfte.

Ja, es gab einen Putsch - Erdogans Putsch gegen die Demokratie

Erdogan lieferte unter den Augen der gesamten Weltöffentlichkeit ein Theater-Schauspiel unter seiner Regie ab und läßt sich von seinen Anhängern und den "Demokratischen-Kräften" (Merkel) dafür feiern. Was für ein Husarenstück.

Vermutlich wird keines von Erdogans Verbrechen von Freitag Nacht gesühnt. Die Richter gibt es ohnehin nicht mehr. Skrupellos wird Erdoğan jetzt die letzten Widerstände gegen sein Regime ausschalten. Erdogans Umwandlung der Türkei in einen islamistischen Staat kann niemand mehr aufhalten.

 

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Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Direktor der Gesellschaft Freunde der Künste und Redaktionsleiter der GFDK.

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