20.10.2012 08:35 richtig und falsch

Was ist Moral - Kommentar von Stefanie Tendler - Wer vermag das Richtige richtig und das Falsche falsch zu definieren?

Ist es für den einzelnen überhaupt möglich sein eignes richtig zu finden, oder ist der äußere Einfluss des gesellschaftlichen Werte-Leitfadens und den auferlegten Moralvorstellungen so mächtig, dass man einen permanenten innerlichen Konflikt ausfechten müsste, wenn man sich diesem widersetzen woll

(c) Stefanie Tendler

Von: GFDK - Stefanie Tendler Profil bei Google+

Wie die Sonne von einem Tierzeichen zum anderen zieht, wechselt die Menschheit von einem Massenwahn zum anderen. Welchen Stellenwert erhalten im Rahmen dieser These die beiden Wertungen richtig und falsch? Wer vermag das richtige Richtig und das falsche Falsch zu definieren?

Bereits im Althochdeutschen des 11. Jahrhunderts existierte das uns heute als „richtig“ bekannte Adjektiv in Form von „rihtig“, hatte allerdings ursprünglich die Bedeutung von „gerade, nach der Richtschnur ausgerichtet“ und nimmt auf richten Bezug, nicht aber unmittelbar auf recht. Im heutigen Sprachgebrauch wird richtig als das Gegenwort von falsch verwendet. Eine Handlung wird als falsch bewertet, wenn sie einer gegebenen Moral zufolge abzulehnen ist. In diesem Sinne ist „falsch“ ein Synonym für „böse“ oder „schlecht“.

Was ist Moral und wie berührt sie uns in unserem alltäglichen Leben? In deskriptiver Verwendung beschreibt „Moral“ eine leitende Handlungsregelung, die auf Erfahrungen, Wertvorstellungen bzw. Tugenden basieren, die unsere Menschheit im Laufe ihres Daseins gewonnen hat. Sie soll Orientierung geben und gibt Normen vor, anhand derer Menschen ihr Handeln ausrichten und bewerten können, und soll ihnen dabei helfen, schnell über „richtig oder falsch“ zu entscheiden.  

Wird das Leben in der Gemeinschaft durch dieses Sammelsurium an Verhaltensregeln, die im Umgang mit dem Seinesgleichen angewendet werden sollen ein Leichteres? Der Mensch urteilt und handelt keineswegs auf Grund seiner eigenen Wirklichkeit, sondern nach dem, was er für die Wirklichkeit hält. Nur im Bereich unmittelbarer Anschauung decken sich Schein und Sein allenfalls noch weitgehend. Kann der ein Mensch demzufolge in seinem Leben an den Punkt angelangen, an dem er sein richtig oder sein falsch greifen kann?

Ist es für den einzelnen überhaupt möglich sein eignes richtig zu finden, oder ist der äußere Einfluss des gesellschaftlichen Werte-Leitfadens und den auferlegten Moralvorstellungen so mächtig, dass man einen permanenten innerlichen Konflikt ausfechten müsste, wenn man sich diesem widersetzen wollte. Ferner werden dem moralischen Ausreißer seine Grenzen aufgezeigt und er wird durch seinen innerlichen Wertekodex gebändigt und in Ketten gelegt, da er dem Druck des auferlegten „richtigs“ nicht standhalten oder gar mit seinem Gewissen ausmachen könnte.  

Das Gewissen wird im Allgemeinen als eine besondere Instant im menschlichen Bewusstsein angesehen, die sagt, wie man urteilen soll. Es drängt, aus ethischen bzw. moralischen und intuitiven Gründen bestimmte Handlungen auszuführen oder zu unterlassen. Entscheidungen können als unausweichlich empfunden oder mehr oder weniger bewusst- im Wissen um ihre Voraussetzungen und denkbaren Folgen getroffen werden. Das einzelne Gewissen wird meist als von Normen der Gesellschaft und auch von individuellen sittlichen Einstellungen der Person abhängig angesehen.

Ohne eine ethische Orientierung bleibt das Gewissen „leer“, „ohne Verantwortung ist das Gewissen blind“.   Üblicherweise fühlt man sich gut, wenn man nach seinem Gewissen handelt; das ist dann ein gutesoder reines Gewissen. Handelt jemand entgegen seinem Gewissen, so hat er ein subjektiv schlechtes Gefühl; ein schlechtes, nagendes Gewissen oder Gewissensbisse.  

Das Strukturmodell der Psyche nach Sigmund Freud beruht auf der Unterscheidung von Es, Ich und Über-Ich. Seiner Vorstellung nach wird das unbewusst-triebhafte Es in seinen Äußerungen durch das Über-Ich hemmend kontrolliert. Dabei wird das Über-Ich verstanden als Introjekt, also Verinnerlichung der elterlichen und gesellschaftlichen Autorität, wodurch sich das Gewissen herausbildet. Es veranlasst das Kind, gesellschaftlich übliche oder erwartete Verhaltensweisen und Erwartungen einzuhalten.

Das reife Ich, die individuelle Persönlichkeit mit ihren aus Erfahrung gewonnenen bewussten Wertsetzungen, bildet sich in der Auseinandersetzung des Menschen mit seiner gesellschaftlichen Umwelt und durch Überwindung der Anforderungen des Über-Ichs. Niklas Luhmann interpretiert das Gewissen als eine Funktion im Dienste der Identitätsbildung:

Die Möglichkeiten, die ein Mensch hat, sich zur Welt zu verhalten, sind weit größer als die Fähigkeit, sie (alle auf einmal) zu realisieren. Ich kann ein Schurke sein, ein Heiliger, ein Feigling, ein Held – aber nicht alles auf einmal. Der Mensch wählt bestimmte Optionen und schlägt andere aus und bildet so eine Persönlichkeit aus, d.h. er wird zu einer selektierenden Struktur, die typischerweise so und nicht anders handelt.“  

Jedes Leben wird durch die äußeren Einflüsse und Erkenntnisse unserer Menschheit unterjocht und jeder einzelne von uns vermag vielleicht für kurze Zeit vor ihnen die Flucht ergreifen zu wollen, dennoch leben wir mit dem richtigen richtig und dem falschen falsch unserer an Erfahrungen reichen Vorlebnern.

Bangkok/Berlin - Mit dem gereiften Blick einer Wiederkehrenden fallen Stefanie Tendler Ähnlichkeiten auf

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