24.01.2017 09:45 der große wandel

USA überrollen Europa - ist der Kunstmarkt verloren?

Die Royal Academy im Burlington House

Royal Academy of Arts, Photograph by Mike Peel (www.mikepeel.net)., CC-BY-SA 4.0

Von: GFDK - Nowak Herwig

In London geht in diesen Tagen eine Ausstellung zu Ende, die ein kunsthistorisches Ereignis ersten Ranges zum Inhalt hat. Unter der Bezeichnung" Abstrakt Expressionism" stellt die Royal Academy of Arts die Ablösung der Vormachtstellung Europas auf dem Kunstmarkt durch die Vereinigten Staaten von Amerika bildhaft dar, ein Ereignis, das hierzulande eher kleingeredet und nicht mit der Bedeutung bewertet wird, die ihm tatsächlich zukommt.

Paradigmenwechsel auf dem Kunstmarkt

Wir sprechen über die Zeit von etwa 1935 bis 1970. Dabei mag man zwei Gründe für diesen Paradigmenwechsel anführen: zunächst ist es die Zuflucht bedeutender Künstler aus Europa, namentlich aus Deutschland, vor nazistischer Verfolgung und Unfreiheit, die an der amerikanischen Ostküste eine neue freie Arbeitsgrundlage suchten und grösstenteils auch fanden.

Und natürlich eine eigene "Kunstsprache" mitbrachten. Dann aber war in Amerika selbst eine neue, junge Generation von Künstlern herangewachsen, die selbstbewusst genug war, künstlerisch nicht mehr nach Europa zu schielen.

Die Ausstellung nennt als Abstrakte Expressionisten Mark Rothko, Jackson Pollock, Clyford Still, Willem van Kooning, Barnett Newman, Arshile Gorky und andere. Das Land war klug genug, diese Entwicklung zu unterstützen. Es richtete das "Federal Art Projekt" ein, dass die Arbeit der Künstler organisatorisch und finanziell förderte.

Nun ist es schwer, mit dem Begriff Abstrakte Expressionisten eine einheitliche künstlerische Sprache zu verbinden. Eigentlich gelingt das nicht. Die Künstler blieben Individualisten. Dennoch muss die Kunst ausnahmslos als hoch-expressiv bezeichnet werden durch die Spannung, die die Bildkompositionen aufbauen, durch die Farbauswahl und die Farbkompositionen, vielleicht sogar durch die Grösse, deren sich die Bilder befleissigen, jedenfalls aber - um es nochmals zu sagen - durch die Individualität und Subjektivität ihrer Aussage.

Das ist auch der Grund dafür, dass hier von einer Nennung, Beschreibung und Bewertung einzelner Bilder bewusst Abstand genommen wird. Sie würde den vorgegebenen Rahmen sprengen. Aber der Besuch der Ausstellung ist keine leichte Kost, sondern geistige (und körperliche) Anstrengung.

Halten wir aber fest, dass damals mit dem Auftritt Amerikas auf dem Internationalen Kunstmarkt eine neue kunsthistorische Zeitepoche angebrochen ist. Wir sollten nicht bedauern, dass sie heute fortdauert.

Herwig Nowak

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