21.01.2013 09:27 Qualität nicht mehr gesichert

Theaterleiden - Prof. Dr. Sebastian Nordmann - Der Intendant des Konzerthauses Berlin schaut mit Sorgen nach Rostock

Prof. Dr. Sebastian Nordmann

Prof. Dr. Sebastian Nordmann Foto: Katja Renner

Von: GFDK - Prof. Dr. Sebastian Nordmann

„Mit Sorgen schaue ich aus Berlin auf die unsichere Zukunft des Volkstheaters und der Norddeutschen Philharmonie Rostock. Wie kann es sein, dass eine Stadt mit 200.000 Einwohner, dem kulturellen Erbe einer Hansestadt und einem über Jahrhunderte gewachsenem bürgerlichen Musikleben über Kürzungen diskutiert und damit die Zukunft dieser Institution infrage stellt.

 Zu meiner Zeit als Intendant der Festspiele MV habe ich das Orchester viele Jahre zum Sommerfestival eingeladen, nicht nur weil es als großes A-Orchester ein breites Repertoire beherrscht, sondern weil es sich durch eine hohe Qualität auszeichnet. Durch Kürzungen wäre diese Qualität nicht mehr gesichert und damit eine konkurrenzfähige Zukunft zweifelhaft.

Gerade das Tourismusland MV darf auf die kulturellen Leuchttürme nicht verzichten. Vor allem in der Nebensaison kann der Tourismus auf das ausgeprägte Kulturleben nicht verzichten. Nur auf „kalte Mauern“ der Hansestadt zu bauen, erscheint dabei als sehr riskant. Berlin hat dies als Stadt längst erkannt: ohne das kulturelle Angebot der Opern, Konzerthäuser und Museen würden die Tourismuszahlen nicht beständig steigen. Dementsprechend wächst trotz der klammen Haushaltslage der Kulturetat Berlins jährlich an. Auch für die Stadt Rostock wäre eine Umwegrentabilitätsrechnung sinnvoll. Ich bin mir sicher, dass jeder in die Kultur investierte Euro durch die Steuern der Hotels, Restaurants oder Tankstellen doppelt an die Stadt wieder zurückfließt.

Ebenso ist es erwiesen, dass sich Fachkräfte für einen Standort entscheiden, an dem eine gewissen kulturelle „Grundversorgung“ gewährleistet ist. Dazu gehört selbstverständlich auch ein Theater. Auch für die Studenten der HMT Rostock stellt das Volkstheater und sein Orchester einen entscheidenden Kooperationspartner dar.  Die Studenten nehmen bei den Orchestermusikern Unterricht und können als Praktikanten und Aushilfsmusiker wichtige Erfahrung in einem Orchester sammeln.  

Egal ob Tourist, kulturinteressierter Bürger, Festspielbesucher oder Student: auf das Volkstheater darf nicht verzichtet werden!“

Prof. Dr. Sebastian Nordmann

Intendant Konzerthaus Berlin

Prof. Dr. Sebastian Nordmann, geboren 1971 in Kiel, studierte Musikwissenschaften und Neuere Geschichte, zunächst an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, später dann an der Freien Universität Berlin und der Technischen Universität Berlin. Im direkten Anschluss an seinen Magister promovierte er bei Prof. Dr. Christian Martin Schmidt über das Thema „Der Einfluss des Schleswig-Holstein Musik Festivals auf die Musiklandschaft Schleswig-Holstein“. Während seines Studiums sammelte Sebastian Nordmann praktische Erfahrungen im Kulturbereich beim Edinburgh Festival, der Kulturabteilung der Bayer AG, als Orchestermanager des Landesjugendorchesters Schleswig-Holstein und als Intendanzassistent bei den Festspielen Mecklenburg- Vorpommern. Im Anschluss an die Promotion arbeitete er für zwei Jahre bei der strategischen Unternehmensberatung The Boston Consulting Group in Berlin. Von Oktober 2002 bis Dezember 2008 war er Intendant und Geschäftsführer der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Im Juli 2008 wurde Sebastian Nordmann zum Professor für das Fach Musikmanagement/Karriereplanung an der Hochschule für Musik und Theater Rostock ernannt. In dem Fach geht es um die Entwicklung von Eigeninitiative, Kreativität, Selbsteinschätzung und unternehmerischem Denken der Studenten.

Seit September 2009 ist Sebastian Nordmann Intendant des Konzerthauses Berlin und des Konzerthausorchesters Berlin.