17.07.2014 09:45 rückschlag für berlin

Sterben mit Stil in Berlin - Tod der Berliner Fashion Week eine Frage der Zeit?

Messechef Karl-Heinz Mueller brand and butter

"Barcelona is our second hometown - it feels like we never left." Messechef Karl-Heinz Müller (Mitte) hat die Rückkehr der BREAD & BUTTER nach Barcelona angekündigt (c) breadandbutter

Von: Redaktion GFDK

Der Modezirkus auf Wanderschaft. Düsseldorf, Köln, Berlin, Barcelona. Als die Bread & Butter Köln verließ und nach Berlin ging war die Landeshauptstadt ein wenig geschockt, nun erwischt es auch Berlin. Die Messegesellschaft Igedo aus Düsseldorf hatte bis vor wenigen Jahren die größte Modemesse der Welt veranstaltet bevor es immer weiter abwärts ging und die Bread & Butter sich für Berlin entschieden hat.

Karl-Heinz Müller sagte seinerzeit. Er hätte 2003 mit der Bread & Butter nach Düsseldorf gehen können, das Angebot der Igedo sei da gewesen. "Aber Düsseldorf ist keine urbane Stadt: Eigentlich ist Düsseldorf Provinz." Das haben die Düsseldorfer von dem Kölner nicht gerne gehört.

Die Großen Namen sind schon lange weg, Berlin auf dem absteigenden Ast?

Hugo Boss ist schon weg und zeigt seine Mode in New York. Rena Lange ist auch schon lange weg. Escada wird auch nicht mehr kommen. Die Berliner Modehoffnung Achtland ist nach London ausgewandert. Wolfgang Joops "Wunderkind" hat auch den Geist aufgegeben.

600 bis 800 Modedesigner sollen in der Stadt mit den erschreckend schlecht gekleideten Einwohnern ihren Sitz haben. Aber Berlin ist nicht mehr cool, nicht mehr hip. Berlin ist angepasst und out schrieb kürzlich das amerikanische Musikmagazin «Rolling Stone». Das war ein Schock für die Berliner Hauptstadt, die doch Wert darauf legt, etwas besonderes zu sein. Der Abstieg des Berghains stehe aus Sicht der Musik- und Kulturszene symbolisch für die ganze Stadt, schrieben andere US-Medien.

Schreckensmeldungen gab es schon viele für die Berliner, jetzt kommt noch eine hinzu: Letzte Woche wurde bekannt, dass die Streetstyle-Messe Bread & Butter künftig nur noch im Sommer nach Berlin kommen wird, zum Messetermin im Winter schlägt sie ihre Zelte in Barcelona auf. Ist das der schleichende Tod der Berliner Fashion Week, fragt man sich nun in Berlin.

Bread & Butter-Chef Karl-Heinz Müller

"In Berlin hat ein ruinöser Wettbewerb begonnen."

Kritiker gibt es viele, Skeptiker auch, Schwarzseher ohnehin, die in dieser Woche die Fashion Week besuchen.

Zweimal im Jahr schaut die Modebranche auf Paris, New York, London und Mailand. Seit Jahren will auch Berlin mit seiner Fashion Week dazugehören.

Herber Rückschlag für den Modestandort Berlin: Die Bread & Butter, weltweit eine der wichtigsten Messen für Alltagsmode, will ihre Präsenz in der Bundeshauptstadt halbieren. Vom kommenden Jahr an soll die Veranstaltung nur noch im Sommer in Berlin stattfinden, im Winter geht die Messe nach Barcelona. Das kündigte Messechef Karl-Heinz Müller am Dienstagabend bei der Eröffnung des diesjährigen Sommerevents an.

Karl-Heinz Müller ist sauer auf Berlin

Gründe für die Entscheidung nannte Müller zunächst nicht. Wie man hört soll es aber eine Auseinandersetzung unter dem Berliner Senat und den Machern der Bread & Butter geben. Die Veranstalter sind sauer wie man in Berlin mit ihrer Messe umgeht. Deren Chef, Karl-Heinz Müller soll schon länger sehr unzufrieden mit dem Standort Berlin sein. Öffentlich hat er schon mehrfach seinem Ärger Luft gemacht.

Ersmals hat der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit an dem Eröffnungsrundgang der Modemesse nicht teilgenommen, und das heißt schon was. Als offizielle Begründung gab Wowereits Sprecher Richard Meng Terminschwierigkeiten und die Senatssitzung am Dienstag an. Wer's glaubt wird selig.

Schon im vergangenem Jahr hat Müller in einem Brandbrief die Branche darauf hingewiesen, dass in Berlin eine Goldgräberstimmung herrsche. Jedermann könne in Berlin eine Halle mieten und eine neue Mode-Messe machen. Sogar die ungeliebten Düsseldorfer mit ihrer Messegesellschaft Igedo schlagen nun in Berlin auf, und der Bread & Butter auf den Magen.

In einer verteilten Messezeitung schrieb Müller: „Der Wunsch nach einem echten Wechsel liegt in der Luft, ich kann es riechen.“

Für die Hauptstadt ist der Umzug ein schwerer wirtschaftlicher Schlag. 500 Modemarken bringt die Bread & Butter jedes Mal nach Berlin, gemeinsam mit tausenden Fachgästen.

Aber die Berliner können sich trösten: Die Frankfurter Rundschau schrieb: "Billiges Bier rund um die Uhr und offener Cannabis- und Ecstasyverkauf in den Clubs locken die Partygeneration. So unbehelligt von der Polizei wie in Berlin können junge Menschen sich sonst kaum austoben".