13.04.2015 09:20 fiktion vs. realität

Schriftsteller Martin Suter: Machteliten und Journalismus sind käuflich

Schriftsteller Martin Suter

Martin Suter auf der Frankfurter Buchmesse 2012, Quelle: Wikipedia/ Hochgeladen von Lesekreis

Von: GFDK - neues deutschland

In seinem neuen Roman "Montecristo" lässt Martin Suter seinen Helden - einen Journalisten - eine Verschwörung im Finanzwesen der Schweiz aufdecken. Die Geschichte sei zwar fiktiv, er gehe aber davon aus, dass die Realität in vielen Fällen die Fiktion übertreffe, erklärt der Schweizer Schriftsteller im Interview mit der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "neues deutschland" (Freitagausgabe).

Korrupt "im Sinne von Guatemala" sei die politische und wirtschaftliche Elite in seinem Heimatland sicher nicht, so Suter weiter. "Aber man kann ja auch in anderer Form korrumpiert werden, in jeder Branche, das ist keine schweizerische Exklusivität. Ich glaube, dass Macht korrumpiert und dass die Inhaber der Macht entsprechend anfällig dafür sind." Als Beispiel führt Martin Suter das Verhalten der Schweizer Bank HSBC an. Diese habe gezielt afrikanischen Diktatoren die Möglichkeit eröffnet, ihr durch kriminelle Machenschaften geraubtes Geld in die Schweiz zu transferieren. "Die Bank hat diese Geldströme gezielt gesucht."

Medienkrise und Konzentration in Verlagsbranche

Käuflich sei in gewissem Sinne auch der Journalismus, kritisiert der Schriftsteller. Durch die Medienkrise und die Konzentration im Verlagssektor sei es in der Schweiz wie auch in Deutschland zu einer Verknappung der Angebotsvielfalt gekommen. "Das macht jeden Journalisten viel abhängiger. Dazu kommt die Klickmanie, also dass man anfängt, Themen und Berichte nach den Kriterien möglicher Klicks auszuwählen."

neues deutschland Redaktion