03.01.2016 16:20 Der saudi-arabische König Abdullah ist tot

Saudi-Arabiens Despot ist tot - das Blutgeld wird weiter fließen

King Abdullah bin Abdul al-Saud

Der Despot ist tot, es lebe der Despot. Die Köpfe können weiter rollen. Quelle: „King Abdullah bin Abdul al-Saud Jan2007“ von Cherie A. Thurlby - dodmedia.osd.mil. / Wikimedia Commons

Von: Rainer Kahni und Gottfried Böhmer

Aus aktuellem Anlass - Eine Massenhinrichtung politischer Gefangener in Saudi-Arabien hat international Entsetzen ausgelöst. Das ist natürlich alles nur Bla Bla Bla. Wir machen weiter Geschäfte mit den Mord-Saudis, und die US-Freunde halten ihre schützende Hand über sie.

Am 24. Januar 2015 haben wir geschrieben:

Der saudi-arabische König Abdullah ist tot. Oder sollten wir besser sagen, der Herrscher der Wahhabiten ist tot. Nun sind wir alle gespannt, welche Staatsmänner dieser Welt diesem Unterstützer der Salafisten, der militanten Islamisten, der ISIS, der Al - Quaïda, des islamistischen Terrors in der ganzen Welt die letzte "Ehre" erweisen. Er hatte ja viel Öl und noch mehr Milliarden.

Barbarische Strafen und brutale Justiz

Da kann man schon mal grosszügig darüber hinweg sehen, dass er König eines Landes ist, das die Menschenrechte mit Füssen tritt, dass an jedem Freitag auf den öffentlichen Plätzen seines Landes Menschen geköpft, gehängt, gesteinigt, ausgepeitscht und zur Schau gestellt werden.

Saudi-Arabien und "Islamische Staat" verfolgen die gleiche Ideologie

Erst im Januar 2015 wurde in Saudi-Arabien einer Frau mit drei Schwerthieben den Kopf abschlagen. In einer Rede im Staatsfernsehen übertragenen Ansprache kündigte sein Nachfolger das Festhalten am bisherigen Kurs an. Köpfe werden also weiter rollen.

Doch die Staatsoberhäupter dieser Welt werden um den König trauern, sie werden auch seinem Nachfolger wieder den roten Teppich ausbreiten und Orden um dessen schmutzigen Hals hängen, wenn er wieder einmal zum Staatsbesuch bei uns eintrifft. Er wird wieder Geschäfte aller Art mit uns treiben und unsere maroden Staatsanleihen mit seinem Geld finanzieren. Es ist das Blutgeld der Despoten.

Unerträgliche Heuchelei der westlichen Staatsführer

US-Präsident Barack Obama würdigte den verstorbenen Monarchen als "aufrichtigen" Staatsführer, der besonders bei seinem Einsatz für einen Frieden im Nahen Osten "Mut" bewiesen habe. „Die Nähe und Stärke der Partnerschaft zwischen unseren zwei Ländern ist Teil von König Abdullahs Vermächtnis“, sagte Obama in Washington.

Im eigenen Land habe er sich für die Bildung der Menschen eingesetzt, sagte allen ernstes Obama. Ihn persönlich habe eine "aufrichtige Freundschaft" mit König Abdullah verbunden, erklärte Obama. "Er habe an die Wichtigkeit der amerikanisch-saudischen Beziehungen als Kraft für Stabilität und Sicherheit im Nahen Osten und darüber hinaus geglaubt. Der republikanische Senator John McCain würdigte Abdullah als "wichtige Reformstimme in Saudi-Arabien".

Frankreichs Staatschef François Hollande lobte Abdullahs "Vision eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten". Das Problem sei aktueller denn je, hiess es in einer vom Elysée-Palast verbreiteten Erklärung. Darin sprach Hollande dem saudi-arabischen Volk sein Mitgefühl aus und betonte die enge Freundschaft zwischen beiden Ländern.

Abdallah habe sich "mit Klugheit, Weitsicht und großem persönlichen Einsatz" für eine behutsame Modernisierung seines Landes und den Dialog der islamischen Welt mit dem Westen eingesetzt, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wie das Bundespresseamt mitteilte, sprach Merkel in einem Kondolenztelegramm dem neuen König Salman ibn Abdelasis ihr "tief empfundenes Mitgefühl" aus. So so, tief empfundenes Mitgefühl für Männer, die Frauen die Köpfe abhacken.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagt: "Unter seiner Führung in verschiedenen hochrangigen Regierungsämtern hat das Königreich Saudi-Arabien bemerkenswerten Fortschritt und Reichtum für seine Bürger erzielt."

Israels Präsident Reuven Rivlin hat Abdullah als "Musterbeispiel eines geerdeten, umsichtigen und verantwortungsvollen Führers mit einer tiefen religiösen Tradition" gewürdigt. Als "Hüter" der heiligen Stätten Mekka und Medina habe Abdullah um die sensible Lage in Jerusalem gewusst und eine Vermittlerrolle eingenommen, schrieb Rivlin in einer Mitteilung. Seine kluge Politik habe zur Stabilität im Nahen Osten beigetragen.

Und die "WELT-Online" titelt - Der Westen verliert seinen Stabilitätsanker

Nun gut, von der "WELT" haben wir nichts anderes erwartet. Gott sei dank haben Angela Merkel und unser Bundesgrüssguckler noch keine Unterwürfigkeits-Bekundungen und Loblieder von sich gegeben. Wobei, Joachim Gauck würden wir das zutrauen.

Schlauerweise wollten weder Gauck noch Merkel zu der Trauerfeier anreisen. Das hätte dann doch viele Deutsche erzürnt. Die Spitzen der deutschen Politik zogen sich elegant aus der Affäre und Pegida hätte ein neues Thema gehabt. Stattdessen wurde der ausrangierte Ex-Bundespräsident Christian Wulff auf Bitten von Frau Merkel nach Riad entsendet (Der Islam gehört zu Deutschland). Joachim Gauck feiert seinen 75 Geburtstag, Angela Merkel ist angeblich krank, und Steinmeier sei zu Besuch in Algerien. Wir sagen mal - GUT SO.

Und nicht vergessen - Proteste von Schiiten wurden niedergeschlagen und totgeschwiegen. Frauen, die sich dem Fahrverbot in Saudi Arabien widersetzten werden hohe und böse Strafen angedroht.

Barack Obama schweigt

Nachtrag: Der neue Herrscher Saudi Arabiens, König Salman, hat in weniger als einer Woche seit Machtantritt, vier Menschen in Saudi Arabien mit dem Schwert hinrichten lassen. US-Präsident Barack Obama, der zum Zeitpunkt der Hinrichtungen auf Staatsbesuch in Riad weilte, schwieg zu den Enthauptungen. Man sei in Riad, um dem verstorbenen König Abdullah Respekt zu zollen und die weitere Zusammenarbeit zu besprechen, so ein Vertreter der US-Regierung.

Kritik kam einzig und allein von Amnesty International. Viele Staaten hätten Saudi-Arabien "protegiert", obwohl dessen Regierung "in Menschenrechtsfragen gefühllos" sei, erklärten sie.

 

Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, ist Journalist und Autor von Polit - und Justizthrillern. Er ist am Bodensee aufgewachsen, lebt jedoch seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza. Seine Muttersprache ist deutsch, seine Umgangssprache ist französisch. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières und berichtet für Print - Radio - und TV - Medien aus Krisengebieten.

Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Direktor der Gesellschaft Freunde der Künste und Redaktionsleiter der GFDK.

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