21.09.2017 12:33 Die hightlights von Münster

Münster Stadt der Skulpturen - Eine Stadt lebt mit der Kunst

Nicole Eisenman Sketch for a Fountain  Skulptur Projekte Muenster 2017

Nicole Eisenman: Sketch for a Fountain / Skulptur Projekte Münster 2017. Münster. Foto: Henning Rogge

Von: GFDK - Herwig Nowak

Ohne Frage: Münster ist mit den diesjährigen „Skulptur Projekten“ ein grosser Wurf gelungen. Sie erhöhen seine Wertigkeit als Stadt durch die Visualisierung von Kunst. Ein Gewinn für die eine wie für die andere. Wer die ansonsten eher betulich-konservative Stadt in diesen Wochen - vielleicht gerade an den Wochenenden - erlebt, wird geradezu mitgerissen von dem Skulpturenbetrieb.

Das ist Kunst, kann nicht weg

Überall touristische Gruppen und Einzelreisende, die den skulpturalen Offenbarungen der Stadt auf der Spur sind, oft suchend, wenn nicht geführt, findend und wissend bei sachgerechter Führung. Und natürlich, wie in Münsterüblich, fahrradfahrend.

Die Stadt lebt in diesen Tagen mit der Kunst: jeder Münsteraner Bürger scheint gewillt, den Fremden an die Hand zu nehmen, um ihm nicht ohne Stolz Stadt und Kunst als Einklang miteinander zu zeigen. Welch ein Wandel zu früheren Zeiten als sich die Bürger seit Beginn der skulpturalen Aufforstung der Stadt im Jahre 1977 noch gegen die Kunst stellten.

Aber der Gesinnungswandel kam, als es gelang, die Stadt durch Kunst aufzuwerten: noch schöner zu machen, wo sie schon schön war, moderner zu machen, wo sie es noch nicht war und nur durch Altes glänzte.

Dabei wird heute skulpturale Kunst durchaus nicht als leichtverdauliche Hausmannskost dargeboten. Schon der Tieflader von Cosima von Bonin und Tom Burr, der vor einem aus Berlin entliehenen Skulptur von Henry Moore aufgefahren ist, um diese wieder mitzunehmen, ist eine witzige Präsentation.

Dem gegenüber von Ludger Gerdes der Schriftzug “Angst“, appliziert von  einer Golffigur und einer Kirche alles in unterschiedlichen lebhaften Farben: drei  wesentliche Charakteristika unserer Zeit, von denen jedes einzelne zum Nachdenken reizt. Dann “Der Stein“, grob bearbeiteter Granit, auf den ersten Blick in dieser Art schon hundert Mal gesehen. Deja vu. Aber er enthält einen Schlitz für Spenden an Flüchtlinge.

Im Zusammenhang mit dem Umfeld, in dem der Stein steht, eine höchst beziehungsreiche Darstellung gegen ein Herz aus Stein. Der Erbdrostenhof ist ein Edelstein in der Architektur der Stadt, geschaffen von Johann Conrad Schlaun.

Nun wird historische Bausubstanz vorderseitig und rückseitig mit einer unfertigen Plastik von Nairy Baghramian konfrontiert. Sie besteht aus polypenartigen Teilstücken, die teils miteinander verbunden sind oder verbunden werden sollen, ansonsten aber lose herumliegen.

Auch das Fertige, das “Gesattelte“, wie hier das Gebäude des Erbdrostenhofs, ist indessen nie fertig. Es gibt immer eine Fortentwicklung. Eine solche Fortentwicklung soll man auch den „Skulptur Projekten“ wünschen, auch sie sind nicht fertig. Aber ein Hightlight sind sie in diesem Jahr allemal.

Herwig Nowak


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