02.06.2015 12:23 des Kaisers neue Kleider

Mord im Namen der Demokratie, der Zivilisierung, der Menschenrechte und des Christentums

Der Aufstieg des Westens

Der vor 500 Jahren beginnende Aufstieg des Westens beruhte nie auf seinen zivilisatorischen Ideen, sondern immer auf der Gnadenlosigkeit seiner Armeen.

Von: GFDK - Jürgen Todenhöfer

LEITET OBAMA "DIE GRÖSSTE TERROR-ORGANISATION DER GESCHICHTE"?

In einer Woche ist Friedens-Nobelpreisträger Barack Obama Deutschlands wichtigster Gast beim G7-Gipfel. Doch Noam Chomsky, weltberühmter jüdisch-amerikanischer Intellektueller, behauptet, Obama leite in Wirklichkeit die größte Terror-Organisation aller Zeiten. Die USA seien ein Schurkenstaat. Stimmt das?

Wie alle Großmächte der Geschichte teilen die USA die Welt in zwei Gruppen ein. In Staaten, die ihre Politik unterstützen und solche, die das nicht tun. Die zweite Gruppe nennen sie „Schurkenstaaten“. Wie kommt es, dass so viele Menschen diese Schurkenstaaten-Strategie nicht durchschauen?

Und dass sie nicht erkennen, dass die USA selbst ein Schurkenstaat sind? Der größte von allen! So Chomsky, einer der wichtigsten und meist zitierten Intellektuellen der Gegenwart. Er ist mit seinen Analysen nicht allein.

Des Kaisers neue Kleider

Der große französische Denker Alexis de Tocqueville sah vor 160 Jahren in den Europäern die "größten Schurken". Doch nach dem 1. Weltkrieg schoben die USA ihre erschöpften europäischen Vorgänger einfach zur Seite, stellten sie in den Schatten.

Mir ist bekannt, dass man das eigentlich nicht sagen darf. Aber einer muss es ja sagen. Wie im Märchen "Des Kaisers neue Kleider". Da war es ein kleiner Junge, der der unterwürfigen Menge, die des Kaisers 'neue Kleider' bewunderte, zurief: "Aber der Kaiser hat ja gar nichts an."

Der vor 500 Jahren beginnende Aufstieg des Westens beruhte nie auf seinen zivilisatorischen Ideen, sondern immer auf der Gnadenlosigkeit seiner Armeen. Meist schoben die westlichen Staatsoberhäupter allerdings edle Motive vor, um sich die Unterstützung ihrer Untertanen zu sichern. Erst erschlugen sie die Menschen anderer Kulturen im Namen des Christentums, dann im Namen der Zivilisierung, dann im Namen der Menschenrechte, dann im Namen der Demokratie.

Macht, Geld und Ruhm

In Wirklichkeit ging es immer nur um Macht, Geld und Ruhm. Nie um Menschenrechte. Bis heute. Aktuelle Beispiele: Afghanistan, Irak, Libyen - Guantanamo, Abu Ghraib, Geheimgefängnisse, Killerdrohnen, NSA-Spionage usw.

Damit ich nicht selbst auf einer „Schurkenliste“ lande, nochmals der historische Hinweis: Die meisten Weltmächte der Geschichte haben mit derartigen "Schurkenlisten" gearbeitet. Sie haben sie nur anders genannt. Und waren selber Schurken. Wer sich ihnen entgegenstellte, wurde dämonisiert und dann mit Gewalt aus dem Weg geräumt. Das war immer so.

Kämpften für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte?

Was die USA von anderen Großmächten der Geschichte unterscheidet, ist dass sie selbst bei den brutalsten Interventionen behaupten, sie handelten zum Wohle der Menschheit und kämpften für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. Im Irak zum Beispiel, den die USA zur Hölle auf Erden machten. Doch sie kämpfen nie für das Wohl der Menschheit. Immer nur für ihr eigenes Wohl.

Das ist die große Lebenslüge der USA. Mit ihr betrügen sie die ganze Welt. Sogar sich selbst. Denn eigentlich ist das amerikanische Volk genauso sympathisch ist wie andere Völker.

Ich bin ein Mensch des Westens. Und liebe vieles an der westlichen Welt. Doch ich weiß, sie wird nur überleben, wenn sie ihrem Bekenntnis zu den Menschenrechten endlich Taten folgen lässt. Wenn sie aufhört, sich immer wieder wie ganz erbärmliche Schurken aufzuführen.

Ja, ich weiß: Die Mächtigen lieben die Wahrheit nicht. Aber sie muss gesagt werden. Egal von wem.

Euer Jürgen Todenhöfer


PS: Das G7 Format stammt noch aus dem Kalten Krieg. Es hat sich mittlerweile überlebt. China, die größte Wirtschaft der Erde, Indien, Russland und Brasilien sind nicht dabei. Stattdessen aber Länder wie Kanada und Italien. Die Vorstellung, hier sitzt die Machtelite der Welt zusammen, wirkt daher etwas überheblich. Der Ausschluss Russlands hat bislang nicht beeindruckt und ist, so Helmut SCHMIDT, "wenig hilfreich". Besser man redet miteiander statt übereinander, zumal wenn es sich um Atommächte handelt.


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