23.05.2016 01:40 Menschen auf Zeit

Meine Begegnung mit Kölns Ausnahmekünstlerin Gila Abutalebi

Gila Abutalebi hat mich an das Menschsein erinnert

Gila Abutalebi hat mich an das Menschsein erinnert und ich bin dankbar dafür. Foto 1 (c) M M Mies: Alle weiteren (c) Bernd Ahrens

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Von: GFDK - Redaktion

Künstler verdienen Lob! Ideenreich in künstlerischer Hinsicht und von dem starken Willen geprägt, sich durchzusetzen, gehen sie ihren Weg, getrieben, besessen, berufen, ohne zu wissen, wo ihr Weg sie hinführt. Dabei halten sie, wenn auch subjektiv, unser aller Geschichte fest...

Die Künstlerin Gila Abutalebi, mit zwei Ausstellungen in Köln vertreten, gehört zu den Ausnahmekünstlerinnen. Vermutlich hat sie bereits Millionen von Buchstaben geschrieben. Sie ist Sprach- und Schriftkünstlerin. „Buchstaben sind die Atome unserer Sprache.“ Abutalebi setzt diese individuell und sehr eigen in Szene, stets mehrschichtig - „Mensch und Zeitgeschehen seien nun mal nicht eindimensional sondern nur mehrdimensional zu betrachten“.

In der Industrie- und Handelskammer zu Köln zeigt sie einen Auszug aus ihrer Serie „In Love with K – K Visuals“. 52 Arbeiten aus ihrer Sammlung von über 200 Werken sind bis Ende Juli zu sehen, ein für mich bemerkenswerter, neuer Einblick in ihre bzw. unsere Welt. In der Innenstadt Kölns ist sie auch im Kunstraum am Römerturm, in der Sankt Apern Straße, mit ihrem neuen Buchstaben, dem „M“ vertreten.

Menschen auf Zeit

Unter dem Titel „M in Process – M Visuals“ fasst sie ihre neuen Werke zusammen. „Sie brauchte nach fünf Jahren Abwechslung vom K, obwohl sie noch nicht am Ende sei...“. Die M Werke widmet sie dem Menschen, insbesondere ihrem Text „Menschen auf Zeit“ - „...Menschen auf Zeit, das sind wir doch alle, was zählt, sind die Momente...“

M wie mystisch, m wie magisch, m wie menschlich, m wie mutig

Während meines Besuches begegne ich einer starken und auch sehr sensiblen Persönlichkeit, einer außerordentlichen Beobachterin, je länger ich mit ihr spreche, desto intensiver werden unsere Gespräche und ich kann mich kaum lösen. M wie mystisch, m wie magisch, m wie menschlich, m wie mutig erlebe ich Abutalebi, tauche ein in ihre Welt der Buchstaben und erkenne mich selbst. Das will sie auch und es gelingt ihr! Vor allem berührt mich ihre Neuheit des „sprechenden Bildes“.

Ein Hightech Rahmen, zunächst unauffällig, rahmt ein mehrdimensionales Werk aus ihrer M Serie, welches mich sehr in den Rausch des entspannten Ostens versetzt und dann streichelt sie ihren Rahmen und löst über Sensor die sprechende Kunst aus.

Ich denke an die Verluste in meinem Leben

Bekannte Frankfurter Komponisten (Noizmakers) haben ihren Text „Menschen auf Zeit“ vertont, mit einer recht passend chilligen Musik, dabei blüht das Gesamtkunstwerk so sehr auf, dass ich mich in Erinnerungen verliere... Menschen auf Zeit, ich denke an die Verluste in meinem Leben, Menschen, die ich viel zu lange nicht mehr kontaktiert habe, Momente, die fast in Vergessenheit geraten sind, .. das Gesamtwerk sensibilisiert mich.

Sie arbeite bewusst auf Plastik und dies ausschließlich, denn Plastik sei ein Symbol unserer unreflektierten Wegwerfgesellschaft, sie arbeite bewusst mit der Transparenz, denn auch dies ist Symbol unserer Zeit, wenn auch die echte Transparenz uns allen (außer Abutalebi, wenn man sie mal begreift!) nicht gelingt. Abutalebi macht mich nachdenklich.

Auch ich gehöre zu jenen Sammlern, die beruflich im Kapitalismus stecken, dennoch schafft sie es, mich an das Menschsein zu erinnern. Im hohen Alter neigt man(n) dazu, eher nachdenklich zu werden. Ich denke daran, dass ich bislang Kunst von Galeristen aus Investitionsgründen gekauft habe, hier aber treffe ich auf eine Künstlerin, eine junge Frau, die es schafft, mich als Menschen zu berühren.

Kapital orientiert unsere Welt

Ob es ihr je gelingen wird, ihre guten Botschaften in die Welt hinaus zu tragen, weiß ich nicht, denn ich weiß nur zu gut, wie Kapital orientiert unsere Welt ist, aber ich wünsche es ihr, einer mir bis vor wenigen Tagen noch vollkommen fremden Person. Ich erkenne in Abutalebi einen seltenen Gutmenschen, authentisch, humorvoll und selten engagiert in so jungem Alter.

Sie hat mich in ihren Bann gezogen, des Guten, und ich kann nicht anders, als mich mit Kunst von Abutalebi in den Flieger zu setzen. Ich möchte mich an diese Frau erinnern, denn sie hat es geschafft, mich mit ihrer Arbeit so zu berühren, dass ich ihre Kunst aus rein ideellen Gründen gekauft habe.

Frustriert und zugleich glücklich

Auch überprüfe ich meine Handschrift im Flieger und stelle fest, dass ich kaum noch schreiben kann, ich tippe ja nur noch, wie der Rest der Welt und meine Handschrift, ist kaum noch leserlich, ich bin frustriert und zugleich glücklich, dass ich auf meiner Reise nach Deutschland zufällig auf diese unermüdliche Künstlerin namens Gila Abutalebi gestoßen bin, die einen großen Lob für ihre Arbeit verdient. Abutalebi hat mich an das Menschsein erinnert und ich bin dankbar dafür. L. B.

 

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