27.08.2012 07:59 Sie waren ein Hingucker im Occupy-Camp

Manfred Kielnhofers Kunstwerke entfernt - Streit um Wächter: „Fünf Figuren waren wohl zu viel“

Die Waechter der Zeit von Manfred Kielnhofer

Die „Wächter der Zeit“ von Manfred Kielnhofer Foto: (c) Manfred Kielnhofer

Von: GFDK - 9 Bilder

Kassel. Manfred Kielnhofers (45) Skulpturen in rot leuchtenden Kutten waren ein Hingucker im Occupy-Camp vor dem Fridericianum. Nun mussten die „Wächter der Zeit“ weichen und stehen auf einem Balkon in der Landgraf-Karl-Straße. Während die Occupy-Aktivisten behaupten, die documenta-Geschäftsführung habe sie aufgefordert, die Skulpturen zu entfernen, verneint dies die Pressestelle der d13.

Wir wollten von dem Künstler wissen, was er im fernen Österreich von dem Vorgang mitbekommen hat. Warum mussten die Skulpturen verschwinden?

Manfred Kielnhofer:

Dazu gab es von Seiten der documenta keine Rückmeldung an mich. Ich wurde nur von den Occupy-Aktivisten, die sich um die Kunstwerke kümmern, informiert, dass documenta-Mitarbeiter sie aufgefordert hätten, die Skulpturen wegzuräumen. Ich denke, dass es eine Aktion gab, bei der Kunstwerke entfernt wurden, die keine documenta-Kunstwerke sind. Weil ich erst nur eine Figur vor dem Fridericianum aufgestellt hatte, war dies wohl zunächst nicht störend. Es wurde als Dekoration des Camps geduldet. Als es fünf Figuren wurden, war es wohl ein bisschen zu viel.

Ärgert sie das?

Manfred Kielnhofer:

Nein, das ist okay. Nur für die Occupy-Aktion finde ich es schade. Mir gefallen die Ziele von Occupy. Bei einer ähnlichen Aktion hatte ich die Wächter vor dem Reichstag in Berlin aufgestellt - übrigens auch ohne Erlaubnis. Auch dies wurde geduldet. Es dauert auch einfach zu lange, auf eine offizielle Genehmigung zu warten.

Was passiert nun mit den Kasseler Skulpturen?

Manfred Kielnhofer:

Vorerst bleiben die Skulpturen bei dem Aktivisten. Aber wir werden sie noch öfter aufstellen, zum Beispiel bei einer Demo gegen die Kasseler Rüstungsindustrie am 31. August. (bal) http://www.mydocumenta.de/documenta-13/streit-waechter-fuenf-figuren-waren-wohl-viel-2472450.html

Wirbel um die roten Wächter Kassel. Viele Besucher haben sie schon vermisst: die roten Mahnskulpturen „Wächter der Zeit“ von Manfred Kielnhofer, die bis letzte Woche auf dem Friedrichsplatz standen. Nun sind sie auf einen Balkon in der Nähe des Bahnhofs Wilhelmshöhe umgezogen. Laut dem österreichischen Künstler ist das nicht freiwillig passiert.

„Von den Bewohnern des Occupy-Camps habe ich die Nachricht bekommen, dass die Skulpturen weg müssen“, erzählt Kielnhofer am Telefon aus Linz. „Sie waren der documenta-Leitung wohl zu auffällig.“ Ein Bewohner des Camps erzählt, dass die Order zum Wegräumen direkt von documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld kam. Dieser Aussage widerspricht jedoch die Pressestelle der d13, sodass Aussage gegen Aussage steht.

Weder Leifeld noch Chefkuratorin Carolyn Christov-Bakargiev hätten etwas in der Richtung veranlasst, heißt es. Die Kunstharz-Skulpturen sind nicht Teil der d13, sondern wurden von Kielnhofer eigenmächtig dort aufgestellt. Zunächst hatte „CCB“ ihr Okay gegeben. (str)

Nun sucht Kielnhofer einen neuen Standort für die Figuren. Kontakt über kielnhofer.com