29.07.2018 13:00 Suppenwürfel und Wein aus Tigerknochen

Made in Germany: Deutsche Tiger enden in Asien als Chinesische Medizin

Suppenwuerfel und Wein aus Tigerknochen Made in Germany. Laut VIER PFOTEN Recherchen bringt ein lebender Tiger bis zu 22.000 Euro

Suppenwürfel und Wein aus Tigerknochen Made in Germany. Laut VIER PFOTEN Recherchen bringt ein lebender Tiger bis zu 22.000 Euro. Foto: © FOUR PAWS

Von: GFDK - Reden ist Silber

Vor ein paar Tagen hatten wir hier noch eine gute Nachricht. Die Bärin Kvitka wurde von VIER PFOTEN von einer ukrainischen Jagdstation gerettet und in den BÄRENWALD Domazhyr gebracht, wo sie nach acht Jahren Kampf endlich so leben kann wie es ihrer Art entspricht.

Deutschland ist Top, und ganz vorne dabei

Nun erreichen uns sehr schlechte Nachrichten. Es ist kaum vorstellbar, aber Realität. Lebende Tiger verschwinden auch aus Deutschland, um in Asien zu Suppenwürfel und Tiger-Wein aus Tigerknochen verarbeitet zu werden.

Es gibt innerhalb der EU und Deutschland keine Kontrolle, da Transporte innerhalb der EU keine Import- oder Exportgenehmigungen  brauchen. Man muß noch nicht einmal angeben, warum und zu welchem Zweck, die Tiere das Land verlassen. Das zeigt uns, in Deutschland ist alles möglich, auch die größte Sauerei.

Wer sind die Verkäufer und Händler?

Um sich das ganze noch mal vor Augen zu halten: Sie können einen Tiger aus Deutschland ausführen, ohne Angabe von Gründen. Ist der einmal über die Grenze, gibt es keine Kontrolle wo das Tier bleibt, und was mit ihm geschied.

Es stellt sich für die GFDK Redaktion auch die Frage, wer sind die Verkäufer. Es ist ja nicht so, dass bei uns die Tiger im Haushalt gehalten werden oder in unseren Wäldern frei rumlaufen.

Die Frage ist ja leicht zu beantworten, aber wir dürfen hier niemanden beschuldigen, da die Verkäufer sich ja an das Gesetz halten und nicht dafür belangt werden können, was hinter der Grenze passiert. Ganz schlimm ist, dass die das anscheinend auch nicht interessiert.

Das brutale Geschäft mit Tigern

Das brutale Geschäft mit einer gefährdeten Tierart: Bei einer großangelegten Razzia in Tschechien fanden Ermittler einen getöteten Tiger sowie Tigerprodukte und Equipment zur Herstellung Traditioneller Chinesischer Medizin.

Damit steht fest, dass die Europäische Union auch ein Marktplatz für skrupellose Tigerhändler ist. VIER PFOTEN Recherchen zeigen auf, dass auch Tiger aus Deutschland über Tschechien in Asien landen.

Zudem liegen VIER PFOTEN Daten vor, die belegen, dass Deutschland eines der TOP 5 EU Länder im Bereich des illegalen Handels mit Tigerprodukten ist.

Die Welt hat bereits mehr als 90 Prozent ihrer Tiger verloren. Es gibt nur noch rund 3.900 Tiger in freier Wildbahn. Die neuen Erkenntnisse und das Ausmaß des Tigerhandels in Europa sind deshalb umso schockierender.

Wir fordern die Europäische Kommission dazu auf, die gefährdeten Tiger zu schützen und den kommerziellen Handel zu verbieten. Tigerhändler und ihre grausamen Geschäfte dürfen keinen Platz mehr in der EU haben“, sagt Kieran Harkin, Leiter der Wildtierkampagnen bei VIER PFOTEN.

„Made in Germany“: Deutsche Tiger enden in Asien

Laut offiziellen Berichten der zuständigen Tschechischen Behörde sind in den vergangenen Jahren auch Tiger aus Deutschland über das Nachbarland nach Asien transportiert worden.

Weitere Recherchen in Vietnam ergaben, dass vermutlich mindestens zwei der Tiger in die Hände eines mehrfach verurteilten Wildtierschmugglers gelangten. 

In der Bundesrepublik wurden zwischen 1999 und 2016 wenigstens 36 Fälle von illegalem Handel mit Tigerprodukten registriert, bei denen 892 Tigerprodukte beschlagnahmt wurden – damit liegt Deutschland noch vor Tschechien.

194 Tiere aus Deutschland spurlos verschwunden

Es ist von einer drastischen Dunkelziffer auszugehen. Auch beim legalen Export lebender Tiger steht Deutschland innerhalb der EU mit an der Spitze. Zwischen 1999 und 2016 wurden mindestens 194 Tiere aus Deutschland in Länder außerhalb der EU verbracht.

Wo die Tiere letztendlich landen ist oftmals ungewiss. Der Handel mit der bedrohten Großkatze und ihren Körperteilen ist lukrativ. Laut VIER PFOTEN Recherchen bringt ein lebender Tiger bis zu 22.000 Euro. Den tschechischen Behörden zufolge wird ein Kilo Tigerknochen für rund 1.700 Euro und ein Liter Knochenbrühe, sogenannter Tigerwein, für etwa 85 Euro verkauft. 

Der kommerzielle Handel mit lebenden Tigern und Tigerprodukten – ob aus freier Wildbahn oder in Gefangenschaft geboren – muss gestoppt werden! Legaler Handel befeuert illegalen Handel und stellt eine große Gefahr für die letzten Tiger in freier Wildbahn dar.

Fehlende Transparenz in der EU

Der Handel mit wilden Tigern ist zwar verboten, aber nicht der Handel mit in Gefangenschaft gezüchteten Tieren. Doch hier mangelt es in der EU an effektiven Vorschriften.

Die genaue Anzahl an gefangenen und gehandelten Tigern in Europa ist nicht bekannt, da Transporte innerhalb der EU keine Import- oder Exportgenehmigungen von CITES (Convention on International Trade in Endangered Species) brauchen.

Deshalb gibt es nur wenige offizielle Dokumente, die belegen wer, wann, an wen und zu welchem Zweck Tiger verkauft.

VIER PFOTEN hat deshalb eine Petition gestartet, durch die Unterstützer die Europäische Kommission auffordern können, den kommerziellen Handel mit Tigern endgültig zu verbieten, um die Tiere zu schützen: „EU Tigerhandel stoppen“.

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