05.05.2017 06:06 Dumas in Dresden

Luther und die Kirchenkunst in Dresden

Neues Altarbild in der St. Anna Kirche von Marlene Dumas

Die Evangelisch Lutherische Kirchengemeinde St Anna weihte in der Annenkirche, rechtzeitig zum Lutherjahr, ein neues Altarbild ein, Foto: Herwig Nowak

Von: GFDK - Herwig Nowak

Herwig Nowak war für GFDK in Dresden. Kirchenbau und Kirchenausstattung stehen heute möglicherweise  seltener im Mittelpunkt künstlerischen Schaffens als etwa in den 70 er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Umso bemerkenswerter ist ein Ereignis, das in diesen Tagen in Dresden stattfand.

Die Evangelisch Lutherische Kirchengemeinde St Anna weihte in ihrer Kirche, der Annenkirche, gerade rechtzeitig zum Lutherjahr ein neues grosses Altarbild ein, das alle Beachtung verdient, weil es in seiner Modernität ein Sinnbild für die Lebendigkeit des Glaubens in unserer Zeit ist.

Die Annenkirche - ohnehin seit den Tagen der Feuerstürme am Ende des Zweiten Weltkriegs als Hunderte von Menschen in ihr eine Zuflucht fanden - eine Inkunable des christlichen Glaubens, setzt damit abermals Zeichen. Dabei bedarf besonderer Erwähnung, dass die Gemeinde ihren derzeitigen strukturellen Schwierigkeiten zum Trotz auf diese Weise mutvoll in die Zukunft blickt.

Kirchenkunst von Marlene Dumas

Das Bild selbst, das eine Wandfläche von  von 3,60 m Breite und 7,80 m Höhe bedeckt, ist ein von einem lichten, "leichtfarbigen" Himmel gekrönter Lebensbaum. Er hat fünf "Stationen", Tondi genannt, deren Inhalte zunächst Begebenheiten aus dem irdischen Leben schildern, um im gekreuzigten Christus die Heilsbotschaft zu verkünden.

Die erste Station, die die  Lebenssituation geflüchteter Menschen widergibt, hat kürzlich auch in Köln bereits ein künstlerische Darstellung gefunden. Eine weitere "Station" ist einer mittelalterlichen Pieta nachgebildet. Hier aber trägt ein Mann eine Frau, die schlaff in seinen Armen ruht: ein Mensch hilft dem anderen. Etwas plakativ vielleicht eine dritte "Station": das Kreuz als Flagge ausgebildet, aber eine wirkungsvolle Symbolik für die Internationalität des Glaubens.

Lutherjahr

Das Altarbild lässt sich als eine Gemeinschaftsarbeit dreier Künstler bezeichnen, die in den Niederlanden, in Amsterdam, arbeiten. Der alle "Stationen" verbindende Lebensbaum wurde von Bert Boogard entworfen und ausgeführt, der lichte, erheissungsvolle Himmel von Jan Andriesse. Den künstlerischen Mittelpunkt aber bieten die "Stationen", die dem Bild seine eigentliche Aussage geben. Sie wurden von der international bekannten Künstlerin Marlene Dumas konzipiert und realisiert: "Dumas in Dresden".

Herwig Nowak