05.01.2014 09:52 Rücksichtnahme sind für Amazon Fremdwörter

Lesen ist kein Luxus - Buchhandel mit leichtem Plus im Weihnachtsgeschäft

Sibylle Lewitscharoff mag Amazon nicht.

Sibylle Lewitscharoff "Wenn ich eine Firma hasse, dann diese! Amazon bezahlt keine Steuern in den Ländern, in denen dieser widerliche Klub eine Menge Geld verdient." Foto: Amrei-Marie, Wikipedia

Aktionstag gegen Amazon.

Aktionstag am 06.12.2013 gegen Amazon.

Von: GFDK - Gottfried Böhmer Profil bei Google+

Das der Buchhandel den Freunden der Künste besonders am Herzen liegt, haben wir in vielen Artikeln dokumentiert. Nun überrascht uns die Osnabrücker Zeitung mit einer positiven Nachricht, die wir allerdings für überbewertet halten. Das der Deutsche Buchhandel im Weihnachtsgeschäft 1,2 Prozent zulegen konnte, ist nur im ersten Moment erfreulich, denn der Internethandel, Amazon legte im gleichen Zeitraum um 15 Prozent zu.

Insbesondere kleine Buchhandlungen mit einem Jahresumsatz unter 500.000 Euro sowie große Buchhandlungen mit einem Jahresumsatzvolumen von mehr als vier Millionen Euro verzeichneten mehrheitlich ein Umsatzplus, hat das Börsenblatt ermittelt.

Die kleinen Buchhandlungen könnten dabei auch, von der von den Freunden der Künste massiv unterstützten Aktion "Buchhandels Flashmob" profitiert haben. Am 6. Dezember 2013 haben wir zu der Aktion aufgerufen, als Antwort gegen Amazon sollten so viele Menschen wie möglich, die Bücher lieben in ihrer Lieblingsbuchhandlung mit dem Kauf eines Buches die Buchhandlungen unterstützen.

Darauf möchte wir hier auch noch mal hinweisen:

Hamburg-Neustadt. Aus die Maus Nikolaus heißt es nun für die 1933 gegründete Buchhandlung Laatzen. Am 23. Dezember wird der Laden geschlossen und Deutschland ist wieder um eine Buchhandlung ärmer. Die 1933 gegründete Traditionsbuchhandlung am Stephansplatz muß sich künftig auf den Versand konzentrieren.

Auch Sibylle Lewitscharoff die zur gleichen Zeit unbarmherzige Worte sprach könnte geholfen haben.

Die Eröffnungsrede der internationalen Buchmesse in Wien nutzte die Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff für eine leidenschaftliche Tirade gegen Amazon: "Wenn ich eine Firma hasse, dann diese! Sollte es mir vergönnt sein, den Tod dieser verhassten Firma noch zu erleben - was leider nicht sehr wahrscheinlich ist - werde ich mit einem Jubelruf auf den Lippen ins Grab sinken."

Sibylle Lewitscharoff über junge Leute und Literaturstudenten die mal selber Bücher schreiben wollen.

"Hin und wieder kam ich in den letzten Jahren in Kontakt mit Literaturstudenten oder jungen Leuten, die selber Bücher schreiben wollen. Eine kuriose Erfahrung insofern, als etliche von ihnen erschreckend wenig gelesen hatten, zumindest kaum die wirklich erstklassigen Werke der Moderne. Es kostet Mühe, sie zum Kauf eines Buches zu überreden, obwohl sie in der Hoffnung leben, dermaleinst würde jemand ihre eigenen Bücher kaufen. Natürlich findet sich da inmitten einer großen Schar Ignoranten auch immer wieder ein Lesefex, an den sich Freude und Hoffnung klammern, dass es mit der Wirksamkeit hochmögender Literatur nicht vorbei ist."

Links denken aber....???

Aber da ist noch etwas anderes und es erbost mich zutiefst. Einige amerikanische Großfirmen, allen voran Amazon, sind ja bereits eifrig damit beschäftigt, elektronische Buchdienste anzubieten. In meinem Umfeld, das in jungen Jahren links eingestellt war und gern die Fahnen wider den Monopolkapitalismus hisste, ist eine staunenswerte Entwicklung vonstattengegangen: Ausgerechnet bei einem Monopolisten wie Amazon, der so ziemlich alles in den Schatten stellt, was Karl Marx einst über den Monopolkapitalismus schrieb, bestellen sie ungeniert.

Aktionstag am 06.12.2013

Wenn ich eine Firma hasse, dann diese! Amazon bezahlt keine Steuern in den Ländern, in denen dieser widerliche Klub eine Menge Geld verdient, er bezahlt seine Angestellten empörend schlecht, ruiniert die Buchhändler und zunehmend auch die Verlage.

Seriöse Betreuung, Herstellung und Vertrieb des gedruckten Buches jedoch sei, so Sybille Lewitscharoff eine arbeitsintensive Angelegenheit, für die eine ganze Branche mit einer Vielzahl von Angestellten nötig sei. "Nur um den einen Strawanzel, der das Buch geschrieben hat, geht es beileibe nicht."

Jedenfalls halte ich dem gedruckten Buch, den erstklassigen Verlagen und den Buchhändlern, die ich liebe, die Treue, schwatze vergnügt mit ihnen und lasse mich von ihnen auch gern auf etwas hinweisen, was mir bisher entgangen ist. Nichts lieber, als eine ordentliche Summe in eine Buchhandlung zu tragen. Dort soll Ihr Geld hin, werte Leser! Es soll nicht im Rachen einer Firma landen, die Tausende von Arbeitsplätzen vernichtet und den wenigen, die für sie arbeiten, Hungerlöhne zahlt!

Nun sei das Glas auf die Verlagsmitarbeiter und Buchhändler erhoben

Komme, was wolle, ich glaube an die Zukunft des Buches zwischen zwei Deckeln und werde nicht davon ablassen, neue Lieblinge für schönes Geld bei einem Buchhändler zu erwerben. Nun sei das Glas auf die Verlagsmitarbeiter und Buchhändler erhoben – ich wünsche ihnen gute Umsätze und ein gedeihliches Leben!

Sibylle Lewitscharoff, zählt zu den bedeutendsten Autoren der Bundesrepublik. 2011 gewann sie den Deutschen Buchpreis, 2013 wurde ihr der Georg-Büchner-Preis verliehen. Zuletzt erschien von ihr bei Insel "Pong redivivus".

Mit den  vorliegenden Textauszügen hat Sibylle Lewitscharoff die sechste internationale Buchmesse "Buch Wien" eröffnet. Den gesamten Text finde ihr im unter aufgeführten link.

 

Die Osnabrücker Zeitung schreibt: "Wie erfreulich, wenn sich düstere Ahnungen oder Unkenrufe als unzutreffend erweisen. Gerade kleinere Buchhändler haben vom Weihnachtsgeschäft profitiert, und das nicht nur, weil es am Tag vor dem Heiligen Abend zu spät für den Internet-Versandhandel war. 1,2 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr belegen eindrucksvoll: Bücher sind nach wie vor hochattraktiv als Geschenk. Das Lesen bleibt eine beliebte Freizeitbeschäftigung trotz ständig nachwachsender Konkurrenz auf dem Bewegtbildmarkt".

Christine Adam stellt richtig fest und bringt es auf den Punkt: "Erstaunlich beim Überangebot von Filmen aller Art: die anhaltende Lust am Lesen als Rückzug in innere Fantasieräume, in denen die Bilder selbstständig hergestellt werden müssen. Vielleicht spüren viele vom hohen Tempo unserer Tage bedrängte Menschen, dass das Lesen eine der wenigen Nischen ist, die endlich ein höchst individuelles Tempo erlauben".

Gottfried Böhmer

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