24.08.2017 07:17 Zwischen den Zonen

Kulturkampf in Herford

Der Kulturkampf Staatsmacht und Buergermacht im Museum Marta Herford

Der Kulturkampf Staatsmacht und Bürgermacht im Museum Marta Herford. Sama Alshaibi: Sihr Halal (Permissible magic), 2014, Bild © Sama Alshaibi, Courtesy Ayyam Gallery, Dubai

Von: GFDK - Herwig Nowak

Herford ist sicherlich nicht das Zentrum des westdeutschen Kunstgeschehens. Die eher betuliche, architektonisch nicht sonderlich ambitionierte Kleinstadt im Westfälischen scheint sich selbst genug zu sein.  Wenn da nicht, ja ,wenn da nicht der geradezu aufsehenerregender Neubau des Museums Marta stünde, den Frank A. Gehry vor wenigen Jahren in die Stadt “gepflanzt“ hat.

Anknüpfend an seine grossen Museumsbauten, etwa in Paris, schuf er ein Objekt, das in jeder Faser seines Daseins besonderes manifestiert: innen wie aussen modern, innen sicherlich auch zweckmässig, als Computer generierte Architektur mit ausgewählten Materialien errichtet, macht es die ganze Stadt einen Besuch wert.

Aber nicht die Architektur allein ist Anlass für diese Zeilen: auch das derzeitige Ausstellungsprogramm zeigt Ungewöhnliches Unter dem Titel “Zwischen den Zonen“ zeigen junge Künstlerinnen aus dem persisch-arabischen Raum ihre Werke. 

Klar, dass sich eine solche Präsentation in unseren Tagen den politischen Verhältnissen und den gesellschaftlichen Umbrüchen widmet, die Morgenland und Abendland voneinander trennen und Gegenstand einer Art von Kulturkampf sind. Schon das Plakat der Ausstellung von Arwa Abouon verdient eine Würdigung.

Vor einem die Fläche füllenden Hintergrund, der in seiner Gestaltung der persischen Kalligraphie nachempfunden ist, küsst eine junge-Frau einen älteren Mann auf die Stirn. Dabei ist die Frau grösser als der Mann. Im Geiste der Versöhnung wird das Generationenproblem eines Landes thematisiert, das einen „beherrschenden Überfluss“ an jugendlicher Bevölkerung hat und der Frau -allen Widerständen zum Trotz- die grössere Rolle zubilligt.

Militanter ist der Beitrag der Tunesierin Monfida Fedhila, die ihre Performanz dazu benutzt, Staatsmacht und „Bürgermacht“ auftreten zu lassen. In der Installation “In You we trust“, ein Titel voller Ironie, werden 6 tunesische Nationalflaggen an einer Wand hintereinander aufgereiht, wobei der Mittelbereich der Flaggenparade frei bleibt.

Das ist das Symbol für die Ohnmacht des Staates, Ordnung zu schaffen, zu „herrschen“. Der Kreis aus Halbmond und Stern liegt auf dem Boden und darüber ist eine Munitionskiste montiert. Sie ist beschriftet: “Material of self destruction, do not open“.

Die Ausstellung sagt auch: “Männer passt auf“, die Frauen sind auf dem Vormarsch nicht nur im Morgenland, und sie sind stark und haben etwas zu sagen.

Herwig Nowak