20.11.2011 16:33 Schusswaffen, Panzer und Kampfjets

Kommentar von Jennifer Nathalie Pyka - Eine Gefährdung des friedlichen Brunnenbauer-Images und die folgen - Skandalös: Die Bundeswehr macht auch Krieg?!

Bild 1 (c)Jennifer Nathalie Pyka

Bald schon Heilsarmee ...? Quelle: Wikimedia Commons

Von: Jennifer Nathalie Pyka

Für die Bundesregierung geht eine erkenntnisreiche Woche zu Ende. Die stellte nämlich in den letzten Tagen nicht nur überraschenderweise fest, dass die NPD vorwiegend aus V-Personen des Verfassungsschutzes besteht, die während ihrer Arbeitszeit offenbar am liebsten Kreuzworträtsel lösen.

Nein nein, zudem wurde Berlin mit der Erkenntnis konfrontiert, dass es in Deutschland auch noch eine Bundeswehr gibt, die ihr Personal nicht mehr frei Haus geliefert bekommt, sondern nun tatsächlich Werbung machen muss, z.B. mittels spektakulärer Youtube-Clips nach amerikanischen Vorbild.

Schusswaffen, Panzer und Kampfjets

Und zum Schluss kam auch noch raus, dass eines dieser Werbefilmchen tatsächlich Schusswaffen, Panzer und Kampfjets zeigt, Dinge also, die irgendwie an Krieg erinnern, womit Deutschland ja nie wieder etwas zu tun haben wollte.

Das freilich gefiel dem guten Gewissen des Bundestags, das nun in Gestalt einer grünen Hinterbänklerin zum Vorschein trat, die sich vor lauter Empörung über soviel Realität vermutlich an ihrer Bionade verschluckte, überhaupt nicht.

Eine Gefährdung des friedlichen Brunnenbauer-Images

Agnieszka Malczak, grünes Mitglied im Verteidigungsausschuss sowie im „Unterausschuss Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung“ erkannte darin sofort eine Gefährdung des friedlichen Brunnenbauer-Images der Bundeswehr und war somit natürlich standesgemäß dagegen.

Gemeinsam mit ihren SPD-Kollegen Rainer Arnold ließ sie verlauten, das Video sei „gewaltverherrlichend und geschmacklos“ und erwecke zudem den Eindruck, der Dienst bei der Bundeswehr gleiche einem „Ballerspiel“.

Kurz darauf verschwand das Video vom offiziellen Youtube-Channel der Bundesregierung, allerdings nicht wegen vermeintlich martialischer Kriegsszenen, sondern laut Bundespresseamt nur, weil in besagtem Video nicht gesprochen werde, was jedoch Voraussetzung für sämtliche Videos sei, die im Namen der Regierung erscheinen.

Mangel an Worten

Nun stellen sich Fragen: Weshalb ist der Berliner PR-Abteilung dieser Mangel an Worten erst jetzt aufgefallen? Warum unterlegt man das Video nicht nachträglich mit aussagekräftigen Stimmen aus dem Off (zum Beispiel: „Nicht vergessen: Auch für bewaffnete Terroristen gelten die universellen Menschenrechte!“)?

Und überhaupt: Richtet sich die audiovisuelle Botschaft tatsächlich nur an schießwütige Randgruppen, die den ganzen Tag Counterstrike spielen und das gerne mal in die Realität umsetzen wollen? Das zumindest kann nun jeder für sich selbst beantworten.

Wie ein Heimatfilm mit Peter Alexander

Denn der umstrittene Clip, der, verglichen mit Werbemaßnahmen der amerikanischen Streitkräfte eher wie ein Heimatfilm mit Peter Alexander wirkt, ist längst wieder aufgetaucht – sicherlich zum Leidwesen der pazifistoiden Grünen-Abgeordneten, die vermutlich immer noch völlig traumatisiert ist, nachdem sie ja jüngst auf brachiale Art und Weise erfahren musste, dass Soldaten sich in Panzern statt auf Fahrrädern fortbewegen und mit Maschinengewehren statt Wasserpistolen bewaffnet sind.

Weiterhin darf man freilich gespannt sein, wie Deutschland die Sache mit der Bundeswehr künftig so regeln will. Denn eigentlich will man ja nie wieder Krieg, weshalb man sich gemütlich zurücklehnt und die „Ballerspiele“ lieber den Amis überlässt.

Humanitärer Einsatz

Die sichern zwar zuverlässig den globalen und damit auch den deutschen Frieden, machen jedoch aus sesselstrategisch-deutscher Sicht freilich alles falsch. Sofern man dann aber dennoch, ganz ausnahmsweise, mitmachen muss, heißt das nicht Krieg, sondern humanitärer Einsatz.

Das geht solange gut, bis in Afghanistan die ersten Soldaten fallen und das friedliebende Volk daheim sich darüber wundert, dass der Bau von Mädchenschulen so viele Leben kostet.

Mit den Taliban beten

Daraufhin eilt dann schnell Frau Käßmann zur Hilfe, die den Deutschen erklärt, dass in Afghanistan nichts gut sei und man nun mit den Taliban beten müsse, woraufhin der deutsche Soldat sich wiederum fragt, warum er eigentlich sein Leben für Sicherheit und Frieden am Hindukusch riskiert, was allerdings in Deutschland niemanden interessiert.

Indes rauchen in warmen Berliner Abgeordnetenbüros die Köpfe ob der Frage, wie man denn nun die Bundeswehr bewerben könnte, ohne dabei zarte pazifistische Seelen mit der militärischen Realität zu konfrontieren oder gar allzu viel Aufmerksamkeit zu erregen - denn schließlich will man ja nie wieder Krieg, und falls doch, so darf das bitte niemand mitbekommen.

„Vater Unser“

Deshalb folgender Vorschlag für den nächsten Werbeclip: Vor der eindrucksvollen Kulisse des Hindukusch-Gebirges sehen wir einen liebevoll angeordneten Stuhlkreis, in dessen Zentrum Margot Käßmann steht und gemeinsam mit den anderen Dialogteilnehmern das „Vater Unser“ betet.

Anschließend erklärt Jürgen Todenhöfer den ebenfalls anwesenden, gemäßigten Taliban-Vertretern, wer die Guten (er selbst) und wer die Bösen (der Westen) sind.

„Ein bisschen Frieden“

Danach doziert Michael Lüders noch zum Thema Völkerrecht, das übrigens von US-amerikanischen Drohnen ständig verletzt würde, und zum Schluss sind alle glücklich und singen gemeinsam, von Peter Maffay auf der Gitarre begleitet, „Ein bisschen Frieden“.

Somit verlöre die Bundeswehr dann nicht nur ihr kriegerisches Antlitz, sondern ebenso zugleich den letzten interessierten Bewerber, was ganz offensichtlich im Interesse einer politischen Elite ist, die auch in militärischer Sicht mit dem größten Vergnügen ihr Recht auf Selbstblamage nutzt.