27.01.2015 13:40 Der Glaube an das Recht wurde gebrochen

Gute Nacht Frau Merkel - endlich mal ein Revoluzzer

Syriza-Chef Alexis Tsipras Ministerpräsident von Griechenland.

Syriza-Chef Alexis Tsipras ist der neue Ministerpräsident von Griechenland. (c) FrangiscoDer, Wikipedia CC BY-SA 3.0

Von: Konstantin Wecker, Frank Schäffler und Rainer Kahni

Ein Kommentar von Konstantin Wecker, Frank Schäffler und Rainer Kahni

Liebe Freunde,
"O Alexis - Ein Revoluzzer triumphiert“, schreibt die Süddeutsche.
Na endlich mal ein Revoluzzer, fällt mir dazu spontan ein. Auf jeden Fall keine Marionette wie Mario Draghi, der italienische Bankmanager,Ex- Goldman-Sachs-Investmentbanker und Reichereichermacher.

Kein Merkelist.

Das wäre doch schön: ein echter Revoluzzer.
Auf dem Klage-Platz glauben viele, dass dieses Signal weit über Griechenland hinausreicht. Junge italienische Kommunisten schwenken hier ihre Fahnen und singen die Internationale. "Das andere Europa mit Tsipras", steht auf Ansteckern. Dieses andere Europa mobilisiert auch in anderen Krisenländern gegen jenen strikten Sparkurs, für den vor allem die Bundesregierung steht. In Spanien etwa könnte in Kürze die linke Podemos-Bewegung ihre ersten Wahlerfolge einfahren.(SPIEGEL online)

Könnte sie.
Sollte sie.

Ich finde - endlich mal eine gute Nachricht.
Nicht nur für Griechenland.
Gute Nacht Freunde.

Ein guter Kommentar zur Wahl von Frank Schäffler

»All diejenigen, die diesen kollektiven Rechtsbruch erlaubt haben, indem sie die Nichtbeistandsklausel gebrochen haben, müssen am heutigen Tag Buße tun. Sie haben dem europäischen Steuerzahler und Sparer gigantische Lasten aufgehalst. Das Schönreden und die Scheinheiligkeit der nunmehr fünf Jahre andauernden Euro-Politik wurde entlarvt als das, was es ist:

Die Troika nach Hause schicken

Ein Verrat an der europäischen Einigungsidee. Denn diese Idee war keine Idee der Verantwortungslosigkeit oder des Zentralismus, sondern das Gegenteil. Aus der Geschichte wissen wir, dass kein Volk und kein Land es dauerhaft akzeptieren wird, von einem technokratischen Macht fremdbestimmt zu werden. Dieses unwürdige Spiel hat mit dem Wahlsonntag sein vorläufiges Ende gefunden. Noch am Wahlabend verkündete Tsipras seinen Anhängern, dass er die Troika nach Hause schicken werde.

Der Glaube an das Recht wurde gebrochen

Und keine Währung, erst Recht kein Währungsraum, wird dauerhaft funktionieren, wenn er auf fundamentalen Rechtsverstößen aufgebaut wird. Denn das einzige, was staatliches Papiergeld zu bieten hat, ist der Glaube an das Recht. Wird dies fundamental geschleift, gebrochen und umgedeutet, dann hat dieses Papiergeld keine Zukunft.«

http://www.rolandtichy.de/…/griechen-wahl-scheitern-der-eu…/

Rainer Kahni schreibt zu der nun einsetzenden Hetze gegen die Griechen:

Die Hetze gegen Griechenland hört nicht auf. "Am Ende werden die Deutschen zahlen", titelt T - Online weisungsgemäss. Das ist ein Angriff auf die niedrigsten Instinkte des Menschen. Die deutsche Rüstungsindustrie hat Griechenland mit der grössten Panzerarmee Europas ausgerüstet.

Die Franzosen haben Griechenland Fregatten angedreht, obwohl sie sehr genau wussten, dass Griechenland in der "Merde" steckte. Die deutschen Banken und Hedge - Fonds haben sich dumm und dämlich verdient am Elend der Griechen.

Alle haben sie am Elend des griechischen Volkes prächtig verdient. Warum sollen die Steuerzahler für die Banken haften? Es kann ja nicht sein, dass auf ewige Zeiten Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden.

Sie hetzen und hetzen und hetzen und merken nicht, dass die deutsche Regierung unter Frau Dr. Merkel mitsamt ihren Klatsch - Affen in den deutschen Redaktionsstuben zu den grossen Verlierern der Wahl in Griechenland gehören. Mit Entsetzen muss ich konstatieren, dass Deutschland seit dem III. Reich nicht mehr so verhasst war in Europa wie heute. Das wird sich bitter rächen. "Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen", schrieb schon Kurt Tucholsky. Das haben die anständigen und aufgeklärten deutschen Bürger nicht verdient.

Die Rosskur hat die Schulden nicht senken können

Es geht endlich um Menschen und nicht nur um Geld. Das stolze griechische Volk hat gewählt und sich gegen die Troika, gegen den radikalen Sparkurs, der das ganze Land in Not, Leid und Elend gestürzt hat und gegen das Diktat aus Brüssel entschieden. Nun liegt es an Alexis Tsipras, seine Wahlversprechen mit den Forderungen der EU zu vereinbaren. Die Rosskur hat die Schulden nicht senken können. Zur Wahrheit gehört endlich eine schonungslose Analyse des IST - Zustandes von Griechenland.

Dazu schreibt der bekannte deutsche Volkswirt und Wissenschaftler Prof. Dr. Henrik Müller in einer beeindruckend nüchternen Kolumne im SPIEGEL:


"Griechenland hat in den vergangenen Jahren enorme Anstrengungen unternommen, die insbesondere in Deutschland kaum zur Kenntnis genommen werden: Die öffentlichen Ausgaben wurden so stark zusammengestrichen, dass Griechenland inzwischen einen strukturellen Haushaltsüberschuss von mehr als vier Prozent der Wirtschaftsleistung fährt - den mit Abstand höchsten Wert aller OECD-Länder. Das heißt: Abzüglich des Schuldendienstes kommt Griechenland mit seinen laufenden Staatseinnahmen zurecht.

Die Wirtschaftsleistung ist implodiert

Die Löhne in Relation zur Produktivität sind in den vergangenen Jahren so stark gesunken wie in keinem anderen OECD-Land. Die Investitionen sind in der Folge des Sparkurses seit 2008 auf fast null zurückgegangen - eine in Friedenszeiten äußerst rare Entwicklung. Die Wirtschaftsleistung ist implodiert; das BIP liegt heute um ein Viertel niedriger als 2008. Die Arbeitslosenquoten sind auf mehr als 25 Prozent gestiegen. Langzeitarbeitslose bekommen keinerlei staatliche Unterstützung. Das alles ist eine Rosskur sondergleichen. Griechenlands Schulden sind dennoch nicht gesunken, sondern immer weiter gestiegen."

Es geht um Menschen und um Schicksale

Griechenland muss also endlich Schluss machen mit seinen nie mehr rückzahlbaren Schulden und über einen Schuldenschnitt mit der EU verhandeln. Gleichzeitig müssen die Investitionen im eigenen Land angekurbelt und das Elend der Menschen beendet werden. Begreift es endlich ihr Technokraten, es geht um Menschen und um Schicksale, nicht um eure masslose Gier. Begreift es, oder ihr werdet von euren Bürgern hinweggefegt und zur Verantwortung gezogen werden.

Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, ist Journalist und Autor von Polit - und Justizthrillern. Er ist am Bodensee aufgewachsen, lebt jedoch seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza. Seine Muttersprache ist deutsch, seine Umgangssprache ist französisch. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières und berichtet für Print - Radio - und TV - Medien aus Krisengebieten.