19.12.2015 11:28 Noch so ein Sieg, und wir sind verloren

Frankreich - Ein zweifelhafter Sieg der zur Niederlage werden könnte

Wahlen in Frankreich

Wenn man eindrittel der Wähler durch ein Wahlgesetz daran hindert, in die Regionalparlamente und in die Nationalversammlung zu kommen, dann radikalisiert sich die Strasse.

Von: GFDK - Rainer Kahni

Fast sieben Millionen Franzosen haben im zweiten Wahlgang für den FN gestimmt. Damit sind 30 Prozent der Franzosen heute schon zu Stammanhängern von FN und Marine Le Pen geworden.

Die Regionalwahlen in Frankreich haben ein zerrissenes Land gezeigt. Der Front National war nur durch eine Koalition zwischen den verfeindeten Sozialisten unter Hollande und den Republikanern unter Sarkozy zu verhindern. Diese Koalition der Patrioten gab es zum letzten Mal bei der Stichwahl für die Präsidentschaft von Jacques Chirac.

„Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“

König Pyrrhos I. von Epirus (319/318–272 v. Chr.)

Doch diesesmal war alles anders, denn der Parteichef der Republikaner verbot diese Koalition, doch seine Mitglieder scherten sich nicht um das Verbot und riefen die Republikaner zu einer "Barrage" mit den Sozialisten gegen den FN auf. Dies zeigt ganz klar den Ansehensverlust von Sarkozy in seiner eigenen Partei auf, daher ist nicht mehr sicher, ob Sarkozy tatsächlich noch einmal als Präsidentschaftskandidat aufgestellt werden wird.

Die nun neu gewählten republikanischen Regionalpräsidenten (in Deutschland Ministerpräsidenten der Länder genannt) werden selbst ihre Ansprüche geltend machen. Der FN hat zwar auf Grund des französischen Wahlgesetzes alle Regionen verloren, aber seine Anhänger eben nicht. Darin liegt die Gefahr für die Nation. Der rechte FN mit seinen eindrittel Anhängern wird immer mehr frustriert und damit brutaler und mächtiger.

Wenn man eindrittel der Wähler durch ein Wahlgesetz daran hindert, in die Regionalparlamente und in die Nationalversammlung zu kommen, dann radikalisiert sich die Strasse. Und dazu sind die Franzosen durchaus in der Lage. Nicht umsonst hat der Premierminister Manuel Valls am Wahlabend vor einem Bürgerkrieg in Frankreich gewarnt.

Und so könnte es kommen:

Karl Liebknecht

"Die Geschlagenen von heute werden die Sieger von morgen sein. Denn die Niederlage ist ihre Lehre"

"WELT-Online" schrieb: "Die Front-National-Niederlage bei den Regionalwahlen in Frankreich ist kein Grund zur Erleichterung. Wenn Frankreich die Kurve nicht bekommt und Marine Le Pen nicht entzaubert, ist Europa verloren".

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Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, ist Journalist und Autor von Polit - und Justizthrillern. Er ist am Bodensee aufgewachsen, lebt jedoch seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza. Seine Muttersprache ist deutsch, seine Umgangssprache ist französisch. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières und berichtet für Print - Radio - und TV - Medien aus Krisengebieten.

 

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