13.12.2015 07:29 kunstszene berlin

Flashlights aus Berlin - Blick auf die Berliner Galerienlandschaft

Ausstellung von Georg Baselitz

Ausstellung von Georg Baselitz in der Galerie Contemporary fine arts mit dem Titel "Siegmunds Höhle". Dabei ist der Hund das Motiv seines Malens. Georg Baselitz/ Galerie Contemporary fine arts, Foto: Jens Ziehe

Von: GFDK - Herwig Nowak

Einige Rheinländer, nicht alle, blicken gerne etwas hochmütig-abschätzig auf die Berliner Galerieenlandschaft für moderne Kunst. Die zweifellos ältere Sammlerszene der Rheinschiene, die holländische, belgische, deutsche und auch Schweizer Sammler vereint, ist der Hauptgrund für solches Verhalten.

Aber man soll sich nicht täuschen. Die Berliner Galerieelandschaft, wie sie sich dem Besucher im Herbst 2015 darbietet, ist umfangreich nach der Anzahl der Häuser, sehr grosszügig in der Art der Darbietungen und sprudelt über im künstlerischen Ideenreichtum. Dem Besucher lag eine Liste von 15 Top-Galerieen vor, die sich ohne Schwierigkeiten auf über 50 hätte erweitern lassen können. Nach dieser richtete er seine sporadischen Besuche aus. Kein repräsentatives Unterfangen, kann man sagen, aber hochinteressante Einzeleinblicke in die moderne Kunst.flashlights eben.

Die Besuche werden zunächst bestimmt durch die Räumlichkeiten, in denen die Kunst dargeboten wird. Sie üben einen grossen Einfluss auf das Wohlbefinden des Besuchers und die Rezeption der Kunst aus. Dabei verdienen jene hohen Stuckdecken bewährten grossdimensionierten Räume, meist in alten, nicht zerstörten und zurückhaltend renovierten grossbürgerlichen Häusern gelegen, besondere Erwähnung. Sie sind einfach kunstaffiner als moderne Räume.

Ausstellungen in Berlin

Hier also als flashlights der Blick auf drei Ausstellungen: die klassische, die humorvolle und die eigenartige.

Gemeint ist zunächst die Ausstellung von Werken von Georg Baselitz in der Galerie Contemporary fine arts mit dem Titel "Siegmunds Höhle". Dabei ist der Hund das Motiv seines Malens, das fast ein Zeichnen ist, so fein ist die Ziselierung seiner schwarz-weiss-Darstellungen. Es ist stets eine frontale Büste eines Hundes, oftmals ergänzt durch den Schriftzug "Siegmund", die hier präsentiert wird. Vielleicht etwas monoton.

Die humorvollste Präsentation findet sich in der Galerie Esther Schipper GmbH, weil sich dort die in Berlin lebende und arbeitende Künstlerin Ceal Floyer präsentiert. Sie ist voll von Humor und nimmt den Besucher dadurch gefangen. Nicht nur, dass sie die Fenster der von ihr genutzten Räume von innen vergittert - warum auch nicht - und nicht wie üblich von aussen: es ist eine Handsäge, die einen Kreis in den Fussboden des Raumes sägt und es ist eine Toninstallation, bestehend aus zwei sich gegenüber stehenden Lautsprechern, die dazu den notwendigen Beifall klatschen. Ein anderer Raum wird auf seinem Boden durch eine Reihe schwarzer Holzklötzchen von geringer Höhe, schlangenförmig angeordnet, durchzogen. Warum auch nicht? Witzig ist das schon.

Die eigenartigste Präsentation zeigt Manuel Knapp mit seinem "Moonlight district"in der Galerie Dreschler. Er bietet "Kunst im Schaukasten", indem er unterschiedlich grosse, jeweils ca 20 cm tiefe Schaukästen mit verschiedenen bunt eingefärbten Wollfäden ausstattet, die in unterschiedlichen geometrischen Formen die Schaukästen geradezu architektural durchziehen. Das geschieht mit grösster Akkuratess und in hoher Dichtigkeit der Fäden und wird durch Beleuchtungseffekte unterstrichen. Alles in allem: eindrucksvolle dreidimensionale Kunst.

Herwig Nowak

Weiterführende Links:
http://www.cfa-berlin.de/