29.03.2015 14:01 Tatenlos durch die Nacht

Echo 2015 - Alle gegen Helene Fischer - Presse ist unzufrieden mit der Preisverleihung

Helene Fischer bekommt vier Echos

Helene Fischer: "Ihr werdet mich nicht so schnell los", Foto (c) EMI

Von: GFDK - Redaktion

Viermal war Helene Fischer nominiert, viermal gewann sie den Echo. "Willkommen bei den Helene Fischer-Festspielen". So begrüßte Moderatorin Barbara Schöneberger das Publikum in Berlin und vor der Glotze.

Helene konterte:

"Ihr werdet mich nicht so schnell los" Zu ihrem Hit "Atemlos" sagte die schöne Helene, "Viele können diesen Song nicht mehr hören. Ich höre ihn selbst auch nicht. Aber ich singe ihn noch gerne.“ Die WAZ titelte gar "Tatenlos durch die Nacht"

Als Helene das dritte Mal auf die Bühne gewunken wurde, erklärte sie nun auch die Helene Fischer Festspiele für eröffnet. "Ich konnte euch nicht zwingen, mein Album zu kaufen" rief sie in Publikum. Kollegah, der in der Kategorie „Hiphop Urban“mit einem Echo ausgezeichnet wurde, sagte auf der Bühne: „Ich bin überrascht: Ich hätte eigentlich gedacht, den nimmt Helene Fischer auch noch mit!" Und Barbara Schöneberger sang später ,"und täglich grüßt das Murmeltier: Helene holt sich Echo vier".

Im letztem Jahr haben wir geschrieben: Attacke auf Helene Fischer und ihre Fans
Die taz beleidigt Helene Fischer und ihr Publikum - Fleischgewordene Spießerfantasie notgeiler Säcke

Spiegel-Online hat die Pressestimmen kurz zusammmengefast

Kollegah, der den „Hiphop Urban“-Echo abräumt, erklärt auf der Bühne: „Ich bin überrascht: Ich hätte eigentlich gedacht, den nimmt Helene Fischer auch noch mit!" Und Schöneberger hat für den fortgeschrittenen Abend ein Liedchen vorbereitet, das endet mit: „...und täglich grüßt das Murmeltier: Helene holt sich Echo vier.“

"Helene-Fischer-Festspiele" beim Echo: Tatenlos durch die Nacht - | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
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"Eine besonders unangenehme Veranstaltung", kommentiert Felix Bayer auf SPIEGEL ONLINE. Die Echos 2015 seien die erwarteten "Helene-Fischer-Festspiele" geworden. Dass die Verleihung aber als besonders unangenehme Austragung in Erinnerung bleiben werde, daran trage Helene Fischer eigentlich gar keine so arg große Schuld. Vielmehr habe die Moderation Schönebergers nach einer anfänglichen Schweigeminute zu sehr nach "Schluss mit Trauern!" geklungen. Auch die musikalischen Darbietungen hätten die komplizierte Stimmung nicht wettmachen können. Über die Zukunft des Echos solle man sich Gedanken machen.

"Helene Fischer ist nun einmal der Bausparvertrag der deutsch-konservativen Musikszene", schreibt Anja Perkuhn für die "WAZ" in Bezug auf die erfolgreichste Preisträgerin. Am Ende habe Helene Fischer gefühlt sogar in den Kategorien gewonnen, in denen sie nicht nominiert war. Dass keine große Partylaune aufkam, habe natürlich vor allem an dem Flugzeugunglück gelegen, aber eben nicht nur. Moderatorin Schöneberger habe im Sekundentakt halbironische Kommentare ausgespuckt, von denen nicht alle funktioniert hätten.

"Zu den amerikanischen Grammys verhalten sich die Echos in etwa wie die 'Lindenstraße' zu 'House of Cards'", findet Felix Johannes Enzian in der "Frankfurter Allgemeinen". Und das, obwohl Deutschland eigentlich einer der wichtigsten Märkte für Popmusik sei. Die House-Rhythmen des prämierten Helene-Fischer-Songs "Atemlos" seien so unerotisch und gestrig, dass man eher an einen gemeinsamen Frühjahrsputz alter Nachbarn mit Sekt und Kuchen denken müsse.

"Doch, auch diese Echo-Verleihung hatte ihre Momente", findet Sebastian Zabel vom "Rolling Stone". Auch dank Moderatorin Schöneberger sei der Abend an surrealen Situationen nicht arm gewesen. Aber natürlich sei die Veranstaltung mit drei Stunden zu lang, und man vermisse nur ein paar Minuten, in denen es nicht um Verkaufszahlen und kommerziellen Erfolg gehe. Gut, dass wenigstens Deichkind aufgetreten seien und mit ihren "Refugees Welcome"-Kostümen für einen politischen Moment gesorgt hätten. Aber sie hätten ja auch keinen Echo bekommen.

"Beim Echo wird Jahr für Jahr deutlich, dass Deutschland eines nicht kann: Awardshows", urteilt Andrea Zschocher für den "Stern". Die Anmoderationen der verschiedenen Kategorien seien so spaßbefreit gewesen, dass es beim Zuschauen wehgetan hätte. Dass immer die gleichen Künstler, teilweise über Jahre, für die gleichen Kategorien nominiert würden, liege in der Natur des Echos: Da möge der ein oder andere Sieger überraschen, aber es zähle eben nicht der eigene Geschmack, sondern der Geschmack der Massen.

"Gala ja, Spannung nein", befindet Rick Fulker für die Deutsche Welle. Etwas mühselig habe die Moderatorin Barbara Schöneberger versucht, Spannung in den Ablauf zu bringen. Das sei schwierig gewesen, weil die Gewinner weitgehend vorhersehbar waren. Die einzige Überraschung des Abends hätte der Radio-Echo per Telefonwahl durch das Fernsehpublikum sein können. Doch auch der ging - recht erwartbar - an Andreas Bourani und seinen Hit "Auf uns".

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