04.07.2016 13:24 Für die Briten war es nun genug

Die Totengräber Europas sind ratlos - Wahnsinn, Irrsinn, Horror, Brexit

Brexit - England will raus aus der EU

Die Phase der grenzen- und sinnlosen Beschimpfung des britischen Volkes von deutschen Politikern und Journalisten war beschämend.

Von: Gottfried Böhmer Profil bei Google+

Die Totengräber Europas sind ratlos. Warum, wieso, weshalb und was nun, schwafelt es in die Mikrophone. Mit keinem Wort wird das Hauptproblem Europas angesprochen: Die totale Abwesenheit von Demokratie. Damit hat Rainer Kahni schon fast alles gesagt. Unser Autor Gottfried Böhmer fast hier noch mal zusammen was Politik und Medien für einen Unsinn verbreitet haben.

Der Höhepunkt eines grandiosen politischen Versagens

Nun ist er da, der Brexit - und alle sind in heller Aufregung. Alle? Nun, erstmal die Finanzmärkte und ihre Akteure, die etablierten Parteien und ihre Protagonisten und natürlich die "entsetzen" deutschen Medien.

Aber was ist passiert? Haben sich die Briten gegen Europa entschieden? NEIN. Dazu später. Jetzt heisst es beschwörend, die EU habe sich lange auf den Brexit vorbereitet, aber man habe nicht damit gerechnet. Dass sich das schon widerspricht, scheint niemanden zu stören. Statt nachzudenken, will man "Stärke zeigen" und beschört die Einheit, welche Einheit?

Und wie sah denn die Vorbereitung der EU aus?

Jetzt wurde es lächerlich: Martin Schulz sagte allen ernstes, man habe schon seit "Wochen und Monaten" besprochen, welche Sprachreglung für den Fall des Brexits gelten soll. Das nennen wir mal eine strategisch durchdachte Vorbereitung für das, was da auf uns zukommt. Passt aber exzellent zu den Fähigkeiten unserer EU-Politiker. Man wolle nun den Blick nach vorne richten, man werde weiter machen, man müsse besser werden, Reformen einleiten.

Vor genau diesen Reformen, da gab es ja unendlich viele, fürchten sich die meisten Europäer, da sie in der Regel mehr Nachteile als Vorteile brachten. Sigmar Gabriel will nun die EU "vertiefen". Was so viel heisst, dass er noch mehr Macht nach Brüssel verschieben will. Anscheinend hat Gabriel aus dem Brexit nichts gelernt.

Für die Briten war es nun genug

Um diesen Club die Mitgliedschaft zu kündigen. Beschämend ist, was die deutschen Medien zu dem NEIN der Inselnachbarn von sich geben. In der "TAZ" hiess es, es hättten die Rassisten gewonnen. Aha, über 50% der Briten werden als Rassisten abgestempelt.

Der Online-Chef der "FAZ" Mathias Müller von Blumencron meinte, die Wähler hätten sich am Europäischen Erbe versündigt. Versündigt??? Micky Beisenherz befand auf "stern-online" Demokratie ist eine feine Sache. Das dumme ist nur, dass die Doofen mit machen dürfen."

Nikolaus Blome von der "BLÖD-Zeitung" meinte gar, die Briten seien "irre". Und Ulrich Reitz vom "Fokus" sagte "man darf Staatsdinge auf gar keinem Fall dem Volke anvertrauen". Das Demokratie-Verständnis dieser Herren läßt sich wie folgt auf den Punkt bringen:

Wahlen sind immer nur gut, solange das herauskommt, was die Elite für richtig hält

Die Herren Journalisten und Meinungsführer sind sich in einem einig: nur die Elite, und sie zählen sich dazu, weiss was gut fürs Volk ist. Alle anderen sind "irre", "doof", "Rassisten", "Deppen" und "rückwärtsgewandte Idioten", oder alte Säcke. Dem Meinungskartell geht es aber nicht um Objektivität oder Argumente, sie wollen einfach nicht wahr haben, dass sie ihre Deutungshoheit lange verloren haben

Ob Russland-Sanktionen, TTIP, CTA, AFD, Islam, Flüchtlingskrise usw., die Deutschen wollen ihnen nicht mehr folgen. In Deutschland droht mangels Volksentscheid zwar kein EU-Austritt, macht aber nichts.

Zur Not kippen die Deutschen eben die ganze Wanne aus

Unsere Journalisten haben noch nicht verstanden, dass ihre Schwarzweissmalerei nicht mehr ankommt. Laut "FAZ"sollen die Jüngeren mit den Älteren abrechnen". Das lassen wir jetzt mal unkommentiert so stehen. Abrechnen? Fehlt nur noch die Forderung, dass in Deutschland die Alten so ab 55 bei zukünftigen Wahlen - Entscheidungen ausgeschlossen werden, das wäre eine ordentliche Abrechnung der Jungend mit den Alten.

Unser Justizminister Heiko Maas hat schon mal angekündigt, dass er die jungen Briten nicht alleine lassen will. Was hat er vor? Alle jungen Briten als Flüchtlinge aufnehmen? Das wär doch mal was.

Die Geschichte von den "weltoffenen, jungen Briten", die allesamt in der EU bleiben wollten, aber von schlecht gelaunten Alten überstimmt wurden, wird seit Freitag auf allen Kanälen und Medien hoch und runtergebetet. Stellt euch mal vor ich würde behaupten, Merkels CDU würde vor allem von „den Alten“ und „den Dummen“ gewählt.

Najib Karim schrieb passend auf FB zu den Medien:

Gestern noch Schmudelkinder, heute EU-Helden?

"So schnell geht medialer Meinungswechsel. Vor Kurzem noch galten die schottischen Nationalisten im Blätterwald als unsägliche ewiggestrige Nationalisten, die mit ihrer Forderung nach Unabhängigkeit die europäische Ordnung gefährdeten und ein gefährliches Exempel für das Baskenland, Katalonien, Korsika uvm. lieferten und jetzt sind sie die einzige progressive, demokratische Kraft auf der britischen Insel, die über den grünen Klee gelobt wird, weil sie genau das fordern, was sie schon forderten als sie noch Schmuddelkinder waren.

Einigen wir uns darauf, dass die schottischen Nationalisten damals wie heute Demokraten waren. Und die Medien Gehilfen der Mächtigen. Herr Juncker ist ein Mann, der glaubt, nur weil es ihm in der Vergangenheit immer wieder gelungen ist, dass er die europäische Bevölkerung immer austricksen kann. Wer aber immer ausgetrickst wird, der wirft irgendwann den Tisch mit dem Hütchenspiel um."

Die EU aufgebaut mit Drohungen, Erpressungen, Auswegen, Umwegen und Tricksereien

Jens Berger von den "nachdenkseiten" schreibt: Liebe Eliten, Ihr spielt mit dem Feuer und treibt Europa in den Untergang! Europas jüngere Geschichte ist kein Ruhmesblatt für die Demokratie. Man trickste, täuschte und drohte von Anfang an. So liebe Freunde der Künste, haben wir uns unser Europa nicht vorgestellt. Der Austritt Englands aus der EU ist noch kein Beinbruch, sollte das aber Schule machen, dann haben wir ein Problem.

Jakob Augstein fast es so zusammen: "Tiefer als in Merkels Hand kann Europa nicht mehr fallen. Das ist keine beruhigende Aussicht. Jetzt hängt das Schicksal des Kontinents von der Kanzlerin ab. Ausgerechnet. Denn Angela Merkel ist die Meisterin des Wartens. Sie wartet. Und wartet. Und wartet. Bis es zu spät ist. Schon die Finanzkrise hat Angela Merkel nicht genutzt, um Europa neu zu gründen. Sonst stünde uns der Brexshit nicht bis zum Hals. Wenn Merkel auch jetzt die Hände zur Raute in den Schoss legt, dann ist Europa erledigt."

CETA ohne Parlamente: Brüssel hat den (Brexit-) Schuß vor den Bug nicht verstanden

Das Schlußwort hat Oskar Lafontain:

Die größten Feinde Europas sind Juncker und Co

Wer sich immer noch fragt, warum eine Mehrheit der britischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Rentnerinnen und Rentner für den Brexit gestimmt hat, bekommt heute den nächsten Grund geliefert: EU-Kommissionspräsident Juncker hat mitgeteilt, dass die Parlamente der europäischen Staaten nach dem Willen der EU-Kommission nicht an der Entscheidung über das ausgehandelte Freihandelsabkommen mit Kanada (Ceta) beteiligt werden.

Die Nachrichtenagentur Dpa schreibt: „In Brüssel besteht seit längerem die Sorge, dass Parlamente einzelner Staaten die Weiterentwicklung der europäischen Handelspolitik blockieren könnten." Man fasst es nicht.

Der Pate der Steuervermeider und Steuerhinterzieher

Aus „Sorge“, die demokratischen Parlamente könnten die Zerschlagung grundlegender Arbeitnehmerrechte und sozialer Standards ablehnen, wird die Demokratie mit Tricks ausgehebelt. In der EU geht eben nicht alle Macht vom Volke aus, sondern von Banken und Konzernen.

Die größten Feinde eines Europas, in dem Demokratie und Sozialstaat das Zusammenleben der Menschen bestimmen sollen, sind die Tölpel in der EU-Kommission. An der Spitze ein Präsident, der sich schon als „Pate“ der Steuervermeider und Steuerhinterzieher einen Namen gemacht hat. So kann es nicht weitergehen.

 

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Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Direktor der Gesellschaft Freunde der Künste und Redaktionsleiter der GFDK.

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