05.05.2015 09:29 Korrupt bis auf die Knochen

Die Expo 2015 mit Nestlé, Syngenta, Monsanto, McDonald’s, Coca Cola und Co

Die Expo 2015 brauch kein Mensch.

Geht das Zeitalter der demokratischen Machhaber seinem Ende entgegen? Keine unberechtigte Frage wie wir meinen.

Korrupt bis auf die Knochen.

Foto: (c) Netzfrauen.de

Von: Gottfried Böhmer und Rainer Kahni

Die EXPO 2015 in Mailand will mit Thema „Feeding the Planet, Energy for Life“ punkten, aber keiner glaubt den beteiligten Konzernen wie  Nestlé, Syngenta, Monsanto, McDonald’s, Coca Cola und Co, das sie das ernst meinen könnten. Im Vorfeld der Expo gab es unzählige friedliche Proteste, die bei den Politikern und den Medien kein Gehör fanden. Dass es am 1. Mai zur Eröffnung der Weltausstellung zu Krawallen kommen wird, lag also auf der Hand.

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzider, der die Expo eröffnete, hatte dann auch nichts besseres im Sinn, als hohe Haftstrafen für die Expo-Gegner zu fordern. Aber schon der Titel der Weltausstellung "Den Planeten ernähren, Energie für das Leben" ist angesichts der Sponsoren eine Provokation. Über 800 Millionen Menschen hungern auf der Welt, und die beteiligten Unternehmen der Expo 2015 gehören zu den dafür Verantwortlichen.

Geht das Zeitalter der demokratischen Machhaber seinem Ende entgegen? Keine unberechtigte Frage wie wir meinen. Ob Podemos in Spanien, SYRIZA in Griechenland, Weltbank oder IWF treffen etc, nichts geht mehr ohne massiven Widerstand von Protestlern. So wie es aussieht geht das Zeitalter der Goldmann-Sachs-Agenten, die fast alle Intitutionen, Konzerne, Banken und Regierungen unterwandert haben seinem Ende entgegen, das würde man sich zumindest wünschen.

Das neueste Schauspiel des Widerstands konnten die Italiener am Wochenende miterleben. In Mailand wollten die feinen Herren mit den vollen Taschen und mit reichlich Steuerrgeldern ausgestattet die Expo 2015 kräftig feiern. Nun ist die Weltausstellung erst mal ins Wasser gefallen. Rund 20.000 Expo-Gegner haben den Herrschaften die Party versaut. Das hat seine Gründe. Die Expo 2015 ist eine pure Werbeveranstaltung auf Kosten der italienischen und europäischen Steuerzahler.

Besonders erbost waren die Expo-Gegner auch über die Fastfood-Kette MacDonalds, die ein Restaurant auf der Expo betreibt. "Wenn diese Veranstaltung über die Zukunft der Ernährung nachdenken will, hätte man unserer Meinung nach bestimmte Entscheidungen treffen müssen. Den Planeten ernähren, heißt nicht, ihn mästen", kritisiert Marco Burdese von der italienischen "Slow Food"-Bewegung, die für eine für eine bewusste und regionale Ernährung wirbt.

Korrupt bis auf die Knochen, das wahre Gesicht der Expo

Die "Netzfrauen" haben geschrieben: "2014 wurde der Expo-Schmiergeld-Skandal aufgedeckt. Manager hatten Millionenbeträge von Bauunternehmen aus dem Umfeld der ’Ndrangheta kassiert. Die Firmen sicherten sich so lukrative Aufträge. Auch Politiker waren verwickelt. Neubauten wurden auf Äcker gesetzt, die Landschaft mit Autobahnen, Straßen, Bahnstrecken verbaut. Das ist das wahre Gesicht der Expo 2015. Im Rahmen der Eurokrise hätte die Expo 2015 nicht stattfinden dürfen."

Die fast 2,5 Milliarden Euro teure Expo in Mailand wurde von vielen Korruptionsskandalen begleitet, was in Italien niemanden wundern sollte. Die Expo-Gegner prangerten zu recht eine Verschwendung öffentlicher Mittel und die Ausbeutung von Arbeitern an.

17.000 Polizisten, Italiener klettern über die Alpen, Obama und Merkel erzählen sich Geschichten

Die nächste große Party findet am 7. und 8. Juni 2015 in Deutschland statt. Im beschaulichen Oberbayern, genauer auf Schloß Elmau treffen sich mal wieder unserere "geliebten Staatschefs" zum G7-Gipfel, um Dinge zu beschließen, die wir nicht wollen. Und da die Damen und Herren das wissen, sollen 17.000 Polizisten für ihre Sicherheit sorgen. Mann, müssen die Angst vor dem Volk haben. Wenn dann auch noch die Italiener über die Alpen klettern, heißt es in Bayern "Land unter". Natürlich hat der Gipfel auch was gutes. Barrack Obama und Angela Merkel können sich ihre neuesten Geheimdienstgeschichten erzählen.

Konstantin Wecker im Interview mit Melodie und Rhythmus 2015

"Im Moment habe ich das Gefühl, wer dieses System nicht angreift, kann nicht bei Verstand sein. Mich hat am meisten die Prognose für das Jahr 2016 erschüttert. Ein Prozent der Menschheit wird dann so viel besitzen wie die übrigen 99 Prozent zusammen. Das finde ich ungeheuerlich. Man kann nur noch zu dem Schluss kommen, dass die Menschheit restlos versagt hat. Wir erleben eine so ungeheuerliche Ungerechtigkeit, die jedem denkenden Menschen sofort auffallen muss, aber kaum etwas passiert. Ich frage mich, wie man immer noch ein System verteidigen kann, das solche Zustände hervorbringt und zulässt."

Während in Mailand demonstriert wurde, haben die deutschen wider mal die Gelegenheit verpasst für ihre rechte einzutreten. Statt den 1. Mai kraftvoll dazu zu nutzen, (immerhin leben hier über 30 Millionen abhängig beschäftigte) haben sie die Autobahnen verstopft und sind dank des brückentags verreist.

Dazu schrieb Rainer Kahni:

Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit. Es wird also höchste Zeit, einmal über die Arbeiter zu sprechen. Soviel ist sicher: Die Arbeitskraft und die Gesundheit sind wertvolle Güter der Menschen. Da stellt sich mir die Frage, warum die Arbeitskraft nicht so teuer wie möglich verkauft wird.

Richtig ist doch, dass die Löhne und die Kaufkraft seit 1992 mit Hilfe oder Duldung der Gewerkschaften um 21,5 % gesunken sind, während zur gleichen Zeit die Vermögen der Konzerne und der Reichen um das dreifache gestiegen sind? Das ist meines Erachtens auf die mangelnde Solidarität unter den Arbeitern, den Gewerkschaften und den Sozialdemokraten zurück zu führen.

Deutschland ist ein Billiglohnland, das seine verheerenden Exportüberschüsse auf dem Rücken von Zeitarbeitern und Biliglöhnern erwirtschaftet. Konsequenz: Die Löhne müssen drastisch angehoben werden, die Binnennachfrage muss dadurch gestärkt werden und die Armut muss mit drastischen Massnahmen bekämpft werden.

Das alles geht nur, wenn Arbeiter, Sozialdemokraten und Gewerkschaften zu einer machtvollen und solidarischen Kraft in Deutschland zusammen stehen. Diese naturgegebene Solidarität unter den Deutschen vermisse ich. Stattdessen sehen wir eine immer deutlichere Zunahme einer hasserfüllten, egoistischen Neidgesellschaft. Lasst es euch gesagt sein: Der Feind steht nicht links oder rechts, der Feind der Arbeiter steht oben.

Mal sehen wie solidarisch die deutschen sind

Die FAZ titelt am Montag, 4. Mai 2015:Die GdL wird zu einem Risiko für Deutschland


Führende Regierungspolitiker kritisieren den bevorstehen Riesenstreik der Lokführer scharf. Sigmar Gabriel jammert in der „Bild“-Zeitung, der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Michael Fuchs, kritisierte: „Die GdL wird zu einem Risiko für den Wirtschaftsstandort Deutschland.“ Die volkswirtschaftlichen Folgeschäden seien gewaltig. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, die Grenze der Akzeptanz dieses Tarifstreits in der Bevölkerung sei zunehmend erreicht. Und die CDU fordert ein schärferes Streikrecht.

Die Springer-Hetz-Presse treibt es auf die Spitze und titelt "Es reicht! Die GDL hat endgültig überzogen. Schluss mit dem Streik-Vandalismus!"

Der "Krautreporter" schreibt:
Nicht dieser ‪Streik‬ ist erstaunlich, sondern die ‪Empörung‬ darüber, die ganze Genervtheit. Dass ein Gewerkschafter die Interessen seiner Arbeiter mit Nachdruck verfolgt, sind wir vielleicht nicht gewohnt. Wir sollten es aber sein. Denn dieses Ringen zwischen den Interessen ist nicht das Geschwür der Demokratie‬ wie es die Ignoranten, Faulen & Demagogen gerne darstellen wollen. Es ist ihre Seele."

Am 7. November 2014 haben wir schon geschrieben: Franzosen wehren sich gegen Russland Sanktionen, und die Deutschen gegen die Lokführer

 

Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, ist Journalist und Autor von Polit - und Justizthrillern. Er ist am Bodensee aufgewachsen, lebt jedoch seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza. Seine Muttersprache ist deutsch, seine Umgangssprache ist französisch. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières und berichtet für Print - Radio - und TV - Medien aus Krisengebieten.

Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Direktor der Gesellschaft Freunde der Künste und Redaktionsleiter der GFDK.

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