12.03.2013 10:00 Til Schweiger als Nick Tschiller

Der neue Tatort: Til, nsere Bziehng macht kn tsinn. Wenn mit Klischees jongliert wird, dann bitte richtig

Der neue Tatort: Till, nsere Bziehng macht kn tsinn. Wenn mit Klischees jongliert wird, dann bitte richtig

© NDR/Marion von der Mehden

Von: GFDK - Marie Allnoch

Ja, wir hatten es alle kommen sehen. Nein, deswegen haben wir ihn alle natürlich auch nicht geschaut.

Ich schon. Töricht. Trotz eindeutiger Warnungen von verschiedensten Seiten, so demonstriert beispielsweise die Popkultur ihre Einstellung zum neuen Hamburger Tatort mit einem „Til-Schweiger-Bullshit Bingo“, habe ich versucht Objektivität zu wahren und mich fernab aller Voreingenommenheit wirklich auf den Film einzulassen. Zu Anfang klappt das auch ganz gut: Anstelle des keinohrigen Frauenlieblings präsentiert sich Schweiger als unbeliebter Neuankömmling.

Gleichzeitig mit dem Zuspruch von Wotan Wilke-Möhrings Figur verspielt er sich auch meine versuchte Sympathie. Erfrischend. Auch das nuschelnde Wortspiel „Nick Tschiller“ lässt auf eine gewisse Selbstreflexion schließen.

Mit dem Auftritt von Schweigers Tochter Luna kehr die Erinnerung an dunkle Zeiten und Kuschelrock-Soundtracks jedoch schnell zurück. Es folgen etliche unnötige Schießereien, episch anmutende Szenen des Überlebenskampf auf dem Dach der Kulturruine Elbphilharmonie, die als Fluchtort für osteuropäische Zwangsprostituierte endlich einen Zweck gefundenen zu haben scheint, und deplatzierte Flirts mit Rächern des Rechts gleichermaßen wie mit Handlangern des ach so guten alten Freunds, der die Menschenhändler ja nur ein bisschen berät.

Natürlich wird am Ende alles gut. Das ist in der warm eingefärbten Zeitlupe die Schweiger als Retter der Frauenwelt zeigt, gefolgt von einer Gruppe klischeehaft gekleideter Zwangsprostituierter aus den Trümmern des Schlachtfelds schreitend, nicht zu übersehen. Und natürlich hat Tschiller, anfangs wild um sich schießend, dazugelernt und schaltet seinen Endgegner mit einem eleganten Schlag aus.

Die überdramatische Handlung dieses Tatorts,  so denn dieser Begriff überhaupt einer Schweigershow würdig ist, lässt mich neugierig auf die nächste Ausgabe werden. An Fokussierung auf den Schweigerclan und Hollywood-Action scheint sie nur noch übertroffen werden zu können, wenn Papa Til, Entschuldigung, Nick, im Nasenpiercing seiner Tochter einen mexikanischen (woher auch sonst?) Peilsender entdeckt.

Die Anfängliche Hoffnung auf Selbstironie und damit die Chance auf einen überzeugenden Schweiger-Tatort hat sich leider nicht bestätigt. Mein Schweiger-Bullshit-Bingo bleibt enttäuschend leer, von 25 großartigen Begriffen wie „Mächenhndlä“ und „tsursaite, isch tschieße!“ bleibt mir leider nur „nsere Bziehng macht kn tsinn“. Wenn schon mit Klischees jongliert wird, dann bitte richtig.

Marie Allnoch ist Redakteurin der Gesellschaft Freunde der Künste und zuständig für Literatur, Kino und TV-Tipp